Pure Business bei 30 Grad

Fünf Dmexco-Trends und ein Fazit

Bei sommerlichen 30 Grad hat Branchen-Insider Felix Holzapfel für uns die heißesten Trends gescoutet.

  • Felix Holzapfel Zone

    Felix Holzapfel ist CEO Germany der Full-Service-Digital-Agentur Zone, die mit 220 Experten in London, Bristol und Köln auf die Bereiche Strategie, Technologie und Content spezialisiert ist.

„Pure Business“ so lautete der Claim der diesjährigen Dmexco. Dmexco, das steht für „digital marketing exposition & conference“. Mit mehr als 50.000 Besuchern und rund 1.000 Austellern zählt das zweitägige Spektakel mittlerweile zur größten Marketing-Messe für die Digitale Industrie weltweit.

Trend #1: Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR)

Beide Themen sind bereits seit geraumer Zeit in aller Munde. Nicht erst seit Pokémon Go ist AR vielen Menschen, auch außerhalb der digitalen Marketing-Welt, ein Begriff. Das liegt daran, dass Nutzer keine extra Devices brauchen. Ein handelsübliches Smartphone ebnet Otto-Normal den Eintritt in eine spannende bzw. neue Hybrid-Welt. Auf der Dmexco zeichnet sich ab, dass insbesondere die Kombinationen mit Artificial Intelligence (AI) spannende neue Anwendungen versprechen.

Ein Beispiel: Die App Blippar.
Über die Kamera des Smartphones erkennt die App Gegenstände, wie einen Tisch, und was sich darauf befindet. Zusätzlich liefert die App Hintergrundinformationen. Erste Marken, etwa Max Factor, nutzen diese Funktionen, um beispielsweise Printanzeigen interaktiv erlebbar zu machen. Die App erkennt den Farbton der Haut und empfiehlt dazu passende Kosmetik-Produkte. Trotz umfangreicher Funktionen, benötigen diese Anwendungen nur 15 MB Speicherplatz. Der Großteil der Inhalte wird dynamisch über die Cloud integriert.

Dank neuer Endgeräte, wie HTC Vive, erlebt auch das Thema VR einen weiteren Boom. Heavy User und Einsteiger im Bereich VR sind gleichermaßen von der hohen Qualität der Darstellung als auch von den neuen Funktionen beeindruckt. Nichtsdestotrotz gibt es nach wie vor eine hohe Eintrittsschwelle für den Massenmarkt. Es fehlt schlichtweg an der Verbreitung entsprechender Endgeräte. Gute Beispiele gibt es dennoch: Autohersteller oder größere Immobilien-Projekte bieten bereits heute hochwertige VR-Lösungen am PoS an.

 

Trend #2: Die Klassiker – Mobile, CRM, Social Media, Influencer & Co.

Wenn selbst klassische Verlagshäuser mit einem eigenen Stand auf der Dmexco vertreten sind und dort für Themen wie Mobile, CRM, Social Media und Influencer werben, ist dem letzten Messebesucher klar, dass diese Disziplinen im Mainstream angekommen sind. Das klingt erst einmal gut – für entsprechende Plattformen, Technologien, die Unternehmen, Agenturen wie Zone, und allen voran auch für die Nutzer. So bekommen diese in Zukunft vielleicht bessere Informationen, nämlich zielgerichtete und auf sie zugeschnittene personalisierte Inhalte,  in dem Umfeld in dem sie sich gerade bewegen, möglichst auch noch auf dem Endgerät, das sie bevorzugen und schließlich auch noch angereichert mit Mehrwerten, die zur jeweiligen Plattform, Technologie oder Nutzungsgelegenheit passen. Soweit der Wunsch… Tatsächlich ist es aber nach wie vor ernüchternd, wie weit die Realität von den Möglichkeiten entfernt liegt. Alle wissen, dass diese Themen wichtig sind. Doch nur wenige handeln konsequent genug.

Trend#3: Data Driven – Know your customers

Customer Journey, Programmatic Buying, Big Data, Smart Data – die Schlagworte sind alles andere als neu. Der Trend lautet vielmehr: Kein Ende in Sicht! Wir können beobachten, dass das Tempo der Entwicklungen abnimmt. Doch unter der Radaroberfläche wird nichtsdestotrotz fleißig weiter gearbeitet. Und das schneller als jemals zuvor. Die Daten, um unsere Kunden wirklich gut zu kennen, deren Customer Journey auf sie zuzuschneiden, gezielt die richtige Werbung, am richtigen Ort, mit größtmöglicher Effizienz auszuspielen, sind vorhanden. Nur werden diese in der Regel von vielen Unternehmen, wenn überhaupt, ausschließlich in Teilbereichen genutzt. Die Vernetzung einzelner Dateninseln fehlt häufig und muss noch deutlich intensiver vorangetrieben werden. Dabei gilt es natürlich Datenschutz und länderspezifische Gepflogenheiten – insbesondere in Deutschland – zu berücksichtigen. Hinzu kommen die Verknüpfung mit anderen Themen und die Integration neuartigerer Bereiche, wie z.B. AR und VR. Das klingt theoretisch simpel, ist praktisch hingegen noch ein langer Weg.

Trend #4: Big is beautiful – Skalierung und Internationalisierung

Das Thema beschäftigt uns bei Zone nicht nur bei unserer täglichen Arbeit. Auch auf der Messe konnte man miterleben, wie wichtig Skalierung und Internationalisierung heute sind. Ob Schuhmarke oder Multikonzern, in jeder Branche gilt: Anbieter, die ihr Geschäftsmodell optimal skalieren und international aufstellen, dominieren ihren Markt. Denn so amortisieren sich Investitionen nicht in einem, sondern in zahlreichen Märkten. Im Bereich Digital ist dieser Effekt am größten, da die Aufwände für eine Skalierung und Internationalisierung hier oft weit geringer sind, als in anderen Branchen. Google, Facebook & Co. haben es vorgemacht. Andere ziehen nach. Diese Entwicklung hält nach wie vor an.

Trend #5: Der Alltag kehrt ein – die Digital Branche wird erwachsen

Es mag sein, dass das Bild trügt. Aber zumindest bei unseren Kunden steigt von Jahr zu Jahr die Zahl der Top-Entscheider, die auf einen Besuch der Dmexco verzichten. Der Tenor lautete 2016, dass es einfach nichts wirklich Neues gibt und daher auf einen Besuch der Messe verzichtet wird. Das sollte die gesamte Digital-Branche wach rütteln und unter Umständen etwas Demut lehren. In den vergangenen Jahren wurden Erwartungen geweckt, die nicht mehr erfüllt wurden. Eine Verschiebung des Erwartungshorizonts würde die Zufriedenheit der Besucher steigern und damit auch die Top-Entscheider wieder an den Tisch holen. Wobei diese Empfehlung nicht nur für die Dmexco, sondern auch für den geschäftlichen Alltag der gesamten Digital Branche gilt.

Fazit: Die dmexco bleibt weiterhin sehr relevant

Nach wie vor herrscht ein großes Delta zwischen den Werbebudgets der Unternehmen, bei denen oft noch klassische Medien dominieren, und den Gewohnheiten der Konsumenten, die heute einen Großteil ihrer Zeit und auch Aufmerksamkeit in die digitale Welt investieren. Nutzergewohnheiten verändern sich schneller als jemals zuvor. Unternehmen müssen sich erst noch an den neuen Takt und die neuen Spielregeln gewöhnen. Gleichzeitig müssen sie ihr Verständnis für grundlegende Veränderungen schärfen, die mit der zunehmenden Digitalisierung einhergehen. Bis dieser Prozess nicht zumindest weiter fortgeschritten ist, sind Events wie die dmexco enorm wichtig. Nicht nur für die Digital Branche, sondern die gesamte Wirtschaft.

*Autor Felix Holzapfel ist CEO Deutschland Zone, Referent und Autor zahlreicher Branchen-Handbücher für digitale Markenführung, darunter „Digitale Marketing Evolution: Wer klassisch wirbt, stirbt“.

Bildquelle: Privat

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok