Vielzahl an Kickstarter-Projekten

„Erhöhte Nachfrage nach Smart Glasses“

Interview mit Prof. Wolfgang Prinz, stellv. Institutsleiter am Fraunhofer FIT, über die Möglichkeiten von Datenbrillen und mit welchen Herausforderungen die Hersteller noch zu kämpfen haben

Wolfgang Prinz, Fraunhofer FIT

„Wir erwarten in den nächsten ein bis zwei Jahren die Verfügbarkeit einer Reihe neuer Smart-Glass-Modelle“, so Prof. Wolfgang Prinz vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT.

Herr Prof. Prinz, wie gestaltet sich der aktuelle Markt im Bereich der Datenbrillen/Smart Glasses/VR-Brillen?
Wolfgang Prinz:
Während in der Vergangenheit die meisten dieser Geräte nur als Prototypen oder für Forschungszwecke zur Verfügung standen, hat sich die Situation in den letzten ein bis zwei Jahren u.a. durch die Google Glass und die Oculus-Rift geändert. Hersteller wie Epson oder Vuzix haben im letzten Jahr Datenbrillen auf den Markt gebracht, die kostengünstig sind und mit denen die Umsetzung und Erprobung einer Reihe von Anwendungen möglich ist. Gleichzeitig erleben wir eine Reihe von Neuankündigungen wir die Hololens durch Microsoft und eine Vielzahl von Kickstarter-Projekten zu dem Thema. Es ist daher zu erwarten, dass in den nächsten ein bis zwei Jahren ein breites Spektrum unterschiedlicher Geräte zur Anwendungsentwicklung für unterschiedliche Szenarien zur Verfügung steht.

Welches Interesse zeigen die Anwenderunternehmen? Inwieweit kommen jene Brillen bereits konkret zum Einsatz? Oder ist alles noch eher Vision?
Prinz:
In den letzten sechs Monaten erleben wir ein deutlich gestiegenes Interesse und eine erhöhte Nachfrage nach Smart-Glass-Anwendungen und deren Erprobung in verschiedenen Szenarien. Ausgelöst wurde dies durch die Verfügbarkeit der Hardware verbunden mit ersten Anwendungen.

Welche Möglichkeiten bietet der Einsatz von Datenbrillen in der Branche? Können Sie konkrete Einsatzszenarien beschreiben?
Prinz:
Fraunhofer FIT hat Lösungen für die unterschiedlichen Gerätetypen entwickelt. Mit Datenbrillen wir der Vuzix oder der Google Glass unterstützen wir Mitarbeiter in Laboren oder Werkshallen durch die orts- und situationsgerechte Darstellung von Information zu Versuchen oder Prozessabläufen. Die kombinierte Bereitstellung von Reparatur und Wartungsplänen mit Videokonferenzen ermöglicht zudem neue Formen der Service- und Reparaturprozesse, da Mitarbeiter vor Ort unmittelbare Hilfe von Experten aus der Servicezentrale erhalten können. Augmented-Reality-Brillen wie die Epson Moverio setzen wir für die Visualisierung von Bauvorhaben und für die Aus- und Weiterbildung ein. Dabei ergeben sich vollkommen neue Möglichkeiten normalerweise unsichtbare physikalische Vorgänge zu visualisieren. VR-Brillen wie die Oculus-Rift oder die Samsung Gear nutzen wir für die Visualisierung von Bauvorhaben in Live-Videos an Ort und Stelle.

Mit welchen Herausforderungen haben die Hersteller noch zu kämpfen? Welche Stolpersteine gibt es?
Prinz:
Offene Fragen gibt es noch im Bereich der Interaktion und Steuerung. Datenbrillen verfügen zwar meist über eine Sprach- und Gestensteuerung, für viele Nutzer ist diese Art der Interaktion aber noch ungewöhnlich, vor allem in der Öffentlichkeit. Wir sehen die aktuellen Einsatzszenarien aber eher im B2B-Bereich, sodass diese Nutzungsschwelle überwunden werden kann. Ein weiterer Aspekt ist die durch die Akkulaufzeit beschränkte Nutzungsdauer, die jedoch mit externen Zusatzakkus deutlich verlängert werden kann.

Welchen Stellenwert hat das Thema „Sicherheit“ im Bereich der Datenbrillen?
Prinz:
Die mit den Brillen kombinierten Rechner sind mit Smartphones vergleichbar. Entsprechend ergeben sich hier ähnliche Sicherheitsfragen. Ein anderer Aspekt sind jedoch die in den Brillen eingebauten Kameras, mit deren Hilfe unbemerkter Foto- und Videoaufnahmen gemacht werden können als mit einer Kamera oder einem Smartphone.

Welche Zukunft sagen Sie den „Smart Glasses“ voraus?
Prinz:
Wir erwarten in den nächsten ein bis zwei Jahren die Verfügbarkeit einer Reihe neuer Smart-Glass-Modelle, die eine noch bessere und hochauflösendere Darstellung haben und dabei auch kleiner und bequemer tragbar werden. Entsprechend ist der aktuelle Stand der Entwicklung mit dem der ersten Mobiltelefone vergleichbar. Vergleicht man diese mit den heutigen Smartphones so lässt sich erahnen, welche Möglichkeiten Smart Glasses kombiniert mit den richtigen Anwendungen in Zukunft bieten werden.

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