Mobile Jobsuche

Mit dem Smartphone die Bewerbung verschicken

Verlagert sich die Jobsuche und die Auswahl geeigneter Bewerber künftig auf mobile Endgeräte? Wie gut sind Unternehmen und Stellenbörsen dafür bereits gerüstet? Und muss eine Bewerbung an einen potentiellen Arbeitgeber über das Handy wirklich sein?

Unternehmen müssen sich vom bisherigen Denkmuster der idealen Bewerbungsunterlagen verabschieden, wenn diese künftig über mobile Kanäle eingeschickt werden.

Mobile Recruiting wird derzeit in vielen Unternehmen zu einer Art Mantra. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser Trend aus Unternehmenssicht durchsetzt, ist groß. Ist die Bekanntgabe vakanter Stellen oder Ausbildungsmöglichkeiten mitunter eine zeitraubende Angelegenheit, soll das Smartphone, das in allen Lebenslagen zurate gezogen wird, Erleichterung verschaffen. Und so werden also auch die Jobsuche, der Bewerbungsprozess und das anschließende Auswahlverfahren mobil, indem in mobiloptimierten Jobbörsen nach passenden Stellen gesucht, Bewerbungen per App verschickt und die ersten Einstellungstests oder Personalauswahlverfahren von unterwegs aus erledigt werden können.

Unterschiedliche Definitionen lassen die Meinungen zum digitalen Bewerbungsprozess allerdings derzeit noch auseinander gehen. Wird mobiles Recruiting mit der schnellen Bewerbung über das Smartphone oder Tablet gleichgesetzt, gerät das Thema schnell in die Kritik, obwohl 47 Prozent der knapp 27.000 vom Marktforschungsinstitut Potentialpark befragten Studenten und Absolventen aus aller Welt der Meinung sind, die Bewerbung über das Smartphone müsse sein.

Wird die mobile Personalbeschaffung dagegen als Möglichkeit einer digitalen Stellensuche aufgefasst, punktet der Trend sowohl bei Kandidaten als auch bei Personalern. Denn im Kampf um die besten Fach- und Führungskräfte muss der moderne Arbeitgeber potentielle Bewerber dort abholen, wo sie Zeit haben – sei es während der Zugfahrt oder im Straßencafé. Unternehmensinformationen und Stellenangebote müssen für den Suchenden einfach und schnell erreichbar sein. Denn fast jeder zweite Berufseinsteiger (48 Prozent) sucht über mobile Endgeräte nach einem Arbeitsplatz, so ein weiteres Studienergebnis. Zudem informieren sich Bewerber vorab über den Wunscharbeitgeber und beobachten sehr genau, wie sich Unternehmen als Arbeitgeber im Online-Umfeld präsentieren.

Die Zeiten, in denen der Stellenmarkt von Tageszeitungen durchforstet wurde, sind vorbei. Spezielle Karrierewebseiten wie etwa Stellenanzeiger.de, Kalaydo oder Monster und mobile Anwendungen wie Careerbuilder oder Fazjob.net sind gefragt – mobil optimiert, mit reduzierterem Inhalt im Vergleich zur Desktopvariante und neu strukturiert. Das Angebot geht über bloße Unternehmens- und Stelleninformation hinaus und bietet Zusatzfunktionen wie die Möglichkeit, ein persönliches Nutzerprofil zu speichern, um via Push-Mitteilung über passende Stellenangebote informiert zu werden, eine Location-Map zur räumlichen Orientierung, Click-to-call, um den passenden Ansprechpartner sofort zu kontaktieren, sowie die Empfehlung einer Anzeige per E-Mail oder Social Media. Und auch Re­cruiter erhalten die Möglichkeit, sich in den Stellenbörsen als Arbeitgeber zu positionieren, z.B. mit spezieller Banner-werbung.

Gesunkene Qualitätsansprüche

Im Zuge der Mobilisierung verändert sich allerdings der Bewerbungsprozess und ist nicht mehr mit dem postalischen Versenden der Bewerbungsunterlagen zu vergleichen. Stattdessen wird schnell und unkompliziert das eigene Online-Profil, beispielsweise von Xing oder LinkedIn hochgeladen. Wenn beide Seiten Interesse haben, kann ein ausführliches Motivationsschreiben inklusive Zeugnissen vom PC aus nachgereicht werden.

Doch vielleicht wird selbst dies in Zukunft nicht mehr wichtig sein, denn zahlreiche Bewerber pflegen ihre digitale Identität, sodass sich Arbeitgeber ein umfassendes Bild – abseits schulischer Leistungen – machen können.
Hier müssen Arbeitgeber ihren Anspruch an die Qualität der Bewerbung den neuen Gegebenheiten anpassen, denn eine mobile Version kann nicht die gleichen Qualitäten wie ein herkömliches Anschreiben aufweisen – geht es schließlich in erster Linie um das schnelle Informieren und Reagieren. Und in Zeiten von Social Media gelten Bewerbungen eher als Aufforderung zum gemeinsamen Dialog – auf den tabellarischen Lebenslauf soll immer häufiger verzichtet werden.

Je nachdem, welche Bewerbungskanäle ein Unternehmen bereitstellt, variieren die Unterlagen in ihrer Form. Personaler müssen sich von bisherigen Denkmustern der idealen Bewerbungsunterlagen verabschieden. So macht der Weg über eine App oder ein Onlineportal ein Anschreiben nicht unbedingt notwendig. Wird die Bewerbung dann hausintern noch durch verschiedene Abteilungen gereicht, kann schnell der Eindruck entstehen, die Unterlagen seien unvollständig. Ein Umdenken der Personalabteilung ist also unumgänglich.
Dies betrifft auch die Reaktionszeit: Bewerber erwarten eine schnelle Resonanz. Laut einer Befragung der Hochschule Heilbronn und des Softwareherstellers Softgarden sagte nur jeder Zehnte, er sei bereit, länger als sieben Tage auf eine Antwort auf eine Onlinebewerbung zu warten. Allerdings reicht den meisten eine automatisch generierte Eingangsbestätigung als erstes Feedback. Eine Absage oder Einladung zum Vorstellungsgespräch erwarten nur sieben Prozent der Befragten innerhalb einer Woche. Spätestens nach vier Wochen ist die Geduld hingegen erschöpft: Nur ein Prozent der Befragten findet eine längere Wartezeit akzeptabel.

Klassisch bevorzugt

Trotz der neuen Möglichkeit halten sich vor allem junge Bewerber mangels Erfahrung mit mobilen Bewerbungsverfahren noch bedeckt. So schauen sie sich die Anforderungsprofile der Unternehmen zwar gerne unterwegs an, beworben wird sich allerdings am liebsten auf konventionelle Weise, gilt das postalische Anschreiben nach wie vor als fest etabliert. Mehr als 800 von 1.200 Jobinteressenten können sich nicht vorstellen, sich per Smartphone oder Tablet zu bewerben, das ergab die Befragung der Hochschule Heilbronn. Der Aussage „Ich finde die mobile Bewerbung schlecht“ stimmten immerhin 65 Prozent der Befragten zu. Die Ablehnung begründet jeder Fünfte damit, der Bildschirm sei zu klein oder die Tastatur eigne sich nicht zum Schreiben langer Texte.

Bewerbungs-App

Apps können für viele Situationen der unkomplizierte Lösungsweg sein. Dies jedoch gilt nur eingeschränkt für den Bewerbungsprozess. Wenn der Jobsuchende sich für jedes interessante Unternehmen eine eigene App herunterladen muss, wird der Nutzen schnell zum großen Aufwand. Aus Sicht des Marketings sind solche unternehmenseignen Karriere-Apps vor allem deshalb interessant, weil es einfach wird, das Firmenlogo auf dem Smartphone des Inte­ressenten zu platzieren. Der Nutzen für den Bewerber wird dabei leider allzu oft außer Acht gelassen. Im Gesamtprozess der Bewerbung wird eine App erst dann zweckmäßig, wenn es beispielsweise um die Beobachtung des Status der Bewerbung oder weiterführende Prozesse wie die Terminfindung oder „onBoarding“ geht.

Statt Zeit und Kapital in eine Karriere-App zu investieren, sollten sich Unternehmen zunächst auf eine mobilfähige Webseite konzentrieren.  Dass Unternehmen den Erwartungen der Bewerbern hinterher hinken, zeigt die Studie von Potentialpark: Gerade mal 14 Prozent der 473 untersuchten Konzerne bieten eine mobile Karrierewebseite an.

Mobile Recruiting kann sowohl für Bewerber als auch Unternehmen als weiterer Kanal im Recruitingprozess interessant sein – bislang aber nur als Ergänzung und keineswegs als Ersatz für das bewährte Briefverfahren.

 

Bildquelle: Thinkstock/ Lightwavemedia

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