Smarte Services

Konzern + Innovation = Geht nicht?

Ein paar interessante Services und Apps zeigen, dass auch große Unternehmen innovative Ideen umsetzen können.

Der Paketbutler nimmt Pakete platzsparend entgegen

„Konzerne können keine Innovationen.“ Dieser gerne händeringend ausgesprochene Satz gehört zur Rede vom digitalen Jammertal Deutschland unbedingt dazu. Er ist zwar nicht völlig falsch, übersieht aber, das sich in den letzten Jahren einiges getan hat.

So haben einige der als unbeweglich verschrienen Großunternehmen durchaus dynamische Züge angenommen - allerdings nicht in den Unternehmenseinheiten, die sich um das Bestandsgeschäft kümmern. Innovationen von Konzernen kommen häufig aus einem Digitallabor, dass nach dem Brutkastenprinzip neuartige Services rund um das Stammgeschäft hervorbringen soll. Dabei sind sogar einige recht interessante und durchaus marktgängige Apps und Services entstanden.

Paketbutler

https://www.paketbutler.com/

Eine völlig neue Lösung für die Paketlieferung zu Hause haben vor einigen Wochen die Telekom, DHL und das Hamburger Unternehmen Feldsechs auf den Markt gebracht: Der Paketbutler, eine faltbare Box für die Abgabe von Paketen. Sie wird an der Tür befestigt und kann vom Paketboten mit einer PIN geöffnet werden. Das nicht brennende und einbruchshemmende Material schützt das Paket vor Dieben. Anschließend wird der Kunde per App darüber informiert, dass ein Paket für ihn eingetroffen ist.

Der große Vorteil des Paketbutlers: Er kann auch für das Versenden von Paketen benutzt werden. Die Kunden müssen lediglich ein korrekt frankiertes Paket in die Box legen und DHL per App beauftragen. Dann nimmt der Paketbote die Sendung mit. Kunden können die Box für 249 Euro kaufen oder 7,99 Euro im Monat mieten. Allerdings: Der Paketbutler eignet sich nur für Mehrfamilienhäuser, er muss im Inneren befestigt werden.

Drivelog Connect

https://www.drivelog.de/connect

Mit Drivelog Connect von Bosch kann jeder die Diagnosefunktion seines Wagens nutzen. Die Kombination aus Stecker für die Diagnosebuchse und einer Smartphone-App zeigt in Echtzeit alle wichtigen Infos zu einem Auto an. Zusätzlich überträgt er alle wichtigen Daten zur aktuellen Fahrt, beispielsweise die Dauer, maximale und durchschnittliche Geschwindigkeit sowie aktueller und durchschnittlicher Kraftstoffverbrauch.

Die App bietet die typischen Bordcomputer-Infos unter einer rasch schicken Benutzeroberfläche an und kennt verschiedene Zusatzfunktionen, die unter anderem von den GPS-Sensoren auf dem Smartphone Gebrauch machen. So gibt es ein digitales Fahrtenbuch, das sich ohne umständliche Schreiberei führen lässt und einen Autofinder für Leute, die gerne den Parkplatz vergessen. Im Falle einer Panne kann die App auch den Abschleppdienst Anforderungen und überträgt dabei sowohl Position als auch Fehlercode des Fahrzeugs.

Die App selber ist kostenlos, allerdings kostet der Connector etwa 70 Euro. Und es gibt eine Einschränkung: Es gibt noch nicht für alle Fahrzeugtypen einen passenden Stecker und nicht jedes Fahrzeugmodell unterstützt alle Funktionen.

Mission Control

https://www.hellomissioncontrol.com/

Die App der Lufthansa ist ein Reiseassistent via SMS. Der Service findet und bucht Flüge, Bahnen, Mietwagen und Hotels, erledigte Platzreservierungen, hilft bei der Gepäcksuche und löst eventuell auftretende Probleme. Dank der Messenger-artigen SMS-Apps auf einem Smartphone wirkt das Ganze unkompliziert: Menschliche Reiseassistenten helfen den Lufthansa-Kunden bei ihren Problemen.

Wer den Service für Geschäftsreisende nutzen will, muss sich im Web anmelden und dort ein Reiseprofil mit Präferenzen wie Business Class oder First Class hinterlegen. In diesem Profil landen auch alle digitalisierten Belege, die relativ leicht exportiert und dann in einer Reisekostenabrechnung weiter genutzt werden können. Für Unternehmen gibt es Zusatzfunktionen, so können zum Beispiel Teams Rabatte bei der Buchung nutzen.

Kostenlos ist der Service nicht, entweder werden 15 Euro Gebühr pro Buchung fällig oder es gibt gestaffelte Monatsgebühren für Vielreisende. So kostet der Gold-Tarif 65 Euro im Monat und bietet eine unbegrenzte Anzahl an Buchungen. Die Verbindungsaufnahme mit der Lufthansa Mission Control klappt übrigens auch mit einem einfachen Telefon, sodass schlechte Internetverbindungen kein Problem sind.

Moovel

https://www.moovel.com/

Die App aus dem Hause Daimler verknüpft Verkehrsmittel: car2go-Mietwagen, Taxis von MyTaxi, Tickets der Deutschen Bahn und bisher nur in Hamburg und Stuttgart Tickets für den Nahverkehr. Die App hilft beim Suchen von Verbindungen und Leihwagen, erlaubt die Buchung aller beteiligten Services und ermöglicht die Bezahlung der jeweiligen Tickets.

Durch die Verknüpfung dieser unterschiedlichen Funktionen entsteht ein ungewohnter Komfort für Reisende, da Verbindungen durchgebucht werden können. Abhängig von der Verbreitung von car2go sind deshalb in vielen Gegenden auch Reiseziele abseits der Bahnstrecken kein Problem.

Gute Ideen mit kleinen Einschränkungen

Die hier vorgestellten Services treten mal als eigenständiges Unternehmen auf, mal als Produkt der Konzernmutter. Der Paketbutler beispielsweise ist eine Kooperation von Konzern und Startup, die Mission Control eines der Ergebnisse des Lufthansa Innovation Hub. Ob die Dienste auch langfristig erfolgreich sind, muss sich aber noch zeigen. Sie sind in aller Regel noch nicht lange genug auf den Markt und es steht zu hoffen, dass die Konzerne bei der Durchsetzung einen langen Atem zeigen.

Ein zweiter Punkt: Obwohl die meisten Dienste „startupig“ wirken, ist ihre Herkunft aus einem Konzern mit einem eigenen Produktportfolio hin und wieder zu spüren. So wäre zum Beispiel eine App wie Moovel genau dann ideal, wenn sämtliche Carsharing-Dienste, alle Taxi-Services und jeder Nahverkehrsverbund genutzt werden könnte. Doch hier gab es bislang ein Hindernis: Die App aus dem Hause Daimler bietet nur den eigenen Carsharing-Dienst. Nicht einmal die Bahn-Tochter Flinkster wird in der App angeboten. Doch mit der wohl bevorstehenden Fusion von DriveNow und car2go könnte Moovel zum Anbieter werden, der einen umfassenden Service bietet.

Bildquelle: Telekom

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