Hürden bei der Entwicklung von Smart Glasses

Google Glass und andere Datenbrillen

Nachdem vor allem das bereits wieder eingestellte Produkt Google Glass den Markt geöffnet und Aufmerksamkeit auf das Thema „Datenbrillen“ gelenkt hat, rücken weitere Hersteller mit ihren Produkten in den Fokus. Doch welche Smart Glasses sind tatsächlich schon salonfähig und was leisten sie?

  • Die Augmented-Reality-Brille Moverio BT-200 von Epson vermittelt ein Sichtfeld von bis zu 812 cm Breite in qHD-Auflösung. Anwender sehen 2D- und 3D-Filme mit Dolby-Digital-Plus-Tonqualität und sollen Spiele und Apps in neuer Qualität erleben. Die Laufzeit des Akkus betrage bis zu sechs Stunden. Kostenfaktor: 699 Euro. 

  • Die VR-Brille, die ausschließlich im Bundle mit dem G3-Smartphone erhältlich sein soll, ist LGs erster Schritt in die virtuelle Welt für Konsumenten. Der Hersteller greift dabei auf das „Cardboard Project“ von Google zurück. Das Smartphone wird in die Brille eingesetzt und lässt sich dann über einen beweglichen Magnetring an der Seite der Brille steuern, der das im G3 verbaute Gyroskop beeinflusst. 

  • Für Windows 10 will Microsoft eine kabellose Augmented-Reality-Brille namens Hololens auf den Markt bringen. Die Brille überlagere die Umgebung mit grafischen 3D-Objekten, sodass der Anwender den Eindruck bekomme, holografische Elemente zu sehen. Dank 3D-Sensor werden die Handbewegungen des Brillenträgers erkannt – dadurch soll er mit den eingeblendeten Objekten interagieren können. 

  • Hinter Oculus Rift verbirgt sich ein Head-Mounted-Display mit großem Sichtfeld und schnellen Bewegungssensoren, das von Oculus VR entwickelt wird. Bereits Anfang 2013 wurde eine Entwicklerversion ausgeliefert. Der aktuelle Prototyp soll ein Full-HD-Display und ein zusätzliches Head-Tracking-System enthalten, das über eine externe Kamera die in der Brille integrierten Infrarot-LEDs erfasst. 

  • Mit der Gear VR Innovator Edition gelangen Nutzer von der heimischen Couch aus per Knopfdruck an berauschende Orte. Sie können neben dem Lieblingsstar auf der Konzertbühne rocken oder in Videospielen in ihren Avatar hineinschlüpfen. Die VR-Brille fungiert dabei als Erweiterung des Samsung Galaxy Note 4, welches über einen MicroUSB-Anschluss mit der Datenbrille verbunden wird. Nutzer steuern die Innovator Edition mit Kopfbewegungen. 

  • Eine Alternative zu Google Glass, die auch kommerziell verfügbar ist, bietet der Hersteller Vuzix. Die auf Android basierende, 90 Gramm leichte Datenbrille nennt sich M100 und soll zu einem Preis von knapp 900 Euro verfügbar sein. Der interne Speicher umfasst 32 GB, mit der 5-MP-Kamera sind sowohl Foto- als auch Videoaufnahmen möglich und dank Bluetooth können Nutzer die Brille mit anderen Android-Devices koppeln. 

Datenbrillen sind an sich nichts Neues. Schon seit geraumer Zeit beschäftigen sich die Hersteller mit jenen Wear­ables. In der Vergangenheit standen die meisten dieser Geräte aber nur als Prototypen und für Forschungszwecke zur Verfügung. Durch beispielsweise Google Glass oder die Virtual-Reality-Brille Oculus Rift, von der bereits Anfang 2013 eine Entwicklerversion ausgeliefert wurde, hat sich die Situation in den letzten ein bis zwei Jahren geändert.

Auch Epson und Vuzix haben mittlerweile Datenbrillen auf den Markt gebracht, die kostengünstig sind und eine Reihe von Anwendungen ermöglichen sollen. „Gleichzeitig erleben wir eine Reihe von Neuankündigungen wie die Hololens von Microsoft“, berichtet Prof. Wolfgang Prinz, stellv. Institutsleiter am Fraunhofer FIT. „Es ist daher zu erwarten, dass in den nächsten Jahren ein breites Spektrum unterschiedlicher Geräte zur Verfügung steht.“

Doch was können diese Brillen überhaupt? Wofür sollen sie gut sein? Laut Günther Meyringer, Head Of Avaya Professional Services Europe, haben Wear­ables „offensichtliche Vorzüge“ für die Industrie, für Bereiche der Medizin, die Unterhaltung von Lagerhäusern sowie für das Baugewerbe. „Viele unserer Kunden überlegen derzeit, ob und wie Wearables Geschäftsprozesse beschleunigen können.“ Eine naheliegende Einsatzmöglichkeit sieht Meyringer in Contact Centern und Collaboration-Umgebungen. Aber erst intelligentes Routing mache aus einer Datenbrille eine praktische Unternehmensanwendung.

Datenbrillen in der Praxis

Viele spannende Umsetzungen soll es vor allem schon im Augmented-Reality- und Virtual-Reality-Bereich (AR/VR) geben. Doch vielfach werden diese Projekte nicht kommuniziert, meint Dirk Schart von der Re’flekt GmbH. Dabei werden ganze Fabriken virtuell geplant und mit Smart Glasses simuliert. „Auch gibt es die ersten Anwendungen, mit denen man sich sein Auto endlich in der eigenen Wunschkonfiguration anschauen kann – von innen und außen“, so der Head Of Corporate Communications and Marketing.

Ein weiteres denkbares Szenario: Man baut ein Möbelstück zusammen, doch die Anleitung gestaltet sich recht kompliziert. Mit einer AR-Brille bekäme der Kunde jene Anleitung direkt in sein Sichtfeld eingeblendet. Das Blättern, Suchen oder Vergleichen würde der Vergangenheit angehören.

Konkret zum Einsatz kommen Datenbrillen bereits am Fraunhofer FIT, das Lösungen für die unterschiedlichen Gerätetypen entwickelt. „Mit Datenbrillen wie der Vuzix oder Google Glass unterstützen wir Mitarbeiter in Laboren oder Werkhallen durch die orts- und situationsgerechte Darstellung von Informationen zu Versuchen oder Prozessabläufen“, gewährt Wolfgang Prinz einen Einblick. Die kombinierte Bereitstellung von Reparatur und Wartungsplänen mit Videokonferenzen ermögliche zudem neue Formen der Service- und Reparaturprozesse, da Mitarbeiter vor Ort unmittelbare Hilfe von Experten aus der Servicezentrale erhalten können.

Augmented-Reality-Brillen wie die Epson Moverio setze man am Institut für die Visualisierung von Bauvorhaben und für die Aus- und Weiterbildung ein. Dabei sollen sich neue Möglichkeiten ergeben, normalerweise unsichtbare physikalische Vorgänge zu visualisieren. VR-Brillen wie die Oculus Rift oder die Samsung Gear VR wiederum nutze das Fraunhofer FIT für die Visualisierung von Bauvorhaben in Live-Videos an Ort und Stelle.

Offene Standards gefragt

Gesteuert werden Datenbrillen in der Regel über Sprache und Gesten, doch für viele Nutzer ist diese Art der Interaktion noch ungewöhnlich, vor allem in der Öffentlichkeit. „Wir sehen die aktuellen Einsatzszenarien aber eher im B2B-Bereich“, meint Prinz, „sodass diese Nutzungsschwelle überwunden werden kann.“ Die größte Herausforderung aus Unternehmenssicht sei hierbei die Integration der Datenbrillen in die bereits bestehende Arbeits- und IT-Umgebung. „Unternehmen sind gut darin beraten“, ergänzt Günther Meyringer, „langfristig zu denken und sich für eine Herangehensweise mit offenen Standards zu entscheiden.“ So entstehe eine gute Grundlage für die weitere Nutzung von Wearables, auch wenn sich die Technologie und die Bedürfnisse von Endnutzern verändern sollten.

Generell haben die Hersteller bei der Entwicklung von Datenbrillen noch einige Hürden zu überwinden. Auf technischer Seite sind dies etwa die Akkuleistung, Hardwareperformance und optische Korrektur für Brillenträger. Hinzu kommen die Ergonomie und das Aussehen der Datenbrillen. Da spielen laut Dirk Schart auch soziale Faktoren eine Rolle: Denn wer will schon mit einer klobigen Brille gesehen werden?

Nicht zu vergessen: Wie müssen Buttons gestaltet sein? „Was Benutzer von Smartphones und Tablets seit Jahren gewohnt sind, muss bei den Brillen erst geschaffen werden: eine natürliche Bedienung“, so Schart. „Ganz wichtig: Alles orientiert sich am User und nicht an den technischen Möglichkeiten der Smart Glasses. Sind die Geräte erst einmal etwas handlicher und leichter, dann werden sie tagtäglich im Einsatz sein. Smart Glasses haben eine glänzende Zukunft!“

Ähnlich sieht es Wolfgang Prinz vom Fraunhofer FIT: „Wir erwarten in den nächsten ein bis zwei Jahren die Verfügbarkeit einer Reihe neuer Smart-Glasses-Modelle, die eine noch bessere und hochauflösendere Darstellung haben und zugleich kleiner und bequemer zu tragen sind.“ Die Entwicklung der Datenbrillen sei ähnlich der Entwicklung des Mobilfunkmarktes. Vergleiche man die ersten Mobiltelefone mit den heutigen Smartphones, so lasse sich erahnen, welche Möglichkeiten Smart Glasses kombiniert mit den richtigen Anwendungen in Zukunft bieten werden.

Weitere spannende Artikel rund um Datenbrillen und deren Einsatzgebiete lesen Sie hier!

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok