M2M und das Internet of Things

Einsatzmöglichkeiten von Machine-to-Machine

Die Einsatzmöglichkeiten von M2M sind scheinbar unbegrenzt. Autos denken mit und parken eigenständig ein. Industrieanlagen warten sich selbst. Und sogar Pflanzen, Nutztiere und Patienten werden bereits automatisch fernüberwacht. Mitunter soll schon das Einlegen einer M2M-SIM-Karte für Wunder sorgen. Dass in den meisten Fällen mehr Aufwand und Weitsicht erforderlich sind, sollte allerdings allen bewusst sein.

  • „Mobilfunkbasierte Lösungen sind nicht immer die beste Übertragungstechnologie", weiß Eric Schneider, vom unabhängigen Branchenverband M2M Alliance.

  • „Anwendungen, die lokal miteinander kommunizieren, erlauben ganz andere Anwendungen als M2M-Module, die ausschließlich über den Service-Provider kommunizieren können", so Jochen Killian von der ULE Alliance.

  • „Es entsteht schnell der Trugschluss, dass man als Unternehmen lediglich neue Hardware mit M2M-fähigen SIM-Karten anschaffen muss, um Prozesse und Arbeitsabläufe zu vereinfachen", gibt Oliver Hüttig vom Beratungsunternehmen Cocus AG zu bedenken.

Mit dem Aufbau des Internet of Things wird derzeit die Informationsübertragung zwischen Maschinen weiter vorangetrieben. Ohne viel Aufwand sollen Anlagen und Geräte weitgehend selbständig miteinander kommunizieren. Anders als häufig kolportiert liegt der Schlüssel zum Erfolg allerdings nicht allein bei M2M-fähigen SIM-Karten und -Modulen. Anstatt Millionen von Produkten mit Karten und Chips zu bestücken, lohnt es sich für Unternehmen, die Einführung von M2M-Kommunikation strategisch anzugehen.

Wenn man den derzeitigen Diskussionen zum Thema Machine-to-Machine-Kommunikation Glauben schenkt, führt kein Weg an Mobilfunk und speziellen SIM-Karten und -Chips vorbei. Das Problem ist jedoch: Stationäre Rauchmelder sind kein Smartphone. M2M-Lösungen sollen in erster Linie Prozesse vereinfachen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen allerdings mitunter komplizierte Abläufe analysiert und komplexe Strukturen ergänzt werden. „Es entsteht schnell der Trugschluss, dass man als Unternehmen lediglich neue Hardware mit M2M-fähigen SIM-Karten anschaffen muss, um Prozesse und Arbeitsabläufe zu vereinfachen“, gibt Oliver Hüttig vom Beratungsunternehmen Cocus AG zu bedenken. „Bevor über die Anschaffung neuer Maschinen und Geräte nachgedacht werden kann, sollte stattdessen der relevante Geschäftsprozess und mitunter das gesamte Unternehmen betrachtet und eine entsprechende Strategie entwickelt werden, die auf die jeweiligen Ziele ausgerichtet ist. Bei der Umsetzung können dann später durchaus SIM-Karten und andere Mobilfunkelemente zum Einsatz kommen, aber diese Bausteine ergeben sich aus der entwickelten Strategie bzw. Gesamtstrategie“, erläutert Hüttig. „Beim Hausbau beginnt man ja auch nicht mit der Auswahl der Ziegelsteine, sondern mit der Erstellung der Baupläne“, zieht Oliver Hüttig einen anschaulichen Vergleich.
 
Ähnlich sieht man das auch an anderer Stelle. „Es steht außer Frage, dass Mobilfunk die meist verwendete Übertragungstechnik für M2M-Kommunikation und das Internet of Things ist“, betont Eric Schneider vom unabhängigen Branchenverband M2M Alliance. „Das heißt aber nicht, dass mobilfunkbasierte Lösungen in jedem Fall die beste Übertragungstechnologie darstellen. Dieser Eindruck entsteht allerdings schnell, wenn man die aktuelle Debatte rund um M2M betrachtet“, bemängelt Schneider.

Laut dem Vorsitzenden der M2M Alliance sind bewährte Übertragungstechnologien und -standards wie DECT, WLAN, Zigbee, Powerline, der energiesparende Standard ISO/IEC 14543-3-10 (Enocean) oder DECT ULE in einigen Fällen besser für die Vernetzung von Maschinen geeignet. Die Auswahl der Übertragungstechnik müsse zum Gesamtkonzept passen und die jeweilige Lösung nicht nur an die Situation angepasst, sondern auch mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert sein. Letztlich könnten so etwa für den stationären Einsatz DECT, WLAN oder selbst kabelgebundene Lösungen mehr Sinn machen. „Wichtiger als eine Einigung auf eine Übertragungstechnologie ist es deshalb, offene Standards zu definieren, um Kompatibilität und Zukunftssicherheit zu gewährleisten“, betont Eric Schneider, der davon abrät, die Einführung von M2M-Lösungen über das Knie zu brechen. „Die Einführung von M2M-Lösungen ist zumeist sehr komplex und sollte deshalb von erfahrenen Projektleitern durchgeführt werden, die die Zielarchitektur ebenso im Auge behalten wie die Prozesse und Menschen. Ansonsten droht schnell Schiffbruch“, mahnt Schneider.

Geschäftsmodelle sind noch nicht angepasst

Für Unternehmen, die sich noch nicht oder nur oberflächig mit der Thematik auseinandergesetzt haben, hören sich die Versprechen verlockend an. Dass es komplizierter ist, als vielerorts dargestellt wird, zeigt sich auch daran, dass mitunter selbst die internationalen Anbieter noch Probleme haben, M2M-Kommunikation richtig anzupacken. „M2M-Produkte und -Dienstleistungen anzubieten ist etwas ganz anderes, als zum Beispiel Home-Internet oder Mobilfunkverbindungen“, hebt Matthew Cullinen, Senior Associate bei Carbon War Room, hervor.

Diese vom britischen Unternehmer Richard Branson ins Leben gerufene Not-for-Profit-Organisation sucht nach Technologien, die Treibhausgas-Emissionen reduzieren. Als eine der Lösungen hat die Organisation M2M-Kommunikation ausgemacht. Noch seien aber nicht alle Anbieter auf dem notwendigen Stand, so Cullinen. Kommunikationsdienstleister fänden es schwierig, ihr Geschäftsmodell an die für M2M-Lösungen typischen langen Verkaufszyklen anzupassen. Die meisten würden M2M noch nicht als große Umsatzquelle sehen, und daher nicht die Marketing- und Geschäftsentwicklungs-Ressourcen aufbringen, die erforderlich seien. Schließlich müssten M2M-Produkte und -Dienstleistungen anders angeboten werden. „Stattdessen wird versucht, die neuen Angebote in die bestehenden Strukturen zu pressen“, kritisiert Cullinen. In anderen Worten: Einfach entsprechende SIM-Karten anzubieten, wie es bei privaten Mobilfunkkunden der Fall ist, ist nicht der Weg zum Erfolg.

Cullinens Meinung nach ist die Fragmentierung in der Wertschöpfungskette eine Herausforderung für alle Parteien, die am Verkaufszyklus beteiligt sind. „Kommunikationsdienstleister dienen oft als natürlicher Point-of-Sale, aber die Komplexität einer M2M-Lösung erfordert, dass die Endnutzer mit verschiedenen Unternehmen interagieren wie z. B. Modulhersteller, Software-Entwickler und Service-Provider. Zudem sind viele der Unternehmen, die in M2M investieren, multinationale Unternehmen, die integrierte globale Lösungen wünschen“, gibt Cullinen zu bedenken. Ganz so einfach, wie manche Anbieter die Implementierung mittels Mobilfunk darstellen, ist es demnach nicht.

Umsatzplus für Kabelnetzbetreiber

In Deutschland haben die Branchenriesen wie die Deutsche Telekom und Vodafone mittlerweile ihre eigenen M2M-Abteilungen. Das liegt auch daran, dass die Zeiten gigantischer Margen und Profite ohne viel Aufwand für die Mobilfunkanbieter vorbei sind. Ein Blick auf die allgemeine Situation des Kommunikationsmarkts zeigt, dass der Bereich Mobilfunk nicht mehr der Überflieger vergangener Jahre ist. Das belegen unter anderem die Ergebnisse einer Marktstudie des Branchenverbands VATM:

  • Demnach gingen die mit Telekommunikationsdiensten in Deutschland erzielten Umsätze 2013 um rund 600.000 Mio. Euro zurück. Dabei stieg der Umsatz im Mobilfunkbereich um rund 300.000 Mio. Euro auf 25,1 Mrd., also um 1,2 Prozent.
  • Der große Gewinner waren die Kabelnetzbetreiber mit einem Plus von 400.000 Mio. Euro. Im Vergleich zu 2012 bedeutet dies ein Umsatzwachstum von 9,1 Prozent.
  • Das aus Mobilfunknetzen pro Nutzer abgehende Datenübertragungsvolumen stieg im letzten Jahr um 15 Prozent auf 261 Megabyte. 2013 machten die Datendienste mehr als zwei Drittel der Non-Voice-Umsätze im Mobilfunk aus.
  • Auch die Anzahl von SIM-Karten stieg im Vergleich zu 2012 um ca. 900.000 auf 114,1 Millionen. Prozentual liegt der Zuwachs somit allerdings unter einem Prozent.

An diesen Werten lässt sich erkennen, dass trotzt steigender Datennutzung die Umsätze der Mobilfunkanbieter ebenso stagnieren wie der Abverkauf von SIM-Karten. Bedenkt man, dass M2M-Experten davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren Milliarden von Maschinen miteinander vernetzt werden, hat M2M-Kommunikation sicherlich das Potential, eine wichtige Sparte für die Anbieter zu werden, die hilft, Schwankungen in anderen Geschäftsbereichen abzufedern. Gefunden oder gar ausgeschöpft haben sie diesen Weg bislang aber offenbar noch nicht.

Lokale Funknetze haben Vorteile

Die Skepsis gegenüber mobilfunkbasierter M2M-Lösungen mag in einigen Fällen auch daher rühren, dass Anbieter und Hersteller sich bei aller Begeisterung für M2M zu sehr auf die schier unendlichen Möglichkeiten von M2M-Kommunikation konzentrieren als auf das, was die potentiellen Nutzer tatsächlich benötigen. So sind aus Anwendersicht, selbst wenn es technisch möglich ist, mobilfunkbasierte Verbindungen nicht zwangsläufig lokalen Funknetzen oder auch Kabellösungen vorzuziehen. „Anwendungen, die lokal miteinander kommunizieren, erlauben ganz andere Anwendungen als M2M-Module, die ausschließlich über den Service-Provider kommunizieren können“, gibt Jochen Killian von der ULE Alliance zu bedenken. „Für bestimmte Bereiche sind lokale Netzwerke wesentlich besser geeignet, da sie dem Unternehmen die notwendige Sicherheit und Kontrolle geben und nicht sämtliche Informationen über eine externe Verbindung laufen.“

Nicht zuletzt in der Medizin oder auch bei Notruflösungen wie etwa für Aufzüge hängt die Auswahl des Systems und damit der Übertragungstechnologie somit nicht in erster Linie davon ab, ob es leicht zu implementieren ist – etwa dank einer SIM-Karte –, sondern vielmehr davon, ob es die Prozesse auch tatsächlich verbessert. Anstatt sich auf die Vermarktung von SIM-Karten zu konzentrieren, könnte es sich für Anbieter und Hersteller also lohnen, über ihren Tellerrand hinauszuschauen und gezielter auf die Bedürfnisse der Anwender einzugehen.

 

Was bedeutet Machine-to-Machine (M2M)?

Unter M2M verstehen Experten den automatisierten Austausch von Daten zwischen Endgeräten wie Zählern, Maschinen oder Automaten untereinander oder mit einer zentralen Leitstelle. M2M-Lösungen sind heute in den verschiedensten Branchen auf dem Vormarsch. In der Energie, in der Industrie, dem Transportwesen oder in der Landwirtschaft kommen immer mehr vernetzte Geräte zum Einsatz. Denn: M2M vereinfacht Arbeitsabläufe, verschlankt Prozesse und hilft Unternehmen so, die operativen Kosten zu senken. Um Kundenansprüchen gerecht zu werden und gleichzeitig möglichst kostengünstig zu arbeiten, setzen auch Automatenbetreiber auf M2M-Lösungen und können damit Zeit- und Kostenaufwände einsparen sowie Abrechnungsprozesse verbessern.

 

Bildquelle: Thinkstock/ Wavebreak Media

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