Alternative Mobilbetriebssysteme

Huawei und Samsung wollen weg von Google - aber wohin?

Fast ganz Digitalien ist von Android besetzt. Nur ein kleiner Kreis von Alternativsystemen (und Apple) widersetzen sich dem Marktführer Google.

Android ist fast überall. Gäbe es kein iPhone, wäre die Marktdurchdringung vollkommen. Bei Mobilbetriebssystemen ist inzwischen eine Situation entstanden, die an die Zeit des Quasi-Monopols von Microsoft auf den Desktoprechnern erinnert. Laut Mary Meekers Internet Trend Report hat das System 2015 einen Marktanteil von 81 Prozent erreicht, Tendenz steigend.

Abhängigkeit von Google

Das ist eine enorme Marktmacht, die aus Sicht der Hersteller von Smartphones zu einer großen Abhängigkeit von Google führt.  Denn es mehren sich die Gerüchte, dass Google vom Open-Source-Prinzip abrücken möchte, um Sicherheitsaktualisierungen und neue Systemversionen schneller ausliefern zu können.

Eigentlich ist das eine gute Sache, jedenfalls aus der Sicht von Google als Systemanbieter, aber auch aus der von Endbenutzern. Da der Markt für Android-Mobilgeräte durch kurze Lebenszyklen und häufige Modellwechsel gekennzeichnet ist, sind die Hersteller sehr zögerlich bei System-Updates und Sicherheitsaktualisierungen. Denn sie müssen Android für jedes Modell speziell anpassen. Das ist angesichts der irrsinnigen Zersplitterung des Marktes teuer und oft unwirtschaftlich.

Vor allem kostengünstige Budget-Modelle werden nicht besonders gut und nicht sehr lange mit Aktualisierungen versorgt. Als Daumenregel gilt: Ein drei Jahre altes Smartphone erhält nicht mehr die neuste Android-Version. Durch eine stärkere Kontrolle über den Sourcecode hofft Google, Systemaktualisierungen schneller und vor allen Dingen an den Herstellern vorbei ausliefern zu können.

Die schauen sich nun vermehrt nach Alternativen um. In den USA kursieren Gerüchte, dass ein junges Entwicklerteam bei Huawei an einer Alternative zu Android arbeitet. Genaueres ist noch nicht bekannt, doch die Nachricht klingt mindestens plausibel. Denn im Moment ist wegen der Entlassungen zahlreicher Ex-Nokia-Entwickler bei Microsoft die entsprechende Expertise relativ leicht dem Markt zu haben.

Suche nach einem Anti-Android

Die Chinesen sind aber nicht die ersten, die sich aus ihrer Abhängigkeit von Google lösen möchten. Samsung arbeitet bereits seit einigen Jahren an einem Mobilbetriebssystem mit dem Namen Tizen. Es basiert auf Linux und wird als Open-Source-Software von der Linux Foundation unterstützt. Es ist kein reines Smartphone-Betriebssystem, sondern zielt auch auf Entertainment Systeme von Autos, Smart, TV-Geräte und Wearables.

Samsung hat sich zwar recht intensiv an der Entwicklung beteiligt, aber nur vergleichsweise wenig Hardware für das System vorgestellt. Das könnte sich in den nächsten Monaten ändern, denn nach Meldungen aus Korea möchte der Smartphone-Marktführer nach und nach alle Geräte mit Tizen ausstatten. Die Samsung-Manager hoffen dadurch, eine ähnlich unabhängige Position wie Apple zu erreichen.

Allerdings ist die Gefahr groß, hier in die Proprietärsystem-Falle zu laufen: Bisher sind alle Versuche gescheitert, ein Anti-Android zu schaffen. Eine seinerzeit hochgelobte Alternative zu Android war Firefox OS, ein vollständig freies Open-Source Mobilbetriebssystem. Um das Projekt ist es stiller geworden, denn inzwischen wird es gar nicht mehr so sehr als Smartphone-Betriebssystem propagiert, sondern als schlankes System für das Internet der Dinge.

Ähnlich ruhig ist es bei Ubuntu Touch. Es gibt zwar ein paar Smartphones, die mit dem mobilen Linux ausgeliefert werden, doch die Marktbedeutung ist gering - so wie die von Sailfish OS. Anbieter Jolla macht eher durch seine wirtschaftlichen Probleme Schlagzeilen als durch positive Nachrichten. Immerhin: Nach der erfolgreichen Finanzierungsrunde von 12 Million US-Dollar Anfang des Jahres konnte Jolla das System an Hersteller in Indien und Russland lizenzieren.

Android hat viele Freunde

Solche Meldungen zeigen, dass es durchaus noch alternative Betriebssysteme gibt, die technisches Potenzial haben und Android angreifen können - theoretisch. Denn leider sind die meisten Meldungen eher wie Pfeifen im Walde. Lediglich Tizen könnte es gelingen, dem Riesen Android einen Marktanteil abzuringen.

Doch nicht nur die Hersteller müssen von einem Alternativsystem überzeugt werden, auch die Kunden. Android hat viele Freunde, nämlich Millionen Anwender in aller Welt. Aus ihrer Sicht ist die aktuelle Situation sehr vorteilhaft. Die gigantische Installationsbasis sorgt dafür, dass es attraktive Apps in ausreichender Menge gibt.

Am App-Problem ist bereits Windows Phone gescheitert. Zwar nutzen Smartphone-Besitzer eigentlich nur wenige Apps und die auch im Durchschnitt eher selten - doch wehe, sie fehlen im Appstore des Betriebssystems. Diese Lektion musste Microsoft schmerzhaft lernen.

Dabei war Windows Phone in technischer Hinsicht und in Sachen Benutzerfreundlichkeit durchaus eine ernstzunehmende und „gefährlich“ wirkende Alternative zu Android und iOS. Aber es hat nichts geholfen, die Anwender wollten nicht. Und genau das könnte auch Huawei und Samsung blühen.

Bildquelle: Hersteller

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