Buchvorstellung

Die digitale Transformation in der Praxis

Drei neue Bücher widmen sich allen Aspekten der digitalen Wirtschaft. Sie richten ihren Blick auf die Anstrengungen deutscher Unternehmen für die erfolgreiche digitale Transformation.

Fast kann man sie schon nicht mehr hören, die Rede von der digitalen Transformation, der Digitalisierung der Wirtschaft und den zukünftigen, digitalen Geschäftsmodellen. Doch Überdruss wäre gefährlich. Die intensive Diskussion über diese Themen zeigt: Es handelt sich nicht um eine Modeerscheinung, sondern um den Verweis auf etwas, das die nächsten Jahrzehnte bestimmen wird.

Wer wissen möchte, was auf die Wirtschaft und die Unternehmen, aber auch auf alle Bürger unserer Gesellschaft zukommt, sollte sich ein wenig Zeit nehmen und die drei folgenden, aktuellen Bücher lesen. Sie geben einen guten Einblick in alle Bereiche der digitalen Transformation und zeigen darüber hinaus deutlich, welche funktionierenden Geschäftsmodelle es in der deutschen Wirtschaft bereits gibt.

Tim Cole: Digitale Transformation


Das Buch hat den ellenlangen Untertitel „Warum die deutsche Wirtschaft gerade die digitale Zukunft verschläft und was jetzt getan werden muss!“ und dann folgt noch „Impulse für den Mittelstand“. Beim Lesen verfestigt sich der Eindruck einer gewissen Dringlichkeit. Es fehlt praktisch nur noch eine spezielle Version für Mittelständler, aus der nach jedem Umblättern eine dieser Comic-Fäuste hervorschießt und dem Digitalskeptiker eins auf die Omme gibt.

Wer einen umfassenden Überblick über die digitale Wirtschaft und die Bedeutung der digitalen Transformation bestehender Geschäftsmodelle sind, wird hier fündig. Das Buch liefert einen leicht verständlichen, gut geschriebenen Einstieg in Themen wie Big Data, E-Commerce, Service-Orientierung, Smart Factory und die neue Welt der Arbeit.

Es ist erfreulich frei von allzu vielen unverständlichen Schlagworten. Stattdessen liefert es eingängige Erklärungen und sehr viele praktische Erfahrungen von Unternehmen, die entweder von Anfang an digital waren oder sich transformieren mussten, um nicht unterzugehen. Doch der Autor hyped nicht kritiklos neue Technologien. Er weist deutlich darauf hin, dass es bei der digitalen Transformation in erster Linie um neue Organisationsformen und Führungsmodelle geht.

Das Buch ist im Moment die Pflichtlektüre für alle Manager und Unternehmenslenker, die noch daran zweifeln, jemals von der digitalen Transformation betroffen zu sein. Es deckt ein sehr weites Spektrum digitaler Geschäftsmodelle ab und gibt damit sehr wertvolle Hinweise für die Definition einer eigenen, digitalen Geschäftsstrategie.

Karl-Heinz Land, Ralf T. Kreutzer: Dematerialisierung


Das neue Buch des Autorenduos Land/Kreutzer richtet sich an CEOs und „Digitalbeauftragte“, die auf der Suche nach konkreten Ratschlägen und erprobten Geschäftsmodellen sind. Allerdings findet sich auch hier, vor allem im ersten Kapitel, ein lauter und deutlicher Weckruf: Das Zeitfenster für den Einstieg in die digitale Wirtschaft und damit den Erhalt unseres Wohlstandes ist „Jetzt! Jetzt! Jetzt!“

Solche ungeduldig formulierten Einsprengsel sind häufig, denn es geht laut Untertitel um „Die Neuverteilung der Welt in Zeiten des digitalen Darwinismus“. Nach Ansicht von Land und Kreutzer hat die deutsche Wirtschaft im Moment eine einmalige Chance, die sie nicht ungenutzt verstreichen lassen sollte - oder sie wird binnen weniger Jahre aus der Top Ten der Weltwirtschaft absteigen.

Inhaltlich geht es in dem Buch um die Dematerialisierung, also die Auflösung physischer Geschäftsmodelle im digitalen Raum. Das kanonische Beispiel dafür ist die Musikindustrie: Download und Streaming ersetzen Tonträger. Dieses und viele andere Beispiele für dematerialisierte Geschäftsmodelle werden in dem Buch ausführlich erläutert.

Die Autoren gehen auf das Null-Grenzkosten-Phänomen ein, nach dem digitale Produkte und Services kostengünstig in beliebigem Umfang hergestellt werden können. Darüber hinaus werden sehr ausführlich die Folgen dieser Entwicklung für die Arbeitswelt dargestellt. Denn die Digitalisierung wird auch nicht vor der Dienstleistungsgesellschaft halt machen, vor allem einfache Tätigkeiten sind stark bedroht.

Besonders hilfreich für Unternehmen ist die ausführliche Darstellung des so genannten „Digital Maturity Models“. Dieses Reifegradmodell ist eine Anleitung für Firmen, sich Schritt für Schritt zu verändern. Dieser praktische Teil macht den eigentlich Wert des Buches aus und wird noch erweitert durch Überlegungen zu Art und Geschwindigkeit des „Change Management.“

Carsten Knop, Thomas Becker: Digitales Neuland


Immerhin: Es gibt in der deutschen Wirtschaft Vorreiter, die bei der digitalen Transformation voran stürmen. Wer genau wissen möchte, auf welche Weise diese „ wirtschaftlichen Leuchttürme“ funktionieren, wird in dem Buch von Carsten Knop und Thomas Becker fündig. Der Titel nimmt die leicht missverständliche Formulierung der Bundeskanzlerin auf und verweist darauf, dass für die Mehrheit der Unternehmen die Welt des Digitalen tatsächlich ein neuer Kontinent ist.

Auch hier gibt es einen sprechenden Untertitel: „Warum Deutschlands Manager jetzt Revolutionäre werden.“ Das ist als Zustandsbeschreibung zu sehen, denn in einigen großen Mittelständlern und Konzernen sind die Geschäftsführer und Vorstände aufgewacht. Sie gehen die digitale Transformation jetzt mit viel Engagement an. Knop und Becker fungieren hier nur als Herausgeber und lassen die Manager und Unternehmenslenker selbst zu Wort kommen.

In einem Dutzend Kapitel gibt es Einblicke in den Stand und die Pläne der Digitalisierung verschiedener Branchen, von der Luftfahrtindustrie über den Handel und die Finanzbranche bis hin zur herstellenden Industrie. Auf diese Weise entsteht ein sehr spannender Einblick in die Überlegungen einzelner deutscher Unternehmenslenker, auf welche Weise sie den Einstieg in die Digitalwirtschaft und die Industrie 4.0 schaffen wollen.

Das Interessante an diesem Buch ist die Beschreibung der konkreten, wirklich stattfindenden Digitalisierung. So haben zum Beispiel Unternehmen wie die Otto Group tatsächlich angefangen, mit unterschiedlichen digitalen Geschäftsmodellen zu experimentieren. Denn das ist nach aller Erfahrung der einzige Weg, der zum Erfolg führt.

Den berühmten-berüchtigten „Großen Sprung nach vorn“ wird es auch in der Digitalisierung nicht geben, sondern lediglich ein vorsichtiges und schrittweises Herantasten an wirkungsvolle Lösungen. Wer als Unternehmen sehen möchte, wie weit die Vorreiter sind und welche Wege sie beschreiten, sollte dieses Buch sehr aufmerksam lesen.

Bildquelle: Thinkstock 

Cole, Digitale Transformation

Knop, Digitales Neuland

Land, Dematerialisierung

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