Cloudspeicher ist nicht genug

Dropbox: Aufbruch zu neuen Ufern

Online-Festplatten sind inzwischen langweilige Allerweltsprodukte. Das findet Dropbox auch und kauft sich ein paar spannende Startups.

Zielt Dropbox auf Privat- oder für Geschäftsanwender?

Irgendwann wird auch die supertollste Dienstleistung zu "Commodity", einer Allerweltssache wie Straßenreinigung oder Müllabfuhr. So etwas fällt nur noch dann auf, wenn jemand (oder etwas) streikt. So geht es dem Clouddienst Dropbox. Er wird täglich von Millionen genutzt, aber nur noch dann bemerkt, wenn er gerade mal nicht funktioniert.

Jetzt hat das Management des Unternehmens zwei Möglichkeiten: Es kann sich zurücklehnen und Geld zählen. Oder es kann sich sorgen. Denn die Crux bei "Commodity-Providern" ist: Sie verlieren nach und nach ihre Innovationskraft, da ja alles so supertoll läuft.

Ein wenig scheint das schon bei Dropbox so zu sein, der Cloudservice hat in den ersten Monaten dieses Jahres allerlei innovative Jungunternehmen aufgekauft. Angefangen hat es mit Readmill, dem sozialen E-Book-Reader.

Dann kamen der Corporate-Messenger Zulip, die Foto-App Loom und der kollaborative Editor HackPad. Diese Produkte gesellen sich nun zu der bereits letztes Jahr gekauften App Mailbox, einem Mailclient für Mobilgeräte.

Zusammen ergibt sich ein recht eindeutiges Bild: Dropbox möchte seine Online-Festplatte zu einem Produktivitäts-Tool für Sharing und Collaboration ausbauen. Erster Schritt auf diesem Weg ist die an Endanwender gerichtete Photosharing-App Carousel, die von den Loom-Entwicklern programmiert wurde.

Unternehmensanwender sind der zweite Bereich, in dem Dropbox bisher nicht besonders stark war. Für sie gibt es jetzt Dropbox for Business. Die Variante des Dienstes kann viele Benutzer auf einem Dropbox-Masterkonto verwalten und besitzt Funktionen für das zentrale Verteilen und Löschen von Dokumenten. Außerdem wurde eine App zum gemeinsamen Arbeiten an Dokumenten angekündigt.

Alles zusammengenommen verfolgt Dropbox damit eine Strategie, die das Commodity-Produkt Online-Festplatte durch zusätzliche Dienstleistungen wieder in den Premium-Bereich bringen soll. Nur in diesem Bereich kann dauerhaft Geld verdient werden.

Allerdings scheint das Unternehmen sich dabei nicht auf einen der beiden Bereiche (Privat- oder Geschäftsanwender) konzentrieren zu wollen. Das bisherige Dropbox ist ein typisches Endanwenderprodukt, bei dem die simple Gleichung "Ein Nutzer, ein Speicherbereich" galt.

Business-Anwender wollen mehr, sie wollen vor allen Dingen leichte Verwaltbarkeit, hohe Sicherheit und gute Integration in die vorhandene IT-Infrastruktur. Fraglich ist, ob das die Stärken von Dropbox sind und ob die zugekauften Startups diese Stärken mitbringen.

An die üppig ausgestatteten IT-Etats der großen Unternehmen wollen viele heran. Doch es gibt eine Hürde: Der Umgang mit den hochkomplizierten und durch komplexe Regelwerke bestimmten IT-Infrastrukturen der Großunternehmen. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass ein Konzern auf einen Public-Cloud-Anbieter setzt.

Das Unternehmen dürfte seinen Geschäftskundenmarkt eher im Bereich der kleinsten bis knapp mittelgroßen Unternehmen finden. Oder anders ausgedrückt: Der potentielle Dropbox-Geschäftskunde besitzt keine oder nur eine rudimentäre eigene IT und verlässt sich im Austausch gegen maximalen Komfort auf die Sicherheitsvorrichtungen von Dropbox.

Tatsächlich dürfte das Geschäftskundenprodukt von Dropbox deutlich komfortabler und eleganter zu nutzen sein, als das bei den üblichen Rechenzentrumsanwendungen der Fall ist. Denn Erfolg im Privatkundenmarkt ist über maximale Einfachheit zu erreichen. Dieser Ansatz wird auch bei Kleinunternehmen gewinnbringend sein.

Bildquelle: Gerd Altmann / pixelio.de

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