M-Commerce: Interview mit Philip Rooke, Spreadshirt

„Ohne Mobile kein Desktop-Business“

Die Zahlen mobil getätigter Bestellungen im E-Commerce liegen derzeit noch weit hinter denen mit stationären Geräten. Mobile Business fragte Philip Rooke, Geschäftsführer der E-Commerce-Plattform Spreadshirt, warum das so ist, wie er das Geschäft im Mobile-Bereich ankurbeln will und ob es zu einer Kannibalisierung kommen könnte.

  • „Viele mobile Aktivitäten sind Lücken- oder Zeitfüller beim Warten oder als Second-Screen-Nutzung neben dem Fernsehprogramm. Touch-Geräte werden eher zum Stöbern und Browsen genutzt. Für das gezielte Einkaufen benötigen wir noch die volle Konzentration am Desktop“, Philip Rooke, Geschäftsführer von Spreadshirt.

  • Eigene Kreationen: Über die Plattform von Spreadshirt können Kunden selbst kreativ werden und sich Kleidungsstücke und Accessoires nach den eigenen Vorstellungen entwerfen.

Herr Rooke, Sie kündigen Investitionen in Höhe von drei Millionen Euro an, unter anderem im Mobile-Bereich. Was genau planen Sie?
Philip Rooke:
Wir investieren drei Mio. Euro in zusätzliche Entwicklungsarbeit, in Produktmanagement und in User-Experience-Design. Dies betrifft die gesamte Plattform, nicht nur den Bereich Mobile. Sämtliche Schnittstellen werden künftig responsiv sein, sodass sie dynamisch auch für Tablets und Smartphones funktionieren. Außerdem werden wir Webseitenelemente einfacher gestalten, um die Plattform besser an mobile Downloadgeschwindigkeiten anzupassen.

Die stark steigenden Zugriffe über mobile Endgeräte werfen die Frage auf: Kommt es zu einer Kannibalisierung des Desktopgeschäftes oder findet hier eine echte Ausweitung statt?
Rooke:
Wesentlicher Faktor für unsere insgesamt steigende Reichweite ist die Tatsache, dass immer mehr Kunden digital einkaufen. Und der Anteil derer, die ihren Einkauf mobil beginnen, wächst ebenfalls. Um Kunden zu gewinnen, müssen wir unbedingt auf Mobile setzen, denn hier beginnt zukünftig die Reise des Kunden. Man kann auch sagen: ohne Mobile kein Desktop-Business.

Die mobil getätigten Bestellungen liegen bei Spreadshirt noch unter fünf Prozent. Ihre Prognose: Ab wann wird es zweistellig?
Rooke:
Es kommt darauf an, wie man „mobil getätigte Bestellungen“ definiert. Betrachten wir nur die Bestellungen, die tatsächlich allein über mobile Geräte eingehen, dann wird es wohl noch drei bis vier Jahre dauern. Zählt man aber auch die Bestellungen dazu, bei denen die Kunden ihren Einkauf über ein mobiles Endgerät beginnen und auf dem Desktop abschließen, dann sind wir bereits im zweistelligen Bereich.

Was ist Ihrer Meinung nach die Ursache für diesen Medienbruch?
Rooke:
Einerseits liegt es daran, dass die meisten mobilen Shoppingangebote immer noch nicht sonderlich einladend sind. Wenn die Kunden etwas finden, das ihnen gefällt, wechseln sie deshalb zum Desktop. Andererseits liegt es an der Nutzungssituation: Viele mobile Aktivitäten sind Lücken- oder Zeitfüller. Touch-Geräte werden eher zum Stöbern und Browsen genutzt. Für das gezielte Einkaufen benötigen wir noch die volle Konzentration am Desktop.

Vor dem Hintergrund der steigenden Wechselwirkungen von Tablet und TV: Welche Konsequenzen ergeben sich für Ihre Endkundenkommunikation? Wird das TV-Budget aufgestockt, um hier einen ersten Impuls zu setzen?
Rooke:
Mobile macht Fernsehen kommunikativer. In der Vergangenheit stand der Computer im Schlafzimmer, in der Küche oder im Arbeitszimmer. Heutzutage wird er parallel zum Fernsehen genutzt und bietet dem Nutzer die Gelegenheit zur sofortigen Interaktion, wenn man ihn nur motiviert. Die potentiellen Kunden brauchen klare und schnelle Informationen, um sofort zum mobilen Gerät zu greifen oder Anreize, sich zu erinnern und später vorbeizuschauen.

Die Entwicklung von mobilen Tools folgt anderen Gesetzmäßigkeiten: intuitiver, reduzierter, mit entsprechend großflächigen Icons. Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die konventionelle Website?
Rooke:
Infinites Scrolling wird das Aussehen künftiger Websites maßgeblich prägen. Dieser Web-design-Trend baut auf der „gelernten“ Gewohnheit der Nutzer – dem Scrollen – auf und hält sie fest, statt sie von einem Klick zum nächsten zu schicken. Reduzierter Content und die Einladung zum Scrollen sind Begleiterscheinungen des Mobile-Trends.

„Mobile first“ ist in aller Munde und vielfältig interpretierbar: Wäre es vorstellbar, dass Spreadshirt bei der Weiterentwicklung seiner Tools und Plattformen erst für Mobile entwickelt und auf der Basis die Desktop-Variante adaptiert?
Rooke:
Interessante Frage. Wir arbeiten gerade unter dem Motto „Tablet first“. Auf dieser Basis können wir überflüssige Funktionen für Mobile streichen und relevante Elemente für Desktop hinzufügen. Die Entwicklung für Tablets ist für uns ein essenzieller Lernprozess auf dem Weg zur bestmöglichen Touchscreen-Erfahrung und eröffnet uns neue Wege in der Kommunikation mit den Kunden.

 

  • Über Spreadshirt

Spreadshirt ist eine E-Commerce-Plattform, auf der die Kunden Kleidung und Accessoires ihren Vorstellungen entsprechend entwerfen können. Über 45.000 Onlineshops und über 35.000 Designer verkauften 2012 über die Plattform Kleidung und Accessoires – in 17 Märkten, neun Sprachen und sieben Währungen. Insgesamt verschickte das Unternehmen an Endkunden und im Namen der Shoppartner weltweit über drei Millionen Produkte.



©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok