App für "Sonder-Antriebstechnik"

Im Inneren lauern die Details

Die ZF Friedrichshafen AG setzt auf eine mobile Anwendung, um bei Messeauftritten Produkte mobil vorstellen zu können und Kunden Einblicke in das Innenleben der Bauteile zu ermöglichen.

ZF ist u.a. auf die Produktion von Getrieben spezialisiert, die auf Messen einem breiten Publikum präsentiert werden.

Der Vertrieb befindet sich im Wandel. Zwar bleiben seine Aufgaben, Ziele und Vorgehensweisen – was sich jedoch ändert, ist sein Handwerkszeug. Aktuelle Studien zeigen, dass Tablet-PCs gerade drauf und dran sind, Messestände und Vertriebsabteilungen zu erobern, um Notebooks, Kataloge und andere Präsentationsmedien abzulösen. Doch Tablets und Apps ersetzen oder ergänzen nicht nur bisherige Technologien und Präsentationsmöglichkeiten, sie verändern auch Prozesse, eröffnen neue Steuerungsmöglichkeiten und erlauben direktere Workflows. Und manchmal auch völlig neuartige Produkteinblicke – etwa mithilfe von Augmented Reality (AR).

Die ZF Friedrichshafen AG, einer der weltweit größten Automobilzulieferkonzerne, hat mithilfe einer Standard-App diesen Änderungsprozess vollzogen und dadurch Staunen bei Kunden, Begeisterung im Vertriebsteam und mehr Effizienz im Vertriebsprozess erreicht.

Hardfacts mobil präsentieren

Spezialisiert auf Antriebstechnik für Bahn-, Industrie- und Sonderanwendungen innerhalb des ZF-Konzerns, war der Geschäftsbereich „Sonder-Antriebstechnik“ auf der Suche nach einer benutzerfreundlichen, mobilen und offlinefähigen Kataloglösung, die das Know-how seiner verschiedenen Bereiche bündelt und zentral abrufbar machen sollte. Zudem sollte die App auf das ZF-Design anpassbar sein und später im App Store für Kunden und Vertriebspartner bereitstehen. Ziel war es, die Lösung hauptsächlich vor allem auf Messen und im Vertrieb zu nutzen. Gesucht wurde zudem eine Möglichkeit, Innovationskompetenz und Produktwissen zu transportieren – eine Augmented-Reality-Funktion sollte diese Anforderungen erfüllen.

ZF Friedrichshafen entschied sich bei der Umsetzung für eine Standard-App von Cluetec, die als Whitelabel-Lösung für ZF anpassbar war und neben Texten und Bildern auch multimediale Inhalte wie Audio, Video sowie 3D-Animationen und PDF-Dateien darstellen kann. Zudem erlaubt die App, AR-Animationen selbst zu erstellen und zu integrieren.

Komplexe Bauteile einfach darstellen

„Unser Vertriebsteam bestreitet bis zu zwei Messen pro Monat“, erklärt Georg Ehling, Leiter Marketing & Geschäftsentwicklung Sonder-Antriebstechnik bei ZF. „Es versteht sich von selbst, dass hier eine mobile Lösung zur Darstellung unserer komplexen Produkte hilfreich ist. Vor allem aber die Handhabung unserer zahlreichen Zusatzinfos wie z.B. Schnittzeichnungen, Konstruktionstabellen oder Bemaßungspläne ist nun einfacher, weil sie mithilfe der App zentral für unsere Mitarbeiter, Kunden und Vertriebspartner verfügbar sind.“ Pflegen und erweitern kann der Anwender die Inhalte der App selbst; die Aktualisierungen erfolgen unabhängig vom App Store über einen Push-Mechanismus und Onlinesynchronisation. Auch das Anlegen von neuen Katalogen ist möglich.

ZF versteht die App als Leuchtturmprojekt. Im zweiten Schritt soll neben der eindirektionalen Bereitstellung von Informationen auch der bidirektionale Weg über eine integrierte Bestellmöglichkeit für Kunden oder Vertriebspartner realisiert werden. Vor allem im Bereich Werkzeugmaschinenbau soll diese Funktion Vorteile schaffen, da hier standardisierte Produkte über eine Warenkorbfunktion gekauft werden könnten. Auch plant der Anwender die Anbindung an das interne CRM-System, um künftig Kundendaten, neue Kontakte oder Gesprächs-protokolle direkt synchronisieren zu können.

Augmented Reality für den Aha-Effekt

Während die Kataloglösung längst rege genutzt wird und als „ZF XtraFair“ im App Store erhältlich ist, befindet sich die AR-Funktion noch in der internen Testphase. Zwar wurde sie bereits auf verschiedenen Messen in Asien gezeigt, einem breiten Publikum bisher aber noch nicht vorgestellt. Mitte April zur Bauma, der weltgrößten Fachmesse für die Baubranche in München, soll der offizielle Launch stattfinden. „Die Funktionsweise und damit das Innenleben unserer Produkte soll auf Messen nicht für jedermann gleich ersichtlich sein“, erklärt Georg Ehling, „dennoch möchten wir sie natürlich ausgesuchten Kunden und Vertriebspartnern zeigen. Die AR-Funktion kann diese Herausforderung meistern“.

Die Funktionsweise kann man sich wie folgt vorstellen: Auf dem ZF-Messestand wird ein Getriebe ausgestellt. Der Betrachter sieht den Korpus, das Innere bleibt seinem Blick jedoch verborgen. Am Exponat wird deshalb ein sogenannter AR-Marker angebracht. In der App ist definiert, welcher Marker welchem Exponat zugeordnet ist und in welchem Abstand und Winkel der Marker zum Objekt platziert wurde. Wird ein Marker durch die Kamerafunktion des mobilen Endgerätes erkannt, errechnet die AR-Funktion permanent Abstand und Winkel des Tablets zum Marker und zeichnet anhand dieser Informationen virtuelle Objekte in das Kamerabild ein. Virtuelle Objekte können z.B. Pfeile oder Sprechblasen sein sowie 3D-Anbauteile und 3D-Innenansichten. So können Kunden – mit dem Tablet in der Hand – um ein Objekt herumgehen und so quasi das Getriebe von innen oder mögliche Anbauteile bzw. Zusatzinfos sehen. „Die ersten Testläufe der AR-Funktion in Asien waren sehr gut“, berichtet Georg Ehling von ZF. „Unsere asiatischen Kunden haben gestaunt, was mobile Technologie heute schon zu leisten vermag.“

Aus den Erfahrungen mit der AR-Funktion hat ZF gelernt, dass die Qualität der 3D-Modelle entscheidend ist: „Um die Rechenkapazität der Tablets einschätzen zu können, ist es sinnvoll, nicht gleich superanimierte Darstellungen von hochkomplexen Produkten abbilden zu wollen“, erklärt Georg Ehling. „Auch hier ist es wie eigentlich überall im Leben: Man kann den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch der zweite vollendet ist.“

ZF Friedrichshafen AG

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1915 zur Entwicklung und Produktion von Getrieben für Luftschiffe und Fahrzeuge. Heute gehören Getriebe und Lenkungen sowie Fahrwerkkomponenten und komplette Achssysteme und -module zum Produktprogramm.

Branche: Maschinenbau, Automotive
Hauptsitz: Friedrichshafen
Gründung: 1915
Mitarbeiter: 75.000
Umsatz: ca. 17,4 Mrd. Euro im Jahr 2012

www.zf.com

Bildquelle: ZF Friedrichshafen AG

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