Mobile Payment stellt Bankenbranche vor Herausforderungen

Das Smartphone wird zur Bankfiliale

Wo stehen Banken in Sachen Mobile Payment? Wie müssen sie sich positionieren, um an dem Trend, der ihr Kerngeschäft streift, teilzunehmen? Welche Veränderungen müssen sie vornehmen, um sich gegen neue Wettbewerber aus den Nachbarbranchen zu behaupten, und welche Technologien werden hierfür benötigt?

Eine aktuelle Studie von Bain und Company zeigt, dass sich die Anzahl der Mobile-Payment-Nutzer seit 2012 verdoppelt hat. Für ein Land, das sich bislang gegenüber dem Mobile Payment sehr zurückhaltend gezeigt hat, ist das ein bemerkenswerter Anstieg. Mobile-Payment-Start-ups betreten mit Funktionen wie Sofortzahlungen oder Peer-to-Peer-Transaktionen das Hoheitsgebiet traditioneller Banken.

Angesichts des Booms der Smartphones und Tablets ist es nur konsequent, dass in Kürze auch das seit langem beschworene Mobile Payment Fahrt aufnimmt. Eine Studie der GFT Technologies AG beispielsweise sagt voraus, dass bis 2017 eine Milliarde Nutzer weltweit ihr Gerät auch für Bankgeschäfte verwenden werden. Das Smartphone kann in diesem Zusammenhang eine große Hilfe, etwa für das Bezahlen im Taxi oder den Snack im Stadion, sein, indem ein Barcode gescannt wird, anstatt umständlich nach Kleingeld zu kramen.

Wie Banken ihre Stärken nutzen

In welche Lage versetzt diese Entwicklung die traditionellen Banken? Innovationen der Wettbewerber gleichen das Gefälle aus, und die Millennium-Generation wird vielleicht schon bald lieber über eine Bank zahlen, die von Apple, Google oder Amazon geführt wird. Und selbst wenn traditionelle Banken noch immer im Hintergrund tätig sind, laufen sie doch Gefahr der Marginalisierung als bloße Gelddepots. Trotz des Wettbewerbs haben die Banken die besten Chancen, vom Mobile-Payment-Trend zu profitieren. Denn die Hausbank ist noch immer die bevorzugte Anlaufstelle, wenn es um die persönlichen Geldangelegenheiten geht.

Daher müssen Banken jetzt die Weichen stellen, wollen sie von ihren Vorteilen – etwa ihrer Sicherheitsexpertise oder einem loyalen Kundenstamm – profitieren. Einer der wichtigsten Schritte betrifft das Thema „Partnerschaften“, bei dem beispielsweise Beratungsunternehmen wie Cognizant Hilfestellung bieten können. Es ist in dieser Phase wichtig eine klare Strategie zu schmieden, welche der Player sie zu ihren Partnern machen wollen und welche Wettbewerber bleiben. Das Beispiel Google Wallet und Isis zeigt, was der Markt erwarten darf. Partnerschaften wie diese stellen einen wirksamen Weg dar, wie Banken in Sachen Payment ihre Stellung behaupten können und nicht ins Abseits geraten.

Neben verlässlichen Partnerschaften sind für eine Strategie auch Technologie-Investitionen nötig. Laut einer anderen Studie von GFT ist der Schlüssel hierzu das Omni-Channel-Banking. Kunden tendieren dazu, eine Vielzahl von Kanälen zu nutzen. Die Herausforderung besteht darin, diese Prozesse zu  verbinden und zugleich zu verändern, um innovativ zu werden. Was bedeutet, den Kunden mehr Auswahlmöglichkeiten zu geben und die entsprechenden Funktionen dafür zur Verfügung zu stellen. Banken müssen eine Schnittstelle zwischen ihren Legacy-Systemen und ihrem Mobile Betrieb schaffen. Das erfordert Investitionen in Datenmanagement, Sicherheit, Applikationsentwicklung und andere. Banken werden hier mit einem Backbone arbeiten müssen, der standardisierte Verarbeitungen ermöglicht und mit verschiedenen Payment-Plattformen zusammenarbeitet. Auch Datenschutz und Sicherheit müssen hier mit oberster Priorität bedacht werden. Dazu zählen etwa Investitionen in zuverlässige Security-Plattformen und mehrschichtige Authentifizierungsprotokolle.

Kundendaten in echtes Wissen verwandeln

Erfolg wird den Banken beschieden sein, wenn es ihnen gelingt, ihre Reputation bezüglich Kundenvertrauen und Sicherheit mit smarten Zusatzfunktionen zu kombinieren, wie etwa ein Überblick über Kontenbewegungen in Echtzeit. Eine große Rolle werden hier auch Analyse- und Big-Data-Technologien spielen, mit deren Hilfe Banken ihre Kundendaten in echtes Wissen zu den wahren Kundenbedürfnissen verwandeln können. Das ebnet den Weg zu kundenspezifischen Angeboten – idealerweise direkt auf das Mobilgerät, noch während der Transaktion. Allerdings achten Kunden verstärkt auf Datenschutz und sind generell kritischer, was den Gebrauch ihrer Daten betrifft. Anwendungen und Services, die auf Analysen beruhen, müssen zeigen, dass es den Anbietern darum geht, den Kunden zu geben, was sie wollen. Wenn die Kunden den Eindruck gewinnen, dass sie lediglich für Werbezwecke benutzt werden, kann der Schuss nach hinten losgehen.

Mobile Payment eröffnet Banken Möglichkeiten, ihre Kundenbindung zu verbessern. Damit es jedoch dazu kommt, müssen die Kunden erfahren, welche Vorteile ihnen durch das mobile Bezahlen entstehen. Hier gibt es für Banken noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. So sollten entsprechende Kampagnen da stattfinden, wo junge Kunden zu finden sind, beispielsweise auf Facebook, Twitter und anderen populären Plattformen.

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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