Schadenersatzansprüche vermeiden

Daten vom Smartphone sicher löschen

Alle zwei Jahre legen sich rund 42 Prozent aller Mobiltelefonnutzer in Deutschland ein neues Smartphone zu. Warum das professionelle Löschen erfolgskritischer Daten notwendig ist und wie dies am besten erfolgt, berichtet Teqcycle-Geschäftsführer Dirk Ulrich im Interview.

Dirk Ulrich, Teqcycle

„Lediglich 20 Prozent der IT-Spezialisten haben einen festen Prozess zur Datenlöschung im eigenen Unternehmen“, kritisiert Dirk Ulrich.

Herr Ulrich, warum genügt es bei geschäftlich genutzten Mobilgeräten nicht, sie lediglich auf Werkseinstellungen zurückzusetzen?
Dirk Ulrich:
Das Rücksetzen auf Werkseinstellungen erweckt den Eindruck, dass alle Daten vom Handy gelöscht wurden. Je nach Hersteller verbleiben jedoch Daten auf dem Gerät und können mit wenig Aufwand wiederhergestellt werden. Hierzu gibt es im Internet Tutorials, die zeigen, wie leicht eine Wiederherstellung der Daten möglich ist. Geraten nicht datenschutzkonform gelöschte mobile Endgeräte in falsche Hände, können sie erheblichen Schaden anrichten. In einer von Teqcycle in Auftrag gegebenen Studie auf der It-sa 2015 schätzten die IT-Security-Experten den Wert der Daten auf einem Smartphone auf 50.000 Euro.

Wie verbreitet sind unternehmensinterne Prozesse oder Regularien zur Datenlöschung?
Ulrich:
In der erwähnten Studie gaben nur 20 Prozent der IT-Spezialisten an, dass sie einen festen Prozess zur Datenlöschung im eigenen Unternehmen implementiert haben. Erschreckenderweise gaben 50 Prozent an, dass sie keinen Prozess für ihre Altgeräte im Unternehmen haben und somit auch keine Kenntnis darüber besitzen, was mit ihren Geräten nach der Erstnutzung passiert.

Welche rechtlichen Konsequenzen können auf Unternehmen zukommen, wenn ausrangierte Smartphones noch Restdaten enthalten?
Ulrich:
Bei Firmengeräten droht dem Unternehmen im Falle von Verstößen gegen das Bundesdatenschutzgesetz bis zu 300.000 Euro Bußgeld. Hinzu kommen gegebenenfalls Schadensersatzansprüche von Kunden und Mitarbeitern, deren Daten dabei betroffen waren.

Gemeinsam mit der Deutschen Telekom haben Sie ein Verfahren zur Weiterverwertung gebrauchter Geräte entwickelt. Wie gestaltet sich der Rücknahmeprozess?
Ulrich:
Das Secure Take Back steht in drei verschiedenen Varianten zur Verfügung:
1. Basic: Kunden senden die Geräte in eigener Ver-packung ein.
2. Premium: Teqcycle stellt zu verplombende Versand-boxen zur Verfügung.
3. Premium+: Bei beson-deren Sicherheitsanfor-derungen findet die Daten-löschung direkt vor Ort beim Kunden statt.

Generell gilt: Bei größeren Projekten wie beispielsweise europäischen Rollouts werden die Logistikprozesse kundenspezifisch angepasst. Dies kann von der Einzelversendung der Geräte jedes Mitarbeiters bis zur Abholung von VIP-Geräten variieren.

Und was passiert bei Ihnen mit den eingesendeten Geräten?
Ulrich:
Nach dem Eingang der Geräte werden als erstes vorhandene Sim- und Speicherkarten aus den Geräten entfernt und geschreddert. Anschließend werden die Geräte im hauseigenen Programm Reversys nach „weitervermarktbar“ oder „Recycling“ kategorisiert. Für erstere beginnt nach einer Überprüfung auf Funktionsfähigkeit der dekra-zertifizierte und von der Deutschen Telekom AG auditierte Datenlöschprozess. Hierbei nutzen wir hauptsächlich die Löschsoftware Blancco, die die datenschutzkonforme Reinigung der Gerätespeicher ermöglicht. Für jedes von Blancco bearbeitete Gerät wird ein Löschprotokoll auf IMEI-Basis als Nachweis für die vollständige Datenvernichtung erstellt. Da es sich auch bei der Überprüfung der durchgeführten Datenlöschung um einen wichtigen Bestandteil im Prozess handelt, werden im Rahmen der Qualitätskontrolle fünf Prozent der Tagesmenge der gelöschten Mobiltelefone nach der Datenlöschung auf Wiederherstellbarkeit geprüft. Sollten Geräte nicht löschbar sein, werden diese direkt recycelt. Geräte, die dem Recycling zugeführt werden, werden nach einer zweiphasigen mechanischen Zerkleinerung einer thermisch/energetischen Verwertung zugeführt, um die Daten endgültig zu löschen und die vorhandenen Rohstoffe wieder zurückzugewinnen.

Was geschieht seitens Teqcycle mit den „gereinigten“ Geräten?
Ulrich:
Nur Geräte, die auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft wurden und eine vollständige Datenlöschung erfolgreich durchlaufen haben, werden von uns weitervermarktet. Hierzu wird eine eigens entwickelte Auktionsplattform genutzt, um den am Markt besten Preis zu erzielen und dem Kunden den höchstmöglichen Erlös für die Geräte auszahlen zu können. 

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