Anbieter verspricht Untersuchung

Mozilla schmeisst Web of Trust raus

Das Add-On «Web of Trust» ist nach den schweren Datenschutz-Vorwürfen aus dem Add-On-Store des Browsers Firefox geflogen.

Firefox

Das Hauptquartier des Firefox-Entwicklers Mozilla in San Francisco. Foto: Andrej Sokolow

«Wir haben Beschwerden über «Web of Trust» erhalten, die damit zusammenhängen, wie transparent das Add-on arbeitet», erklärte die Mozilla-Stiftung, die hinter Firefox steht, der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Man habe schließlich entschieden, «dass das Add-on diese Richtlinien verletzt». Deshalb sei es aus der Download-Kollektion entfernt worden, «bis der Hersteller diese Dinge korrigiert», zitierte die Zeitung am Donnerstag Mozilla.

Die Entwickler der ins Zwielicht geratenen Browser-Erweiterung «Web of Trust» hatten zuvor angekündigt, sie wollten die Vorwürfe prüfen und eventuell Gegenmaßnahmen ergreifen. Das NDR-Fernsehen hatte diese Woche berichtet, «Web of Trust» habe im großen Stil Nutzerdaten ausgespäht und diese offenbar ungefragt an Dritte weitergegeben. Auf Basis der Informationen hätten auch Nutzer identifiziert werden können, während der Anbieter eine Anonymisierung der Daten versprochen habe, darunter auch Bundespolitiker.

Entwickler wollen Vorwürfe prüfen

«Wenn es Fälle gab, in denen Informationen nicht anonymisiert und geschützt wurden, werden wir das natürlich prüfen und wenn notwendig Maßnahmen treffen, um einen angemessenen Schutz unserer Nutzer sicherzustellen», erklärte ein Sprecher des finnischen «Web of Trust»-Anbieters. Die Entwickler der ins Zwielicht geratenen populären Browser-Erweiterung «Web of Trust» wollen die schweren Datenschutz-Vorwürfe prüfen und eventuell Gegenmaßnahmen ergreifen.

Was genau ist Web of Trust? «WOT» soll die Integrität von Websites prüfen und besuchte Seiten anhand eines Ampel-Systems im Hinblick auf Sicherheit bewerten. Im Hintergrund übermittelt die Erweiterung nach Darstellung des NDR die Daten zum Surfverhalten des Nutzers an einen Server im Ausland. Dort werde ein Profil erstellt und Datum, Uhrzeit und angesteuerte Webadresse werden gemeinsam mit einer Nutzerkennung abgespeichert. Diese Daten würden dann an Zwischenhändler weitergegeben.

Nach den Recherchen der NDR-Reporter wurde unter anderem mit Hilfe von «WOT» ein Datensatz erstellt, der die besuchten Webseiten von drei Millionen Menschen in Deutschland beinhaltet. Die Daten seien angeblich anonymisiert worden. Es habe sich aber schnell herausgestellt, wie leicht die sensiblen Informationen mitunter eben doch einzelnen Internetnutzern zuzuordnen seien.

Die NDR-Reporter konnten demnach in Stichproben anhand des Datensatzes mehr als 50 Nutzer persönlich identifizieren, zum Beispiel über E-Mail-Adressen, Anmeldenamen oder andere Bestandteile der aufgerufenen URLs. Mit Hilfe der Daten ließen sich Reisen einzelner Nutzer nachverfolgen, Rückschlüsse auf Krankheiten, sexuelle Vorlieben und Drogenkonsum schließen, hieß es. Auch Geschäftsgeheimnisse wie vertrauliche Umsatzzahlen eines Medienhauses und Details zu Ermittlungen eines Polizisten hätten sich rekonstruieren lassen.

dpa/rs

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