Virtual Reality im Europa-Park Rust erleben

Mit Samsung Gear VR auf der Achterbahn

Interview mit Michael Mack, Geschäftsführer von Mackmedia und geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Parks in Rust, über den Einsatz von Virtual Reality (VR) bei Achterbahnfahrten und mit welcher Herausforderung die entsprechende Umrüstung einer Bahn verbunden ist

  • Samsung Gear VR im Europa-Park Rust

    Auf der Pegasus-Achterbahn im Europa-Park Rust kommen Samsung Gear VR-Brillen zum Einsatz.

  • Michael Mack, Europa-Park Rust

    „Bevor wir die VR-Technik im Tagesbetrieb erstmals anwendeten, haben wir das System sämtlichen Stresstests unterzogen“, erklärt Michael Mack, Europa-Park Rust.

Herr Mack, vor welchem Hintergrund wurde im Europa-Park Rust eine zweite VR-Achterbahn eröffnet?
Michael Mack:
Das Erlebnis „Coastiality“ kam bei unseren Besuchern gut an. Unabhängig von den Reaktionen planten wir aber schon, bevor wir den „Alpenexpress Coastiality“ mit der Technologie aufrüsteten, das Virtual-Reality-Erlebnis auch auf weitere Bahnen im Park auszudehnen. Nun haben wir mit unserem 4D-Film „Happy Family“ eine Geschichte, die sich für den Einsatz auf einer Achterbahn eignet.

Warum wurde die „Pegasus“-Achterbahn für die zweite Umrüstung auserkoren?
Mack:
Sie ist eine Achterbahn, die sich vor allem an junge Achterbahnfans richtet. Die Animation, die für die Fahrgäste zu sehen ist, ist eine 360-Grad-Sequenz mit Familie Wünschmann. Die Familienmitglieder sind die Hauptdarsteller des Animationsabenteuers, das im Magic Cinema 4D läuft. Somit haben die Besucher die Möglichkeit, nach dem Kinofilm weitere Abenteuer mit der „Happy Family“ zu erleben – etwa auf der Achterbahn „Pegasus Coastiality“. Theoretisch kann jede Stahlachterbahn mit „Coastiality“ aufgerüstet werden.

Mit welchen Herausforderungen war die Aufrüstung verbunden?
Mack:
Vorab galt es zu prüfen, welche Bahn dafür – rein aus technischer Sicht – geeignet ist. Wo lassen sich die Black Box und der Sensor am Wagen installieren, um eine Synchronisierung zu gewährleisten? Ebenso mussten im Vorfeld die diversen VR-Headset-Anbieter mit ihren Modellen getestet werden.

Warum kommen gerade die Samsung-Gear-VR-Brillen zum Einsatz?
Mack:
Diese erfüllen momentan am besten die Bedürfnisse für einen VR-Ride. Aufgrund der Erschütterungen ist es beispielsweise nicht möglich, einen PC, wie er für die Oculus Rift erforderlich ist, auf einem Achterbahnwagen mitfahren zu lassen. Außerdem würde das Kabel jener Brille Sicherheitsprobleme mit sich bringen. Eine mobile VR-Brille mit integriertem Rechner löst diese Probleme und lässt sich außerdem leicht reinigen und austauschen. Die Gear VR bietet aufgrund ihrer integrierten Oculus-Sensoren die gleiche Tracking-Qualität wie die Rift. Der Inhalt wird über ein Smartphone, das sich in der VR-Brille befindet, abgespielt.

Wie ist die Synchronisierung der VR-Headsets mit der realen Achterbahn möglich?
Mack:
Jede kleinste Kopfbewegung wird 1.000 Mal pro Sekunde erfasst. Da die Bildwiederholungsfrequenz bei konstanten 60 Hz liegt, gibt es also keine Latenz bei der Darstellung der Kopfbewegung. Zudem wird hier ein CPU-Kern ausschließlich für die Verwaltung der Kopfbewegung verwendet,
weshalb diese ständig mit konstanten 60 Bildern pro Sekunde dargestellt werden kann, selbst wenn die eigentliche 3D-Welt ins Stocken geraten sollte.
Die Synchronisierung funktioniert über einen Sender am Zug. Über die Raddrehung wird die Geschwindigkeit und Position 30 Mal pro Sekunde berechnet; dieses Signal wird dann an das Mobiltelefon gesendet.

An welchen Stellen hapert es technisch noch?
Mack:
Bei einer neuen Technologie gibt es immer kleine Kinderkrankheiten, aber die haben wir gemeistert. Bevor wir die VR-Technik im Tagesbetrieb erstmals anwendeten, haben wir das System zwei Jahre getestet und sämtlichen Stresstests unterzogen. Als alles lief, war der Moment gekommen, es auch im Park einzubringen. Eine Herausforderung stellt momentan die tägliche Abwicklung dar: direkt am und mit dem Besucher, wo dieser ein- und aussteigt.

Aktuell können acht von maximal 18 Fahrgästen pro Zug das virtuelle Abenteuer erleben und müssen gar eine Zusatzgebühr bezahlen. Inwiefern ist hier eine weitere Aufrüstung geplant?
Mack:
Derzeit planen wir nicht, weitere Wagen pro Zug mit VR-Brillen auszustatten. Auch in Zukunft wird der Zug somit aus Fahrgästen mit und ohne VR-Brillen bestehen.

Sind Sie bereits persönlich mit der neuen VR-Achterbahn gefahren? Wie lautet Ihr Erfahrungsbericht?
Mack:
Natürlich – ich fahre auch nach Monaten des Betriebs noch mehrmals die Woche mit Gästen, um die Reaktionen zu erleben. Und ich freue mich jedes Mal, wenn die Besucher die Brille abziehen und mit Verwunderung, aber auch einem Lächeln auf den Lippen darüber staunen, was sie da gerade erlebt haben.  


Erfahren Sie hier weitere spannende Einsatzmöglichkeiten von Virtual-Reality-Brillen sowie anderen Datenbrillen.

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