Sicherheit mobiler Bezahlverfahren entscheidend

Mobile Payment scheitert an fehlender Infrastruktur

Interview mit Sascha Breite, Head Future Payments, SIX Payment Services, über die aktuelle Situation auf dem Mobile-Payment-Markt und die Rolle der treiben Akteure.

Sascha Breite, Head Future Payments, Six Payment Services

Herr Breite, wie wird sich Mobile Payment in diesem Jahr entwickeln?
Sascha Breite:
Der Wettlauf um die Dominanz im Mobile Payment geht weiter: Nachdem Ende letzten Jahres der mobile Bezahldienst Apple Pay gelauncht wurde, hat Samsung das neue Galaxy S6 auf den Markt gebracht – zusammen mit einem ähnlichen Payment Service wie Apple. Auch Google ist wieder aktiv und kündigte auf der Entwicklerkonferenz Google I/O neue Pläne für die Google Wallet an. Ob 2015 allerdings auch in Deutschland das Jahr des Mobile Payment wird, bleibt noch abzuwarten, bisher ist das Bezahlen per Smartphone in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Laut aktuellen Bitkom-Zahlen würde ein Drittel aller Smartphone-Nutzer gerne mobil mit ihrem Handy bezahlen. In der Praxis fehlen jedoch im Handel eine ganze Reihe von Akzeptanzstellen für kontaktlose Zahlungen mit dem Smartphone. Alternative Anbieter von mobilen Zahlungssystemen tun sich bislang schwer, eine ausreichende Anzahl von Nutzern und Händlern für ihre Systeme zu begeistern. Die meisten Anbieter weichen daher oftmals auf Kartenprodukte aus, um von der bestehenden Infrastruktur zu profitieren.

Wen sehen Sie als den treibenden Akteur für Mobile Payment? Welche Position haben Einzelhändler, Hardware-Hersteller und Finanzinstitute?
Sascha Breite:
Für Einzel- und Online-Händler ist Mobile Payment eines der großen Themen. Durch den zunehmenden Einsatz von Smartphones und mobilen Endgeräten in Ladengeschäften eröffnen sich neue Möglichkeiten. Das Bezahlen lässt sich einerseits nahtlos in die digitalen Kanäle integrieren, womit Konsumenten mit ihrem Handy „on the go“ bestellen und bezahlen können. Andererseits erlauben neue günstige Hardware-Varianten die Akzeptanz von Kartenzahlungen an immer mehr mobilen Verkaufspunkten. Einer der Vorreiter für Mobile Payment ist in dieser Hinsicht sicherlich Amazon. Letztes Jahr ergänzte das Unternehmen seine Zahlungsdienstleistungen um mobile Kreditkarten-Lesegeräte. Amazon profitiert dabei einerseits als Online-Händler, andererseits aber auch als Betreiber eines digitalen Marktplatzes für Handel und Konsumenten.

Amazon steht dabei exemplarisch für andere große Marktreiber: Denn je besser Unternehmen ihre Kunden kennen und diese über verschiedene Wege an sich binden, desto höher wird langfristig deren Marktdurchdringung sein. Gerade Amazon geht es nicht nur um die potentiellen Einnahmen aus dem neuen Payment-Geschäftszweig. Viel spannender sind für Amazon die zusätzlichen Daten rund um das Kaufverhalten und die Zahlungen am Point-of-Sale im Ladengeschäft.

Auch andere große Marken treiben ihre Payment-Innovationen voran: Paypal erweitert seine Dienste laufend, 2015 starteten Visa und Mastercard ihre eigenen Wallet-Dienste V.me und Masterpass in Deutschland. In Punkto Innovationskraft und Nutzerfreundlichkeit haben sich Anbieter wie Apple einen großen Vorsprung verschafft und damit auch die Ansprüche der Verbraucher verändert. iPhones sind hochintuitive Geräte, sie werden ohne Anleitung verschickt. Einen ähnlichen Komfort erwarten Nutzer auch bei Bezahlvorgängen.

Wie sehen Sie die Akzeptanz von Mobile Payment unter den Verbrauchern in Deutschland? Wo sehen Sie die kritischen Faktoren?
Sascha Breite:
Hierzulande ist es den meisten Verbrauchern einfach nicht möglich, mobil am POS zu bezahlen. Die notwendige Infrastruktur an kontaktlosen Zahlungsterminals fehlt einfach. Trotzdem steigt das Vertrauen in die mobile Bezahltechnik und Kunden verlieren zunehmend ihre Skepsis gegenüber dieser neuen Form des Bezahlens. So zeigt das aktuelle Payment-Barometer von Ibi Research an der Universität Regensburg, dass rund ein Viertel der Händler bereits von Kunden gefragt wurden, ob kontaktloses Bezahlen möglich sei. Anscheinend ignoriert der Handel jedoch die Kunden, denn für über zwei Drittel (68 Prozent) der Händler ist es nur „vorstellbar“, künftig kontaktlose Zahlungen anzubieten. Sie tun es einfach noch nicht heute, obwohl die Kunden von mehr Bequemlichkeit und Sicherheit profitieren würden. Es bleibt nur zu hoffen, dass die steigende Nachfrage durch Kunden Händler dazu bringt, die nötige Kontaktlos-Infrastruktur bereitzustellen.

Welche Bedeutung kommt der Zahlungssicherheit beim mobilen Bezahlvorgang bei?
Sascha Breite:
Vor allem Sicherheitsbedenken halten viele Verbraucher von der Nutzung mobiler Bezahlverfahren ab – genau da besteht eine große Chance für etablierte Anbieter wie Finanzinstitute. Die Schwierigkeiten mobiler Zahlungssysteme begründen sich laut einer Studie des Research Center for Financial Services der Steinbeis Hochschule Berlin genau darin, dass hinter den am Markt befindlichen Systemen häufig „Nicht-Banken“ stehen. Konsumenten bringen diesen Anbietern in finanziellen Belangen nicht genügend Vertrauen entgegen und bevorzugen Zahlungssysteme ihrer eigenen Banken. Ohne eine ausreichende Verbreitung eines Zahlungssystems auf Konsumentenseite lassen sich auch Händler schwerlich für die Akzeptanz begeistern. Daher erzielen die meisten Systeme nur geringe Reichweiten.

Was versprechen Sie sich von neuen Bezahlwegen wie Peer to Peer Payment (P2P)?
Sascha Breite:
Peer to Peer Payment ermöglicht Verbrauchern, sich gegenseitig Geldbeträge zu senden oder anzufordern, so z.B. mittels Paymit, der neuen Schweizer Lösung für Mobiltelefone. Das Einbringen von Geldbeträgen in das Zahlungssystem erfolgt per Bankkonto oder Kreditkarte, bei den meisten teilnehmenden Banken geschieht dies automatisch. Guthaben können für weitere Zahlungen verwendet oder auf ein Bankkonto entladen werden. Der Vorteil liegt in der Geschwindigkeit, mit der das Geld innerhalb von Sekunden empfangen wird. Gerade dieses Bezahlverfahren findet bei Verbrauchern zunehmend Anklang, weil es bequem und einfach ist. Ich bin überzeugt, dass dies ein vielversprechender Weg ist, eine kritische Nutzermasse zu generieren. Darüber hinaus kann ich mir den Einsatz auch am Point-of-Sale im Handel vorstellen sowie bei In-App-Payments und für den Online-Handel. Die Bereitstellung eines offenen Standards für eine solche Peer to Peer Lösung ist entscheidend, um so die rasche Verbreitung zu unterstützen.

Ist die biometrische Autorisierung von Zahlungen nur Zukunftsmusik?
Sascha Breite:
Die Autorisierung einer Zahlung erfolgt ja über den Kartenausgeber bzw. den Zahlungssystembetreiber. Aus Sicherheitsgründen muss sich der Konto- oder Karteninhaber authentisieren, um eine Zahlung durchführen zu können, z.B. durch die Eingabe eines PIN-Codes. Wer mehrere Karten oder Konten besitzt, muss sich so verschiedene PINs merken. Sehr viel einfacher wird es für Verbraucher, wenn ein biometrisches Verfahren zum Einsatz kommt. Eine schnelle und unkomplizierte Überprüfung des Karteninhabers steigert nicht nur die Einsatzhäufigkeit sondern auch die Sicherheit und Akzeptanz. Der Einsatz biometrische Daten ist nicht komplett neu, mit Apple Pay und dem aktuellen Samsung Pay dürfte der Ansatz eine größere Verbreitung finden. Ich gehe davon aus, dass auch weitere Hersteller biometrische Authentifizierungsmöglichkeiten wie Fingerabdruck oder Venenscan in ihre Geräte integrieren werden. Der Einsatz biometrischer Daten könnte so zum festen Bestandteil innovativer Bezahllösungen werden.


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