Smarte Uhren warten auf den Durchbruch

Nutzen der Smartwatch im Geschäftsalltag

Man sieht sie immer öfter, doch den richtigen Durchbruch haben Smartwatches noch nicht geschafft. Vielen scheint der Nutzen der smarten Uhren noch nicht so ganz klar zu sein. Dabei können die Wearables am Handgelenk im Geschäftsalltag durchaus hilfreich sein.

Smartwatch im Geschäftsalltag

Weil der Nutzen – vor allem im Geschäftsalltag – vielfach noch unklar ist, warten Smartwatches auf den Durchbruch.

Rund jeder fünfte Deutsche ab 14 Jahren (18 Prozent) möchte in Zukunft auf jeden Fall eine Smartwatch nutzen, rund ein Viertel (28 Prozent) kann sich das zumindest vorstellen – das hat eine aktuelle Befragung im Auftrag des Bitkom ergeben. Damit zeigt fast die Hälfte der Deutschen zumindest Interesse an den smarten Uhren. „Der Markt für Smartwatches wächst“, bestätigt Damjan Stamcar, Customer Product Management bei Sony Mobile Communications, „allerdings langsamer als erwartet.“ Die meisten Menschen hätten einfach noch keine richtige Vorstellung von den Vorteilen der Geräte, meint Alexander Perederi. „Wir können jedoch beobachten“, so der Product Marketing Manager von LG Electronics, „dass die Wahrnehmung über den Nutzen einer Smartwatch sich bei nahezu allen Menschen ändert, die die Geräte selbst ausprobiert haben.“ Damit meint er nicht das Anfassen der Wearables am Point of Sale, sondern eine tatsächliche Nutzung für mindestens einen Tag. Meistens wollen die Personen dann auf die smarte Uhr gar nicht mehr verzichten, berichtet Perederi.

Gerade im Geschäftsalltag sind sie ein gern genutztes Hilfsmittel, um die wichtigsten Nachrichten zu filtern. Das Smartphone bleibt dabei in der Tasche. „Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass das Warten auf eine wichtige Nachricht in Meetings durchaus nervenaufreibend sein kann“, gesteht Marcel Kemmann, Country Product Manager bei der Asus Computer GmbH. Dank Smartwatch am Handgelenk könne er aber diskret während einer Besprechung kontrollieren, ob z.B. eine wichtige E-Mail endlich eingetroffen ist oder ob ein relevanter Anruf verpasst wurde. Auch Kalenderfunktionen bieten eine praktische Unterstützung im Geschäftsalltag. „Ich persönlich nutze am Steuer gern die Möglichkeit, ohne hinzusehen Erinnerungen per Spracheingabe speichern zu können, an die ich im Büro oder zu Hause noch denken muss“, berichtet Kemmann. Nicht zuletzt bieten die in Smartwatches integrierten Fitness-Tracker-Funktionen eine Hilfe im Büroalltag, ergänzt Garmin-Geschäftsführer Kai Tutschke. So erinnere etwa ein Inaktivitätsalarm den Nutzer daran, „ruhig mal persönlich beim Kollegen am Ende des Ganges vorbeizuschauen, anstatt die Kurzwahltaste zu drücken“.

Akkulaufzeit in der Kritik

Eine gute Smartwatch ist aber nicht nur smart, sondern muss vor allen Dingen alltagstauglich sein. Denn was nutzt eine smarte Uhr, wenn sie zwei Stunden lang „tickt“ und dann am Ladekabel hängt, während ihr Nutzer im Meeting sitzt? Ob im Büro, beim Sport oder letztlich auch in der Freizeit: Die Uhr muss immer getragen werden können. Das verlangt nach einer vernünftigen Akkulaufzeit. Robust, wasserdicht und aus hochwertigen Materialen sollte sie natürlich auch sein. Wenn sie zudem unabhängig vom Smartphone funktioniert, steigert das zusätzlich ihren Nutzwert. „Und vor allen Dingen muss sie gut aussehen!“, betont Kai Tutschke. Gleiches bestätigt Alexander Perederi: „Für Endkunden ist das Design ein zentrales Kaufentscheidungselement.“ Kunden bevorzugen in erster Linie Smartwatches, die wie eine echte, hochwertige Uhr aussehen. Die Technik, die in diesen Geräten steckt, soll gar nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich werden. Nicht unterschätzen dürfe man außerdem den Drang zur Personalisierung, meint Tutschke. Jeder habe auf seinem Laptop, Tablet oder Smartphone seinen ganz eigenen Hintergrund – ganz gleich ob Strand, den heiß geliebte Hund oder Frau und Kinder. Auch bei Uhren seien derlei „Spielereien“ sehr gefragt.

Dies ist ein Artikel aus unserer neuen Print-Ausgabe. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo frei Haus.

Kritisiert wird hingegen häufig noch die Akkulaufzeit. Sie wird laut Marcel Kemmann mit der von „Basic Wearables“ bzw. sogar Standardarmbanduhren verglichen. Dass dies natürlich schon angesichts der Rechenkapazität, dem hochauflösenden Farbdisplay und aller verbauten Sensoren nicht vergleichbar ist, werde oft einfach bewusst ignoriert. Außerdem richte sich der Blick auf vermeintliche „Nachteile“ wie etwa, dass man mit einer Smartwatch ein zusätzliches Gerät habe, was aufgeladen werden müsse. „Auf den ersten Blick erscheint den meisten Menschen eine Smartwatch daher wenig sinnvoll“, meint Alexander Perederi, schließlich sei das Smartphone ja in fünf Sekunden griffbereit. Warum sollte man also über 100 Euro zusätzlich zahlen, nur um eine smarte Uhr zu besitzen? „Dies ist eine typische Reaktion bei vielen Innovationen“, weiß Perederi. Man denke nur an die Anfänge der Tablets zurück. Vor nicht allzu langer Zeit hielten sehr viele Menschen diese Geräte auch für unnütz, insbesondere zu Hause, da man dort schließlich einen Computer und Fernseher hätte und das völlig ausreichen würde. „Inzwischen gibt es mindestens ein Tablet in jedem Haushalt“, so der LG-Mann.

Schwer zu stehlen

Sicherheit ist auch ein Thema, welches bei Smartwatches immer wieder aufkommt. Grundsätzlich stelle sie aber kein zusätzliches Problem bei der Nutzung einer smarten Uhr dar, versichert Perederi. Die verwendeten Verbindungstechnologien seien bereits auf anderen Geräten im Einsatz und nicht weniger sicher als beispielsweise bei Verwendung eines Smartphones. Das Android Wear OS soll inzwischen sogar die Möglichkeit bieten, eine Displaysperre einzurichten, sodass ein unberechtigter Zugriff erschwert wird. Doch eigentlich trägt man eine Smartwatch in der Regel am Handgelenk. Sie bleibt also nicht so schnell liegen und lässt sich auch nicht so einfach stehlen wie etwa das Mobiltelefon aus der Tasche.

„Ich trage meine Smartwatch fast ständig – den zusätzlichen Komfort möchte ich nicht mehr missen“, verrät Perederi. „Eher weniger trage ich das Smartphone mit mir herum.“ Auch Marcel Kemmann möchte auf seine smarte Uhr nicht mehr verzichten: „Ich verwende sie neben ihrer Rolle als Benachrichtigungs-‚Display’ vor allem als Schlüssel für mein Smartphone und um Erinnerungen einzutragen, wenn nichts zum Schreiben greifbar ist.“ Für Damjan Stamcar von Sony ist die Smartwatch gerade auf Messen oder an besprechungsreichen Arbeitstagen ein ständiger Begleiter. Privat hingegen weniger. Und Kai Tutschke, dessen Leidenschaft u.a. das Fliegen ist, nutzt eine passende smarte Uhr für Piloten. „Mit Sportfunktionen und einer weltweiten Database für Flughäfen“, erklärt er. „Sie gefällt mir nicht nur optisch sehr gut, ich kann sie sowohl beim Sport als auch beim Geschäftsessen tragen.“ Durch einfach auszutauschende Wechselarmbänder könne solch eine Uhr jeder Gelegenheit und jedem Outfit angepasst werden – das mache sie letztlich zu einem treuen Begleiter.


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok