Longreads für das Wochenende

Marissa Mayer und das Nicht-Comeback von Yahoo

Hat jemand schon die Adresse ist-marissa-mayer-noch-ceo.de registriert? In den Longreads geht es diese Woche um die Vorgeschichte dieser Domain.

Yahoo-CEO Marissa Mayer

Mehr als 1200 Tage ist es jetzt her, dass Marissa Mayer CEO von Yahoo wurde. Die Zahl der Vorschusslorbeeren blieb gering, denn die Krise bei Yahoo war überdeutlich, die Position der Vorstandsvorsitzenden galt als Schleudersitz und fast unmögliche Aufgabe. Die Stimmung war damals: Wenn es jemand schafft, dann die als tatkräftig und erfahren geltende Google-Managerin Marissa Mayer.

Natürlich hat sie durch den Job viele neue Feinde bekommen, wie jeder andere CEO, der sich unbeliebt macht und machen muss. Eine unpopuläre und mit einem ziemlichen Medienwirbel verbundene Entscheidung war die inzwischen legendäre Abschaffung der großzügigen Homeoffice-Regeln.

Im Sommer 2013 dann der Kauf von Tumblr, für mehr als eine Milliarde Dollar. Die Einkaufstour ging übrigens weiter. Yahoo hat eine stattliche Anzahl (>40) Startups aufgekauft, viele davon nicht besonders erfolgreich. Aber es ging wohl in erster Linie um gute Entwickler. Das war auch dringend notwendig, denn die Produkte von Yahoo waren in einem miserablen Zustand.

Das hat sich gebessert, doch Yahoo ist immer noch ein Sorgenkind. Die Probleme dauern an und werden durch interne Schwierigkeiten verschärft. Das versprochene Comeback, der angekündigte Turnaround blieben aus. Bereits seit einiger Zeit sammeln die Kritiker Truppen und Argumente: Die Übernahme von Tumblr hat sich nicht gelohnt, keines der Produkte konnte ein signifikantes Wachstum vorweisen, der Niedergang des Werbe-Business wurde nicht aufgehalten.

Eine richtige Strategie erkannten die Investoren und viele andere nicht mehr. Zuletzt schien das Unternehmen darauf zu setzen, wieder ganz groß ins Suchmaschinengeschäft einzusteigen. Aha!? Zahlreiche Kritiker führen die Probleme darauf zurück, dass Yahoo immer noch eine Identitätskrise hat: Ist das Unternehmen nun eher ein Medienriese oder ein Techgigant?

Die negative Entwicklung hat sich in den letzten Wochen sehr rasch zugespitzt, die Fronde gegen Marissa Mayer hat begonnen. Die ganze Geschichte nahm in den letzten Tagen noch eine ziemlich bizarre Wendung: Erst sollte die Alibaba-Beteiligung verkauft werden, dann aber plötzlich das eigentliche Internet-Business. An diesem Wochenende sollen die endgültigen Entscheidungen fallen. Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist Marissa Mayer möglicherweise immer noch Yahoo-CEO. Sie sollten das aber lieber kontrollieren.

Bildquelle: Thinkstock

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