Mobile Shopping: Interview mit Nicole Rüdlin, Internet World

Mobile Revolution verlangt mehr Sicherheit

Die Messe Internet World führte in Zusammenarbeit mit dem Institut Ibi Research an der Universität Regensburg eine Onlinebefragung zum Thema „Digitalisierung der Gesellschaft“ durch. MOBILE BUSINESS sprach mit Studienauftraggeberin Nicole Rüdlin, Leiterin der Internet World, über „Mobile Shopping und Sicherheit“.

Nicole Rüdlin, Leiterin der Internet World Messe, sieht noch Bedarf bei der Sensibilisierung von Smartphone-Nutzern im Umgang mit persönlichen Daten.

Frau Rüdlin, das Einkaufen mit mobilen Endgeräten erfreut sich immer größerer Beliebtheit. In welchen Bereichen lässt sich dennoch Zurückhaltung beobachten?
Nicole Rüdlin:
Während der Kauf von Bahntickets, Hotelzimmern oder Flügen über mobile Geräte schon eine hohe Akzeptanz in Deutschland hat, scheint es bei physischen Gütern noch eine gewisse Zurückhaltung zu geben. Das zeigt auch unsere Studie: 47 Prozent der Befragten gaben an, dass sich zum direkten Kauf eines Produktes ein Desktop-PC besser eignet als ein mobiles Gerät. Ich vermute, dass die Ursache dafür insbesondere in der limitierten Darstellungsmöglichkeit liegt, die der kleine Bildschirm bietet.

Daten- und Verbraucherschützer fordern mehr Sicherheit beim Mobile Commerce. Welche Maßnahmen sollten Verbraucher zum Schutz der Daten beherzigen?
Rüdlin:
Unsere Studie zeigt, dass 60 Prozent der deutschen Smartphone-Besitzer ihr Gerät nicht mit einem individuellen Passwort schützen. 15 Prozent nutzen keine PIN und fast jeder Zehnte nicht einmal die automatische Bildschirmsperre. Aufklärung der Verbraucher ist nötig. Hier sind auch die Smartphone-Hersteller gefordert, die Sicherheits-Settings einfach zugänglich und bedienbar zu machen.

Häufig greifen Shopping-Apps unbemerkt auf personenbezogene Daten vom Smartphone zu. Welche Schutzvorrichtungen können Nutzer in diesem Fall einrichten?
Rüdlin:
Die gängigen Plattformen wie Android und iOS bieten spezielle Bordwerkzeuge. Bei Android wird im Playstore bereits genau deklariert, auf welche Daten zugegriffen wird. Diese lassen sich auch von wenig geübten Nutzern einfach in den Einstellungen des Smartphones nachprüfen. Bei iOS erfolgt die Zustimmung ebenfalls auf seiten des Betriebssystems. Als Faustregel gilt: Nur Zugriffe gewähren, wenn es auch einen Mehrwert gibt. Zugriff auf GPS-Daten beispielsweise nur dann erlauben, wenn damit etwa das Auffinden der nächsten Filiale vereinfacht wird, Zugriff auf die Kamera nur, wenn damit ein Barcodescanning verbunden ist, und den Zugriff auf Kontakte nur, wenn damit z.B. ein vereinfachter Check-out verbunden ist wie die Auswahl der Liefer- oder Rechnungsadresse.

Zahlreiche Zahlungsdienstleister stellen den Verbrauchern vermeintlich sichere Bezahlfunktionen zur Verfügung. Wie trifft der Käufer hier eine Entscheidung?
Rüdlin:
Ob mobile oder stationär, ob hardware- oder account-basiert: Der Verbraucher sollte immer auf die Reputation des Anbieters achten. In der Regel genießt derjenige Anbieter das größere Vertrauen, zu dem bereits auf anderen Kanälen eine Geschäftsbeziehung besteht. Vorsicht ist sicher bei noch unbekannten Anbietern geboten. Wenn die Nutzung eines solchen unumgänglich ist, dann mit kleinen Beträgen oder einer hinterlegten Karte, die eine überschaubares Limit hat, um sich doppelt abzusichern.

Welche Konsequenzen werden die angekündigten Near-Field-Communication-Bezahlmethoden (NFC) in Bezug auf die Datensicherheit der Smartphones haben?
Rüdlin:
Unserer Studie zufolge wird ein deutlicher Anstieg der Nutzung von NFC-fähigen Geräten in Ladengeschäften erwartet. Daher gilt es besonders darauf zu achten, dass das Smartphone genügend geschützt ist. PIN-Codes sind dabei unumgänglich, gegebenenfalls zusätzlich geschützt mit Bordeinstellungen beispielsweise, dass nach einer bestimmten Anzahl von Fehleingaben das Gerät automatisch auf Werkseinstellungen gesetzt wird. Ebenfalls empfehlenswert sind Einstellungen, dass ab einem gewissen Betrag eine zusätzliche Verifikation (Einmal-PIN via SMS o.ä.) angefordert werden kann.

Wie sind Ihre Prognosen für den Mobile Commerce mit Blick auf die aktuellen Sicherheitsbedenken?
Rüdlin:
Im internationalen Vergleich sind wir hier in Deutschland erst am Anfang der mobilen Revolution. Die Sicherheitsbedenken beim M-Commerce sind auch nicht größer als in anderen Bereichen wie beim E-Commerce oder Online-banking. Ich denke, dass sich ein User sogar sicherer fühlt, da ein Smartphone ein viel persönlicheres Gerät ist als ein Desktop-PC oder ein Laptop. Ein Smartphone wird deutlich weniger mit anderen Personen geteilt als andere Endgeräte, wo wir heute schon bezüglich Sicherheit risikoreichere Transaktionen vornehmen wie Onlinezahlungen oder Börsenaufträge.

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