Diese 3 Strategien lassen sich erkennen

Google kauft Personal und Patente bei HTC

Google kauft sein 210. Unternehmen. Diesmal sind es Teile von HTC: Entwickler und Patente. Diese 3 Strategien lassen sich bei den Akquisitionen von Alphabet Inc erkennen >>>

Geschäftsmann mit Tablet vor Stadt-Silhouette

Zahlreiche Gerüchte deuteten ja schon seit längerem darauf hin, doch jetzt ging es schnell: Gut 2.000 Leute sind als HTC-Mitarbeiter zu Bett gegangen und als Google-Personal aufgewacht. Zwar hat Google lediglich den Plan verkündet, einen Teil des Smartphone-Herstellers HTC für 1,1 Milliarde Dollar zu übernehmen, doch angesichts der für Google beziehungsweise seine Muttergesellschaft Alphabet recht dynamischen Vorgehensweise ist der Deal so gut wie abgeschlossen. Damit hat Google das 210. Unternehmen aufgekauft.

Bei dieser ziemlich beeindruckenden Menge an "Mergers & Acquisitions" kann man schon mal den Überblick verlieren. Selbst Google scheint das so zu gehen: Hatte das Unternehmen nicht erst kürzlich (2011/12) den Smartphone-Hersteller Motorola Mobility übernommen, dann aber relativ schnell wieder an Lenovo weitergereicht (2014)? Aus der Perspektive eines "anständigen deutschen Unternehmens" (Helmut Schmidt) wirkt die Akquisitionsstrategie des Suchmaschinenriesen häufig verwirrend und widersprüchlich.

Doch die Philosophie dahinter lässt sich mit einem typischen Silicon-Valley-Rat ausdrücken: experimentiere viel und scheitere schnell. Denn nicht alle Aufkäufe waren erfolgreich und wurden deshalb recht schnell wieder abgestoßen. Das beste Beispiel ist der Robotik-Hersteller Boston Dynamics (2013), der vermutlich nach Unstimmigkeiten über die Entwicklungsstrategie an Softbank verkauft (2016) wurde. Angesichts einer etwas unentschlossen wirkenden Vorgehensweise fällt es schwer, den Plan hinter den zahlreichen Firmenkäufen zu entdecken. Bei der Betrachtung der Akquisen lassen sich aber drei Einzelstrategien feststellen, die sich häufig auch noch mischen.

Die Akquisitionsstrategie von Alphabet Inc.

Erstens geht es Google/Alphabet um Know-how.

Das begehrte Fachwissen steckt in Patenten und Köpfen, wie sich auch wieder bei dem HTC-Deal zeigt. Google erhält durch den Teilkauf von HTC den Zugriff auf die Teams, die für Google bereits die Pixel-Smartphones entwickelt hat. Darüber hinaus bekommt Google die HTC-Patente, allerdings nicht exklusiv. Patente waren auch für den Motorola-Deal entscheidend. Google war wegen Patentstreitigkeiten mit Apple Anfang des Jahrzehnts sehr daran interessiert, die von Motorola gehaltenen Patente für Mobilfunktechnologie zu bekommen. Das eigentliche Mobilfunkunternehmen wurde eher lustlos behandelt und recht schnell an Lenovo weitergereicht.

Zweitens interessiert sich Google für zukunftsträchtige und vielversprechende Technologien.

Dazu gehören Künstliche Intelligenz, fahrerlose Autos, Robotik, Medizintechnik und anderes mehr. Google investiert Unsummen in diese Bereiche, teils als Venture Capital, teils durch Merger & Acquisitions. Nun ist das Smartphone nicht mehr unbedingt eine zukunftsträchtige Technologie, sie gilt als ausentwickelt. So gibt es nur noch wenige echte Innovationen, sondern lediglich Detailverbesserungen. Doch dass ausgerechnet Software-Spezialist Google eine große Zahl an Hardware-Entwicklern kauft, ist konsequent: Innovationen bei der Mobiltechnologie wird es nur noch bei Software oder Services geben, die Hardware ist aber die Basis.

Drittens akquiriert Google Unternehmen, die seine Kernprodukte - Suchmaschine und andere Webservices - ergänzen und abrunden.

So sind etwa Android, Google Docs und die Google Cloud über Firmenkäufe "entwickelt" worden. Hier hat HTC wenig zu bieten. Doch Hardware ist wichtig für die Entwicklung eines potentiellen Android-Nachfolgers. Gut möglich, dass Google grundsätzlich vorhat, den Weg von Apple zu gehen: Eigene Hardware für die eigene Software. In dieser Konstellation kann das Unternehmen besser "durchregieren" und vermeidet eine Zersplitterung wie bei Android. Die Hochpreisstrategie der Pixel-Smartphones scheint in diese Richtung zu deuten.

Bildquelle: Thinkstock

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