IT-Prognosen für 2016

Die 6 Megatrends der IT

Der Jahresbeginn ist eine gute Zeit für einen Blick auf wichtige Entwicklungen. Viele kleine Einzeltrends fließen zu sechs Megatrends zusammen.

Die Zeit um die Jahreswende ist die Zeit, in der Beratungsunternehmen die IT-Trends des Jahres vorhersagen. Wer die verschiedenen Trendlisten vergleicht, erkennt sofort: Die Berater von IDC, PARC, Experton, Forrester oder Gartner sind zu kreativen Höchstleistungen in der Begriffsbildung fähig. Es wimmelt von Bezeichnungen wie „Device Mesh“ (Zusammenwachsen bisher getrennter Geräte), „Internet of Me“ (Was mir personalisierte Werbung zeigt) oder gar „Hyperconnected Hyperadaptor“ (schlicht: Vorreiter der Digitalisierung).

Internet of Things, Digitale Transformation und Smartness

Dahinter verbergen sich jedoch zahlreiche, teils recht kleinteilige Aspekte einiger zusammenhängender Megatrends. An erster Stelle ist das die Weiterentwicklung des Internet of Things. Das Gerätenetz soll im nächsten Jahr organisch weiterwachsen und vor allem im Umfeld der Industrie 4.0 zu völlig neuen Geschäftsmodellen führen.

Eng damit verbunden ist der Megatrend „Digitale Transformation“, bei dem es in erster Linie um digitale Prozesse und Geschäftsmodelle geht. Die Berater von IDC haben es prägnant ausgedrückt: „Die Digitalisierung wird Pflicht“. Die Unternehmen müssen an der digitalen Transformation teilnehmen, anderenfalls haben sie das Nachsehen.

Ein dritter Megatrend sind smarte Technologien, beispielsweise Machine Learning, autonome Agenten wie Siri und Cortana oder smarte Services für mehr Kundennutzen. Unterschiedliche Formen des Cognitive Computing, etwa Künstliche Intelligenz, aber auch datenbasierte Services werden 2016 bestimmend sein. Hintergrund ist die enorme Leistungssteigerung von kleinen und kleinsten Computersystemen und ihr gleichzeitiger Preisverfall.

So können heutzutage Geräte und Systeme „smart“ gemacht werden, an die vor wenigen Jahren noch niemand gedacht hat. Selbst einfache Smartwatches sind heutzutage ähnlich leistungsfähig wie die frühen Smartphones. Vor allem die Vielzahl an Sensoren aller Art erlaubt vollkommen neue Gerätefunktionen bei Kleidung, Haustechnik und in vielen anderen Bereichen. Doch die Basis dieser Entwicklung ist smarte Software, die teils mit KI-Funktionen aufgerüstet wird.

Software Defined Everything

Denn der vierte Megatrend heißt immer noch „Software eats the World“. Hier sind mehrere Aspekte wichtig. Auf der Ebene der Business-IT steigt die Bedeutung von Infrastruktur-Anbietern, die unkomplizierte und leicht konfigurierbare Services („Software Defined Datacenter“) anbieten. Als Frage an IT-Organisationen ausgedrückt: „Coden Sie Ihr Rechenzentrum schon oder bauen Sie noch Kisten auf?“

Dieser Trend rückt die Technik noch ein großes Stück weiter weg von den Nutzern, deren IT dadurch schlank bleiben kann. Wer seine IT-Infrastruktur einfach per Skript oder sogar nur per Mausklick in der Cloud konfiguriert, muss seinen Admins keine überflüssigen Routineaufgaben zumuten. Er kann sich ganz auf den Betrieb wichtiger Kernanwendungen beschränken.

Aus Sicht des Konsumenten sind ebenfalls viele Produkte „Software-Defined“. Vor allem die Premium-Segmente aller Branchen zeigen, wohin der Trend geht. Ein gutes Beispiel ist hier der Vorwerk Thermomix, ein Highend-Produkt für Experimentierfreudige. Die Kombination aus Zerkleinern und Garen mit integrierter Rezeptbibliothek verkauft sich gut und zeigt, wie man sich die vernetzte Küche der Zukunft vorstellen kann.

Besonders auffällig ist die „Softwarefication“ bei Autos der oberen Klassen wie etwa der neuen Mercedes-Baureihe W213 (E-Klasse), deren Benutzeroberfläche auf der CES in Las Vegas vorgestellt wurde. Dort ersetzen Digitaldisplays die üblichen Bordinstrumente. Zwei nebeneinander angeordnete 12,3-Zoll-Doppeldisplays zeigen Tacho, Drehzahl, Navi und Fahrdaten an.

Außerdem ist der Wagen mit allerlei Assistenzsystemen aufgerüstet, so dass zeitweise nicht der Fahrer, sondern die Software die E-Klasse fährt. Dies deutet eine Zukunft der fahrerlosen Autos an, in der tatsächlich die Software das entscheidende Element ist und nicht die „Hardware“, also Motor, Getriebe, Bremssystem oder Achskonstruktion.

Agilität und die neue Unternehmenskultur

Ein fünfter Megatrend verbirgt sich hinter dem Begriff „agil“. Er kommt in praktisch allen Analysen der IT-Trends 2016 vor, entweder direkt als Einzeltrend oder aber an vielen Stellen in den Erläuterungen zu anderen Trends. Damit ist nicht unbedingt ausschließlich die agile Methodik der Softwareentwicklung gemeint.

Denn das agile Modell lässt sich gut in andere Bereiche übertragen, in denen es um eine Entwicklung im allerweitesten Sinne geht. So ist agiles Projektmanagement ein Ansatz, der von zahlreichen Unternehmen auch außerhalb der IT-Branche erprobt wird. Denn der Einsatz agiler Methoden verspricht eine dynamischere Reaktion auf unvorhergesehene Ereignisse.

Und genau das ist, siehe die ersten vier Megatrends, in den Unternehmen in den nächsten Jahren am meisten gefragt. Die in der Informationstechnologie typische schnelle Abfolge von Geräte- und Softwaregenerationen hat im Rahmen der Digitalisierung ganze Branchen beschleunigt. Die Unternehmen müssen sich auf die Suche nach einer neuen Arbeitsorganisation machen, um nicht von Vorreitern abgehängt zu werden.

Womit der sechste und letzte Megatrend in den Blick kommt: Eine neue Unternehmenskultur, die einerseits von den Mitarbeitern mehr Eigeninitiative fordert und andererseits vom Management mehr Freiheitsgrade für das Personal voraussetzt. Die traditionelle Arbeitsorganisation erreicht in der Digitalwirtschaft ihre Grenzen, mit kleinteiligen Hierarchien lässt sich die geforderte Dynamik nicht erreichen.

Diese Megatrends bilden zusammengenommen eine fast schon revolutionäre Entwicklung, die die Wirtschaft in den nächsten Jahren noch sehr intensiv beschäftigen wird. Ihre Bedeutung ist enorm, da es im Grunde unmöglich ist, sich von dieser Entwicklung abzuschotten - es sei denn, um den Preis von enormen Wohlstandsverlusten.

Bildquelle: Thinkstock

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