Hypes und Trends

Der Megatrend Künstliche Intelligenz verändert Strategien

Microsoft und Google ändern ihre Strategie in Richtung „AI first“. Das Thema ist also im Kern der Unternehmen angekommen, auch wenn KI-Lösungen noch am Anfang sind.

Nachdenkliche Roboter? Hypemarketing statt Realität

Nachdenkliche Roboter? Hypemarketing statt Realität

Da ist er wieder, der alljährliche Gartner Hypecycle for Emerging Technologies. Er präsentiert alle technologischen Trends, die langsam die Hype-Kurve hinaufsteigen oder sich schon an der Spitze befinden. Doch daneben ist interessant, was nicht mehr vorkommt: Cloud und Mobile. Die Ex-Megahypes der letzten Jahre sind wohl inzwischen zum Gähnen. Überhaupt nicht langweilig dagegen ist Künstliche Intelligenz und alle Technologien um dieses Thema herum. Sie finden sich im aktuellen Hypecycle in großer Zahl, sei es das Brain-Computer-Interface, Cognitive Computing, Machine Learning, virtuelle Assistenten, smarte Roboter oder Neuro-Hardware.

Gartner sieht darin einen Megatrend, der Wirtschaft und Gesellschaft in den nächsten Jahren dauerhaft beschäftigen wird. Zumindest die großen Technologieunternehmen im Westen der USA haben das erkannt. In den letzten zehn Jahren hieß es Mobile First. Während der nächsten zehn Jahren werde eine Welt erschaffen, die AI First ist, meint Google-CEO Sundar Pichai. Und im neuen Microsoft Jahresbericht fehlt im Abschnitt „Vision“ die von CEO Satya Nadella ausgegebene Parole: „Mobile first, Cloud first“. Stattdessen fallen die Stichworte Intelligent Cloud, Intelligence Edge und AI.

Damit reihen sich Google und Microsoft bei vielen Technologie-Unternehmen ein, die sich jetzt in Richtung Künstliche Intelligenz und Maschinen Learning neu orientieren. So eröffnen immer mehr Unternehmen eigene KI-Forschungslabore, in denen sie neue Anwendungsfelder für KI-Algorithmen erforschen wollen. Und immer mehr Cloud-Plattformen bieten Machine Learning als Service an. Allerdings muss hier, vor allem mit Blick auf die Google-Schwesterunternehmen im Bereich KI, vorsichtig zwischen Hypemarketing und Realität unterschieden werden.

KI ist schon im Kern der Unternehmen angekommen

Zwar sind die neuronalen Netzwerke von Deepmind zu interessanten Dingen fähig, doch praktische Anwendungen für Unternehmen sind im Moment noch die Ausnahme. Stattdessen nutzt ein großer Teil der bisherigen KI-Anwendungen in großen Unternehmen dieselben Algorithmen und Tools, die bereits seit Jahren: Herkömmliches Machine Learning (ML) ohne neuronale Netzwerke. Diese Verfahren existieren bereits seit einigen Jahren und sind seitdem kontinuierlich weiterentwickelt worden. Sie haben zwar ihre Grenzen, sind aber deutlich weniger aufwendig als Deep Learning mit neuronalen Netzen.

„Diese grundlegenden ML-Algorithmen sind gut genug für viele Anwendungen“, meint die ML-Expertin Catherine Dong. Sie stecken hinter zahlreichen Services von Technologieunternehmen, beispielsweise Kontaktvorschlägen, Ad-Targeting, Vorhersage von Benutzerinteressen und Ranking von Suchergebnissen. „Deep Learning umzusetzen ist Schwerstarbeit“, beschreibt Dong ihre Erfahrungen. „Es erfordert immer noch viele manuelle Korrekturen sowie eine Kombination von Intuition mit Versuch und Irrtum.“

Der KI-Hype widmet sich einer Technologie, die am Anfang steht und noch nicht das Reifestadium erreicht hat. Trotzdem ist der technologische Fortschritt in den letzten Jahren enorm, meint die KI-Expertin Hilary Mason. Dadurch ist vor allem Machine Learning zum Kern der neuen, innovativen Digitalwirtschaft vorgedrungen. Für Mason geht es in den Unternehmen in erster Linie darum, dass ML-Algorithmen Daten geschickter auswerten und damit die Produktivität steigern. Eher spekulativen Überlegungen zur „Singularität“ steht sie skeptisch gegenüber: „Wir nutzen Maschinen als Werkzeuge und Maschinen Learning ist nur ein weiteres Werkzeug“.

Bildquelle: Thinkstock

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