Christian Berndt, Würth

Perfekt, wenn man nichts mehr weglassen kann

MOBILE BUSINESS sprach mit Christian Berndt über die Entwicklung einer mobilen App für die Kunden der Adolf Würth GmbH & Co. KG. Für ihn ist eine App dann perfekt, wenn man nichts mehr weglassen kann.

Christian Berndt, Würth

Christian Berndt, Leiter IP bei Würth: „Wir suchten keine reine Kodierschmiede, sondern jemanden, der uns begleitet und uns zeigt, wie man etwas gleich richtig macht.“

Herr Berndt, von wem bzw. welchem Unternehmensbereich wurde das Thema App-Entwicklung bei Würth angestoßen?
Christian Berndt:
Die Idee für die Würth-App kam aus dem Umfeld der Geschäftsleitung. Üblicherweise werden solche Themen durch die IT angestoßen. Bei Würth haben wir hierzu eine eigene Gruppe gegründet, die der IT-Organisation angegliedert ist. Diese E-Services-Gruppe verantwortet alle E-Business-Aktivitäten, das Online-Marketing, die Betreuung des Intranets und den Online-Auftritt des Unternehmens.

Apps für das Smartphone sind ein vergleichsweise junges Thema, die Erfahrungswerte gering – von einem zu berechnenden ROI ganz zu schweigen. Wie überzeugt man den/die jeweiligen Budgetverwalter, in ein unbekanntes Feld zu investieren?
Berndt:
Die erste Version war ein Filialfinder, der hausintern von einem Studenten der Online-Medien entwickelt wurde. Somit hielten sich die Kosten im Rahmen. Da Geschäftsleitung und Vertrieb die App positiv annahmen, war die Weiterentwicklung in eine Bestelllösung schnell beschlossene Sache.

Bei Würth haben wir die Freiheit, Sachen auszuprobieren und voranzutreiben. Uns war schon im Jahr 2008/2009 klar, dass die Smartphones auf dem Vormarsch sind. Damals wäre der Schritt jedoch zu früh gewesen. Mittlerweile hat sich der Markt konsolidiert, die Zielplattformen sind klar, die Entwicklungskosten überschaubar.

Was waren die konkreten Zielvorgaben, die zu Projektbeginn definiert wurden?
Berndt:
Umsetzen. Anfangen statt lange zu diskutieren. Mit einer kleinen soliden Anwendung zu beginnen, die konkret einen Kundennutzen bringt, das war die richtige Entscheidung.

Welchen Kundennutzen soll die App denn bringen?
Berndt:
Die App wurde speziell für mobile Kunden konzipiert. Wenn einem unterwegs die Ware ausgeht, kann der Kunde sich mit dem Niederlassungsfinder bequem zu einer unserer 341 Niederlassungen leiten lassen. Oder er scannt die leere Kartonage ab und bestellt gleich mobil. Die Lieferadresse kann er situativ festlegen. Wir versorgen den Kunden mit aktuellen Angebotsinformationen der Niederlassungen, so dass der Weg dorthin sich gleich doppelt lohnt. Unser Ziel ist es, den Kunden bei der Arbeit zu entlasten.

Wie sind Sie bei der Konzeption der App vorgegangen? Wie lange dauerte der Design-Prozess?
Berndt:
Die Ideen bei uns im Hause waren schon sehr konkret. Wir wussten genau, was wir wollten. Die Erfolgskriterien bei der App-Entwicklung liegen sicherlich im Interaktionsdesign und dem Artwork. Wichtig ist, dass man die GUI-Eigenschaften der jeweiligen Zielplattform ausnutzt und das Rad nicht neu erfindet.

Die Anwendung soll eine erwartungskonforme Bedienung aufweisen. Da wir über eine flexible Online-Shop-Lösung verfügen, war sehr schnell klar, dass wir diese Plattform als Middleware benutzen würden. Somit konnten wir an bestehende Schnittstellen und Funktionen andocken.

Wie vermeidet man, die Software mit Funktionalität zu überfrachten und wie stellt man eine intuitive Bedienbarkeit sicher?
Berndt:
Die Anwendung ist dann perfekt, wenn man nichts mehr weglassen kann. Wir wollen auf keinen Fall unseren Online Shop nachbauen. Die Funktionalität ist auf das Ziel ausgerichtet, eine bequeme und schnelle Bestellung zu gewährleisten.

Eine gute App sollte weitestgehend ohne zusätzliche Betriebsanleitung auskommen. Es gibt nur ein Internet, die unterschiedlichen Geräte bieten individuelle Möglichkeiten der Nutzung. Es ist wichtig, die speziellen Eigenschaften der Geräte im jeweiligen Anwendungsszenario einzusetzen. Wenn man dies beherzigt, kann eine App erst gar nicht zu einer mobilen Desktop-Anwendung mutieren.

Welche Rolle übernahm der Mobility-Dienstleister in dem Erstellungs- und Umsetzungsprozess? Wie haben Sie Ihre Ideen eingebracht?
Berndt:
Wie erwähnt hatten wir konkrete Ideen. Die Aufgabe des Dienstleister besteht auch darin, Funktionen kritisch zu hinterfragen und seine Erfahrung einzubringen. Wir suchten keine reine Kodierschmiede, sondern jemanden, der uns begleitet und uns zeigt, wie man etwas gleich richtig macht. Besonderen Spaß macht das Projekt, wenn man merkt, dass das Gegenüber eine Ahnung vom Thema hat und die gleiche Sprache spricht.

Anknüpfend an die Frage oben: Wie findet man in diesem jungen Marktumfeld den richtigen Entwicklungspartner?
Berndt:
Grundsätzlich gibt es keine allgemeine Vorgehensweise. Natürlich schauen wir bei Würth zuerst, ob es ein Unternehmen in der Region gibt, das uns bei unseren Vorhaben unterstützen könnte. Manchmal wundert es einen, welche Schätze man im näheren Umland findet. Im Fall unseres Dienstleiters SIC! war es jedoch so, dass Anfrage und Angebot zufällig aufeinandertrafen. Wir wollten etwas machen, der Anbieter rief zum richtigen Zeitpunkt an. Das Bauchgefühl passte und wir kamen schnell ins Geschäft.

Über welche Kanäle wurde die App beworben?
Berndt:
Wir versenden monatlich E-Mail-Newsletter an unsere Kunden. Das ist natürlich ein toller Multiplikator für solche Neuigkeiten. Parallel verteilten wir Infos über unsere Presseabteilung und unseren Fachpresseverteiler. Auf unserer Homepage zu werben, versteht sich von selbst.

Inwieweit konnten Sie mit der die App die gesteckten Ziele erreichen?
Berndt:
Unsere Ziele wurden teilweise übertroffen. Wir sehen das als Ansporn, das Bestehende weiter zu verbessen.

In welchem Rahmen werden Sie das Thema mobile Apps ausweiten?
Berndt:
Zuerst werden wir die App zentral weiterentwickeln, um es unseren Landesgesellschaften zur Verfügung stellen zu können. Die  Internationalisierung ist uns in diesem Projekt sehr wichtig. Die Entwicklung färbt zwangsläufig auf andere Unternehmensbereiche ab und setzt auch bei den Vertriebsanwendungen neue Impulse. Neue Funktionen müssen Sinn ergeben.

Was raten Sie anderen Unternehmen, die ebenfalls vor einer Entscheidung in Sachen mobile Apps stehen? Was sollte man in jedem Fall beachten, welche Fehler sollte man von vorneherein vermeiden?
Berndt:
Klein anfangen und Erfahrungen sammeln. Einen Dienstleister suchen, der sein Handwerk versteht. Negative Bewertungen wird es geben, damit muss man klar kommen. Schnell und pragmatisch voranschreiten um sich einen Vorsprung vor dem Wettbewerb zu sichern. 80 Prozent sind auch gut für den Start.

Adolf Würth GmbH & Co. KG

Branche: Befestigungs- und Montagetechnik
Gründungsjahr: 1945
Hauptsitz: Künzelsau
Zahl der Mitarbeiter deutschlandweit: über 5.500 Mitarbeiter
Zahl der Mitarbeiter weltweit: mehr als 65.000 Mitarbeiter, davon sind über 30.000 fest angestellte Verkäufer im Außendienst
Umsatz 2011: 4,78 Mrd. Euro.
Filialen: 410 Gesellschaften in über 80 Ländern
Internetseite: www.wuerth.com

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