Outdoor-Smartphones vs. Full Rugged Devices

Outdoor-Smartphones für die Baustelle

Smartphones auf Baustellen: Die Nachfrage nach robusten Smartphones, Outdoorsmartphones und Full Rugged Devices speziell für den Einsatz auf Baustellen steigt. Denn mit einer ordentlichen Portion Robustheit ausgestattet, können geeignete Modelle Arbeitsprozesse in der Baubranche beschleunigen.

  • Schauplatz Baustelle: Meterhohe Kräne, schwere Betonmischer und riesige Bagger treffen auf Schlamm, Staub und Sand. Auf den ersten Blick scheint dies kein geeigneter Einsatzort für mobile Endgeräte zu sein.

  • „Für den ernsthaften industriellen Einsatz ist eine Outdoor-Version eines Smartphones meist nicht geeignet“, so Thomas Uppenkamp, Casio Europe.

  • „Stürze und Vibrationen beim Einbau in Baumaschinen müssen robuste mobile Endgeräte aushalten", gibt Alexander Djemaa von Logic Instruments zu bedenken.

  • „Mit robusten mobilen Endgeräten können Mitarbeiter direkt auf der Baustelle Daten für die Einsatzplanung sowie die Maschinen- und Materialdisposition erfassen und bearbeiten“, erklärt Alexander Honigmann, Motorola Solutions Germany.

Kommunikation spielt gerade dort eine wichtige Rolle, wo viele Mitarbeiter gewerk- bzw. unternehmensübergreifend zusammenarbeiten. Schließlich müssen die Arbeiter bestimmte Arbeitsprozesse Hand in Hand abwickeln, damit das gemeinsame Projekt erfolgreich abgeschlossen werden kann. Als einen Ort, der dafür prädestiniert ist, kann man etwa die Großbaustelle nennen. Hier treffen verschiedene Branchen und unterschiedliche Berufsfelder zusammen, wenn gemeinsam ein groß dimensioniertes Bauprojekt realisiert wird. Dabei nutzen Bauunternehmer und deren Mitarbeiter zunehmend Smartphones.

So fand die Bauinfoconsult-Marktforschung bereits 2012 heraus, dass jeder dritte Bauarbeiter mittlerweile ein Smartphone besitzt und beruflich einsetzt. 60 Prozent der befragten Studienteilnehmer nutzen während ihrer Arbeit zudem Apps – ein Jahr zuvor taten dies nur 37 Prozent von ihnen. In Anbetracht der Tatsache, dass die generelle Anzahl der Smartphone-Nutzung in Deutschland in den letzten zwei Jahren kontinuierlich anstieg, dürften die Studienwerte heute weit übertroffen sein.

Doch Smartphone ist nicht gleich Smartphone – zwar stellen Smartphone-Riesen wie Samsung und Co. mittlerweile „robustere“ Versionen ihrer Produkte bereit, doch waren „besonders“ robuste Endgeräte (Full Rugged Devices) bislang die Platzhirsche auf dem Bau. Warum, zeigen folgende Einsatzszenarien.

Rugged-Geräte auf Baustellen

Schaut man sich die verschiedenen Arbeitsprozesse auf Baustellen an, so erkennt man, dass vor allem viele unterschiedliche Maschinen im Einsatz sind. Der Krahn hebt den Stahlträger, der Betonmischer lässt seine Trommel kreisen und der Bau-LKW bringt die nächste Fuhre Sand. Für Alexander Djemaa, Vice President der Logic Instrument GmbH, Hersteller von robusten mobilen Computern, sind vor allem Baumaschinen, Walzen, Gabelstaplern Tunnelbohrmaschinen oder Wägesysteme typische Orte für die Integration von Full Rugged Devices: „Hierbei kann der Standort des Fahrzeugs per GPS-Daten bestimmt werden – auch bei sehr widrigen Bedingungen.“ Entsprechend robuste Geräte können mit einer eigens entwickelten Docking-Station direkt an/in den Maschinen befestigt werden – gerade bei extremen Vibrationen und Stößen soll die Funktionsfähigkeit somit gewährleistet sein. Doch nicht nur innerhalb eines Baumaschinengefährts kommen die Full Rugged Devices zum Einsatz. Helmut Feurhuber, Geschäftsführer der Handheld Germany GmbH, nennt gleich eine ganz Reihe möglicher mobiler Anwendungen: „Robuste Geräte werden auf Baustellen vorwiegend zur Arbeitszeiterfassung, Außmaßerfassung und in Kombination mit Geoinformationssystemen (GIS) verwendet.“ Genaue Einsatzszenarien könne er nicht nennen, „da wir unsere Geräte über Partner in verschiedenen vertikalen Märkten vertreiben.“

Bau-Security per Touch-Computer unterwegs

Konkrete Praxisbeispiele nennt hingegen Alexander Honigmann, Technical Architect Manager bei der Motorola Solutions Germany GmbH: „Unsere Kunden aus der Baubranche statten beispielsweise ihre Bauleiter mit dem Touch-Computer TC55 aus. Damit haben sie ein robustes Kommunikationsmittel samt Organizer und Kamera für die Schadensdokumentation zur Verfügung.“ Das Gerät werde außerdem von Baustellensicherheitsdiensten eingesetzt, die mobil dokumentieren können, dass alle Sicherheitspunkte auch wirklich angegangen wurden. „Künftig wird diese Protokollierung durch die Nutzung der NFC-Technologie noch genauer, da sich die Security-Mitarbeiter mit ihrem mobilen Endgerät direkt an den Sicherheitspunkten identifizieren und anmelden können“, weiß Honigmann. Zudem eignen sich besonders robuste mobile Geräte für die Dateneingabe bei der Auslieferung und Erfassung von Leihartikeln (z.B. Betonmischer oder portable Sanitärsysteme), die auf Baustellen gebraucht werden. Darüber hinaus lassen sich Baumaterial oder Maschinen mit den Rugged-Handhelds des Herstellers protokollieren und nachbestellen.

Mobile Betonprüfung

Auch Casio-Handhelds findet man auf der einen oder anderen Großbaustelle, wo sie unter anderem für die mobile Betonprüfung und Qualitätsdokumentation eingesetzt werden. „Mit den baustellentauglichen Handhelds werden in den bundesweit verteilten Betonwerken eines großen deutschen Baustoffherstellers und auf Großbaustellen die qualitätsspezifischen Prüfwerte von frischem Transportbeton unter Verwendung der integrierten Digitalkamera und GPS-Positionsdatenbestimmung erfasst und per Mobilfunk online einer zentralen Datenbank zugeführt“, beschreibt Thomas Uppenkamp, Sales Manager des Geschäftsbereichs Mobile Industrial Solutions der Casio Europe GmbH, den Einsatzzweck der Full-Rugged-Endgeräte. Das Verfahren gewährleiste die zeitnahe Auswertung der Daten und biete Transparenz bei gleichzeitig reduziertem Verwaltungsaufwand. Wichtig war dem Betonhersteller bei der Auswahl der Handhelds die Baustellentauglichkeit, „denn wenn mit frischem Beton hantiert wird, erreichen immer ein paar Spritzer den Laboranten und somit auch das mobile Terminal“, so Uppenkamp.

Schutzstandards wie beim Militär

Doch nicht nur mit frischem Beton geraten mobile Endgeräte auf Baustellen in Kontakt – auch Staub, Sand und Wasser sind Stoffe, mit denen in der Baubranche tagtäglich gearbeitet wird. Geräte, die mit einer ausreichend „sicheren“ IP-Schutzklasse zertifiziert sind, stellen diese äußeren Gegebenheiten in der Regel vor keine Probleme. Gängige Schutzklassen sind etwa IP54, womit Geräte gegen Staubablagerungen im Inneren und gegen Sprühwasser geschützt sind, oder IP67 – dem Schutz gegen das Eindringen von Staub und vor eindringendem Wasser beim Eintauchen. Mit letzterer ist etwa ein Handheld von Casio zertifiziert, dass laut Anbieter eine halbe Stunde unter Wasser betrieben werden kann.

Zudem erwähnt Helmut Feurhuber, dass „wirklich robuste Handheld-Geräte“ neben der Angabe der IP-Schutzart auch noch mehrere MIL-STD-Prüfungen (amerikanischer Militär-Standard für Ausrüstungen) in Bezug auf extreme Temperaturen, Sturz, Stoßfestigkeit, Vibrationen, Höhenlage und Luftfeuchtigkeit bestanden haben. Normal besteht der erwähnte Standard aus 24 Laborprüfmethoden, die viele Umgebungen vom Betrieb in großen Höhen (Methode 500.4) bis hin zur Fähigkeit, einen Geschosseinschlag zu überleben (Methode 522), abdecken. „Kein mobiler Computer wurde mit allen 24 Methoden geprüft, da die meisten Methoden nicht für mobile Computer relevant sind. Aber generell lässt sich sagen: Je mehr Methoden geprüft (und bestanden) wurden, desto robuster ist das Gerät“, so Feurhuber. Die robustesten Geräte des Herstellers meisterten übrigens acht bis zehn MIL-STD-Prüfungen.

Auch extreme Temperaturschwankungen sind auf Baustellen etwa beim Hoch-/Tiefbau keine Seltenheit – entsprechende Geräte sollten Hitze sowie zweistellige Minuswerte vertragen können. Konkret nennen die führenden Anbieter von robusten mobilen Endgeräten den Temperaturbereich von ca. -25 °C bis 60 °C, in dem sich ihre Geräte durchaus wohlfühlen und tadellos funktionieren würden.

Outdoor-Smartphones als Alternative?

Obwohl bei der Produktion von FullRugged-Handhelds für den Baustelleneinsatz neben der allgegenwärtigen Robustheit mehr und mehr Wert auf Attribute wie Handlichkeit, Gewichtsreduzierung und Design gelegt wird, sehen diese Devices im Vergleich zu normalen Smartphones in den Augen vieler Nutzer eher klobig, schwerfällig und altbacken aus. Smartphone-Hersteller scheinen dies erkannt zu haben und besetzten fortan die Nische „Robustheit“, indem sie neue, sogenannte Outdoor-Smartphones auf den Markt werfen. Samsung z.B. bedient sich bei der Präsentation seines Galaxy S4 Active typischer Eigenschaften, die üblicherweise zum Sprachrepertoire von Full-Rugged-Device-Anbietern gehören – so soll das S4 Active bis zu einer Wassertiefe von einem Meter bis zu 30 Minuten funktionieren – Staub soll zudem kein Pro-blem darstellen. Auch Sony hebt bei seinem Xperia Z diese besonderen Stärken hervor – möglich macht es die IP55-/IP57-Klassifizierung des Smartphones. Vor allem gewichtstechnisch und in puncto Handlichkeit scheinen die genannten Consumer-Geräte mit 153 Gramm bzw. 146 Gramm im Vergleich zu Rugged-Varianten (x > 200 Gramm) oben auf zu sein.

„Nicht für den Industrie-Einsatz geeignet“

Konfrontiert man die Full-Rugged-Device-Anbieter mit diesen Fakten, stellen jene die Robustheit von Consumer-Geräten durchaus in Frage und kommen zu dem Konsens, dass die Outdoor-Version eines Smartphones eher nicht für den industriellen Einsatz auf Baustellen geeignet ist. „Consumer-Smartphones entsprechen häufig nicht den professionellen Unternehmensanforderungen an ein robustes, langlebiges Businessgerät, insbesondere was die Verfügbarkeit, das Zubehör oder den Service betrifft“, meint etwa Alexander Honigmann von Motorola Solutions. Zudem ließen sich Motorola-Devices wie der TC55 – im Gegensatz zu Consumer-Smartphones – mit Handschuhen und bei feuchtem Display bedienen. Vergleicht man diese Aussage mit dem zugegebenermaßen marketingsprachlich-angehauchten Versprechen von Samsung, dass der Touchscreen des S4 Active sehr wohl mit Handschuhen bedient werden könne, ist die Wahrheit wohl nur mit einem Praxistest herauszufinden.

Axel Reintges, Country Manager DACH bei der Bullit Group, globaler Lizenznehmer von Cat Phones, hebt vor allem die Sturzresistenz als entscheidendes Merkmal eines baustellentauglichen Outdoor-Smartphones hervor: „Unsere Smartphones werden durch silber-eloxiertes Aluminium und stoßabsorbierendes Gummi geschützt, sodass selbst Stürze aus bis zu 1,80 m Höhe kein Problem darstellen.“ Sturzresistente Fakten sucht man bei den Consumer-Pendants dagegen vergebens. Ferner merken Full-Rugged-Device-Hersteller an, dass die entsprechenden Consumer-Outdoor-Smartphones nicht über genug Akkulaufzeit verfügen würden und generell keine Akkus während des laufenden Betriebs gewechselt werden könnten. Auch ein baubranchenspezifisches Zubehörportfolio würde man bei Samsung, Sony und Co. vergeblich suchen. Alexander Djemaa, VP bei Logic Instrument, weist zudem darauf hin, dass Consumer-Geräte die Ablesbarkeit des Displays bei Sonnenschein nicht meistern könnten. In diesem Zusammenhang nennt er einen interessanten Wert: „Wir hatten Kunden, die dachten, dass Consumer-Geräte für den Einsatz in rauen Umgebungen ausreichen würden – letztlich wurden sie mit Ausfallraten um die 20 Prozent p.a. bestraft.“ Um welche Consumer-Geräte es sich handelte, sagt er in diesem Zusammenhang nicht.

In Zukunft noch robuster?

Fragt man nach zu erwartenden Innovationen im mobilen Full-Rugged-Gerätesegment, so scheint der Trend eher nicht in die Richtung „noch robuster“ zu gehen, denn entsprechende Geräte der befragten Anbieter sind allein schon durch ihre Zertifizierung in Sachen Robustheit das Non plus ultra. Alexander Djemaa erklärt zwar, dass es „sicherlich Bereiche gibt, wo die Geräte nicht robust genug sein können“, jedoch gebe es in vielen Einsatzbereichen Budgeteinschnitte. „Der Trend geht daher mehr in die Richtung ‚gerade robust genug‘ und weg von ‚so robust wie möglich‘ – immer mit dem Return On Invest im Auge.“

Technisch legen die verschiedenen Anbieter bei der Produktion von neuen Full-Rugged-Modellen ähnliche Entwicklungsschwerpunkte wie Hersteller im Consumer-Bereich: HD-Displays, Mehrkern-prozessoren und leistungsfähigere Akkus sind nur drei Beispiele, die man zukünftig in neuen Produkten wiederfinden soll. Zudem spielen LTE-Module eine zentrale Rolle, wie Axel Reintges von der Bullit Group schildert: „Speziell LTE sehen wir als kommenden Netzstandard, da der LTE-Netzausbau stark vorangetrieben wird.“ Auch seien erweiterte Funktionen wie Gestensteuerungen, Biometrie-funktionen sowie Sprachunterstützung zukünftige Features, die auch im Rugged-Phone-Segment eine wichtige Rolle spielen werden.

Besser auf Robustheit setzen

Prinzipiell lassen sich mobile Prozesse wie Schadensdokumentation per Kamera, Arbeitszeiterfassung oder Einsatzplanung auch mit einem Outdoor-Smartphone durchführen. Müssen jedoch Schäden in einer entsprechenden Höhe dokumentiert und baubranchenspezifische Aufgaben wie die bereits erwähnte Betonprüfung durchgeführt werden, wären robustere Endgeräte die bessere Wahl. Denn was passiert wirklich, wenn das Consumer-Outdoor-Smartphone Betonspritzer abbekommt, es displayseitig aus 1,5 m Höher auf Kies bzw. Beton fällt oder es extremen Temperaturspitzen ausgesetzt ist? Die weitere Nutzung dürfte zu- mindestens eingeschränkt sein. Gerade hier können Full-Rugged-Geräte ihre Stärken ausspielen – durch entsprechende Sturzresistenz und Temperaturbeständigkeit dürften Geräte auf nahezu jeder Baustelle ihren Dienst zuverlässig erfüllen – dem Bauprojekt steht somit nichts im Wege.

 

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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