Die Zukunft des Bezahlens ist tragbar

Kontaktloses Mobile Payment mit Wearables

Unter dem Begriff „Wearable Banking“ können sich hierzulande nur wenige Verbraucher etwas vorstellen. Dies liegt nicht nur an der skeptischen Einstellung gegenüber neuen tragbaren Technikangeboten, sondern auch an der kaum spürbaren Nachfrage nach Mobile-Payment-Einsatzmöglichkeiten. Wird sich dies bald ändern?

  • Jawbone UP4: Der Fitness-Tracker mit NFC-Chip ermöglicht bargeldlose Zahlungen.

  • Das Armband Bionym von Nymi verspricht eine sichere Authentifizierung über den Puls.

  • Die Geldbörse am Handgelenk: Wirecard ermöglicht kontakt- und bargeldlose Zahlungen mit dem Smart Band.

Seit einigen Jahren schon wird aus verschiedenen Blickwinkeln und mit immer neuen Geschäftsideen darüber diskutiert, wie das Smartphone das Bezahlverhalten sowie die Bankenwelt revolutionieren und verändern könnte. Nennenswerten Erfolg konnten die unterschiedlichen mobilen Bezahlverfahren hierzulande bisher nicht vorweisen. Gründe dafür mögen die fehlende Akzeptanz unter den Verbrauchern, die heterogenen Anwendungsmöglichkeiten, die Praktikabilität sowie Sicherheitsbedenken sein. Immerhin erwägen viele Deutsche zumindest theoretisch, für bestimmte Dienstleistungen mobil mit dem Smartphone zu bezahlen. Fast jeder dritte Smartphone-Nutzer (29 Prozent) kann sich laut einer aktuellen Umfrage des Branchenverbands Bitkom vorstellen, Tickets für den öffentlichen Nahverkehr, das Taxi oder Mitfahrzentralen auf mobilem Wege zu ­bezahlen. Auch Parktickets (24 Prozent) sowie Tickets für Freizeitaktivitäten wie Kino, Konzert oder Museen (19 Prozent) würden künftig bargeldlos beglichen werden.

Um konkurrenzfähig gegen etablierte Zahlungsmethoden sein zu können, müssen Mobile-Payment-Lösungen Faktoren wie Komfort, Sicherheit, Schnelligkeit und geringe Kosten in sich vereinen. Apples Bezahldienst Pay, der im letzten Jahr im Zuge der Produktpräsentation des iPhone 6 und der Apple Watch vorgestellt wurde, erntete mit Blick auf diese Anforderungen viele Vorschusslorbeeren.

Parallel zu der Ankündigung, ein neues Marktsegment – in dem Konkurrenten wie Paypal, Google, Amazon und etliche Start-ups mit ihren Ideen noch auf großflächigen Erfolg warten oder bereits gescheitert sind – erobern zu wollen, hat das Unternehmen aus Cupertino seine Smartwatch mit Bezahlfunktion ins Spiel gebracht.

Bezahlfunktion für das Handgelenk

Unter dem Überbegriff „Wearables“ tritt damit eine neue Produktklasse in den Vordergrund, die das berührungslose Bezahlen mit frischem Schwung und Anreizen versorgen soll. Obwohl die bisherige Marktpenetration von Wearables noch sehr gering ist – so besaßen in Deutschland 2014 nur fünf Prozent einen Fitnesstracker – erwarten die Marktanalysten von Gartner noch in diesem Jahr ein weltweites Wachstum im zweistelligen Prozentbereich.
Das meiste (Umsatz-) Potential versprechen sich Hersteller wie Samsung, Sony, Lenovo sowie bisher unbekannte Produzenten von Smartwatches und Fitnessarmbändern. Während Funktionen zur Überwachung der Gesundheit und Fitness schon fast zum Standard gehören, sind die Hersteller damit beschäftigt, sich gegenseitig mit neuen technologischen Möglichkeiten zu übertrumpfen.

Gerüchten zufolge können sich Mobile-Payment-Fans auf eine Smartwatch von Samsung mit Fingerabdrucksensor als Sicherheitsmechanismus für die integrierte Möglichkeit des bargeldlosen Bezahlens per Paypal freuen. Diese Integration ist bei den neueren Smartphone-Modellen Galaxy S5 und S6 schon verfügbar. Zusätzlich soll ein Kunde, schon bevor er ein Ladengeschäft betritt, die gewünschten Produkte auf der Smartwatch auswählen können. Bezahlt wird nach Empfang der bereitgelegten Ware per Fingertipp. Über den Status der Transaktion informiert die Uhr ebenfalls. In 50 Ländern soll dieser Service zukünftig zur Verfügung stehen, ein Termin dafür ist allerdings noch nicht bekannt.

Über eine besonders skurrile Idee aus dem Hause Samsung wird derzeit noch spekuliert: Im Kontext des berührungslosen Bezahlens sollen die Südkoreaner ein Patent beantragt haben, dass die Zahlung über eine spezielle Handbewegung ­autorisiert. Träger der Smartwatch Gear S sollen zunächst durch eine Reihe von Persönlichkeitsmerkmalen – EKG, Muskelbewegungen und Stimme –, die die Sensoren der Uhr auslesen, identifiziert werden. Ist auf diese Weise sichergestellt, dass sich die Uhr wirklich an dem Handgelenk befindet, an das sie gehört, muss ihr Besitzer zum Bezahlen nur noch die Faust ballen und wieder lockern.

Für die mobile Geldbörse am Handgelenk spricht nicht nur der praktische Aspekt, sondern auf Basis der Near-Field-Communication-Technologie (NFC) auch der schnelle und einfache kontaktlose Bezahlvorgang. Weltweit gibt es bereits einige spannende Vorbilder für die Nutzung von Wearables im Mobile-Payment-Bereich, so beispielsweise die bunten Prepaid-Armbänder von Gemalto, die in Großbritannien in einem Rugby-Stadion an Besucher ausgeteilt wurden.

Vor allem im Sportumfeld ergeben sich für die Nutzer zahlreiche Möglichkeiten über das reine Bezahlen hinaus. Zutritt zu Sportstätten oder Fitnessclubs und das Öffnen eines Spinds sind nur zwei denkbare Szenarien.

Sichere Integration

Eine Möglichkeit, Bezahlfunktionen auf einem Wearable anzubieten, die nicht auf eine Verbindung zum Smartphone angewiesen sind, ist die Technologie Host Card Emulation (HCE). Die software-Basierte Lösung stellt sichere kontaktlose Transaktionen für Zahlungen und Services in mobilen Applikationen bereit. Alle Daten, die für eine Transaktion erzeugt werden, sind nicht auf einem Hardware-Element gespeichert, sondern zentral in einer PCI-gesicherten Server-Umgebung abgelegt. HCE arbeitet auf Basis des Übertragungsstandards NFC und ermöglicht auf diese Weise  die drahtlosen Übertragung über eine kurze Distanz zu einem NFC-fähigen Kassen-Terminal.

Zum Bezahlen lädt der Nutzer über eine App eine vorab definierte Anzahl an Bezahl-Token auf sein Armband. Die Token ersetzen die sensiblen Kartendaten, welche in einer PCI-gesicherten Server-Umgebung gespeichert sind. Für jeden Bezahlvorgang wird ein Token genutzt. So ist ein Bezahlvorgang sicher und die persönlichen Daten des Karteninhabers sind geschützt.

Deutschland ein Entwicklungsland im Mobile Payment? Zum jetzigen Zeitpunkt herrscht sowohl auf Kunden- als auch auf Händlerseite noch Lernbedarf und es braucht mehr Mut, sich auf etwas Neues einzulassen – ganz gleich ob bei Smartphones oder Wear­ables.

 

Wearables mit NFC

Sportler zahlen mit dem Armband
Jawbone plant, noch in diesem Jahr einen neuen Fitness-Tracker mit Bezahlfunktion auf den Markt zu bringen. Jawbone UP4 soll über die gleichen Fitnessfunktionen wie das Vorgängermodell (UP3) verfügen – nur mit einem zusätzlichen NFC-Chip.
In den USA konnte der Anbieter American Express als Partner für bargeldlose Zahlungen überzeugen. Für den Zahlvorgang muss der Nutzer über eine Android- oder iOS-App seine Zugangsdaten und die entsprechende Kreditkarte angeben. Anschließend ist der kurze Kontakt mit einem NFC-Terminal ausreichend, um Zahlungen auszuführen.

Ob und welcher Kreditkartenanbieter hierzulande für dieses Geschäft als Partner gewonnen werden konnte ist noch nicht bekannt. Die Markteinführung ist für den Sommer geplant. Bisher ist von rund 200 US-Dollar für das Armband die Rede.
www.jawbone.com


Drahtloser Bezahlvorgang
Für einen schnellen und kontaktlosen Bezahlvorgang hat Wirecard ein Smart Band entwickelt. Dazu muss das Armband lediglich an einen NFC-Kassenterminal gehalten werden. Das Display und eine App auf dem Smartphone zeigen die Zahlungstransaktion in Echtzeit an. Eine Verknüpfung mit zahlreichen mobilen Services wie Loyality-Aktionen oder die Nutzung als Zutritts- und Einlasskontrolle möglich.

Eine drahtlose Verbindung erfolgt über eine Applikation auf dem Smartphone und Bluetooth 4.0 (BLE). Um einen kontaktlosen Bezahlvorgang auszuführen, kann der User über sein Smartphone vorab Einmal-Token auf sein Payment-Armband laden. Dies erfolgt über die NFC Host-Card-Emulation-Technologie (HCE) von Wirecard. Auf diesem Wege sind NFC-basierte Transaktionen für Zahlungen und Services in mobilen Applikationen möglich – unabhängig von der Verfügbarkeit eines physischen Secure Elements auf dem Handy. Für jeden Bezahlvorgang wird künftig ein Token genutzt, welche die hinterlegten Kartendaten, die in einer sicheren Serverumgebung gespeichert sind, ersetzen. Die Bezahlung funktioniert auch dann, wenn sich das Smartphone im Offline-Modus befindet.
www.wirecard.de


Authentifikation durch Puls

In einem Pilotprojekt von Mastercard und der Royal Bank of Canada können Bankkunden das Armband Bionym Nymi testen, welches eine sichere Authentifizierungsmethode über den Puls verspricht. Ähnlich wie das Muster eines Fingerabdrucks ist auch der Puls eines Menschen einzigartig. Damit sollen die Zahlungen mit dem Armband sicherer als solche per Smartphone sein, da eine PIN leichter umgangen werden kann.
www.nymi.com

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