Mobile Geräte in China auf den Weg gebracht

Produktionsbedingungen bei Lenovo

Im Interview gibt Magnus Piotrowski, Environmental Affairs Manager EMEA bei Lenovo, Einblicke in die Arbeitsbedingungen in den eigenen Produktionstätten, das Auditing von Zulieferern sowie den Umgang mit Konfliktmaterialien.

Magnus Piotrowski, Lenovo

Magnus Piotrowski, Environmental Affairs Manager EMEA bei Lenovo

Herr Piotrowski, wie gestalten sich die Arbeitsbedingungen in Ihren Produktionsstätten z.B. hinsichtlich Arbeitszeit, Entlohnung sowie Arbeitsschutz?
Magnus Piotrowski:
Unsere Produktionsstätten unterliegen den globalen Lenovo-Vorgaben zu Arbeitszeit, Entlohnung und Arbeitsschutz. Diese entsprechen den lokalen gesetzlichen Rahmenbedingungen, örtlichen Marktanforderungen sowie den Anforderungen des Electronic Industry Citizenship Coalition (EICC) Code of Conduct. Weiterhin müssen die Arbeitsbedingungen unserem Occupational-Safety-and-Health-Management-System und somit der Zertifizierung nach OHSAS 18001 entsprechen. Weiterführende Information finden sich ebenfalls in unserem Sustainability Report (Section 4.1 „Lenovo Employees“/S. 35 ff.)

In welchen Städten befinden sich Ihre drei größten Produktionsstätten und welche mobilen Geräte produzieren Sie dort genau?
Piotrowski:
Neben unserer Fertigungsbasis im nordamerikanischen Whitsett, N.C. (Whitsett Manufacturing Base), in der hauptsächlich Thinkpad-Notebooks, Desktop-PCs und Server hergestellt werden, existieren weltweit für die Think Business Group noch weitere 17 Fertigungsstätten und 41 Produktionsstandorte. Darüber hinaus kümmert sich das Software R&D in São Paulo, Brasilien um die Software-Entwicklung für die Enterprise Product Group (EPG).

Mobile Geräte fertigen wir an den drei Standorten Wuhan, Chengdu und Heifei. In der Wuhan Industrial Base ist unsere modernste Forschungs-, Entwicklungs-, Vertriebs- und Produktionsstätte untergebracht. Hier werden Smartphones, Tablets und andere mobile Geräte auf den Weg gebracht. In Chengu Plant können, in Kooperation mit beteiligten Partnern und Zulieferern, ca. zehn Millionen Einheiten im Jahr produziert werden. Das Compal Future Center Heifei Plant ist eine Joint-Venture-Einrichtung mit Compal Electronics. Hier werden vornehmlich Commercial- und Consumer-Notebooks, Convertibles wie unser Yoga und All-in-One-Desktop-PCs hergestellt.

Mit wie vielen Auftragsfertigern und/oder Zulieferern aus welchen Ländern arbeiten Sie zusammen?
Piotrowski:
Wir arbeiten mit einer Vielzahl, d.h. mehreren hundert Zulieferern zusammen. Bei der letzten Befragung zu Konfliktmineralien haben wir über 100 der wichtigsten Zulieferer mit einbezogen. Die Mehrzahl unserer Zulieferer kommt aus dem asiatischen Raum mit Schwerpunkt auf China (ca. 80 Prozent).

Auf welche Weise verschaffen Sie sich Transparenz über die bei Ihren Auftragsfertigern und/oder Zulieferern herrschenden Arbeitsbedingungen hinsichtlich Arbeitszeit, Lohn und Arbeitsschutz?
Piotrowski:
Hierzu gibt es verschieden Herangehensweisen. Zum einen fordern wir unsere Zulieferer beispielsweise über vertragliche Vereinbarung auf, die Bedingungen nach EICC einzuhalten und umzusetzen. Weiterhin ersuchen wir die Zulieferer, sich von unabhängigen Auditoren nach EICC-Vorgaben überprüfen zu lassen. Daneben führen Zulieferer eine Selbstevaluation durch, die unter anderem über die EICC-ON-Anwendung erfasst wird. Wir führen zudem Planungs- und Review-Gespräche mit den Zulieferern, in denen der Zulieferer entsprechende Unterlagen, Nachweise und Auditbericht vorzulegen hat. Wir bewerten die Zulieferer anhand dieser Informationen und stellen gegebenenfalls zusammen mit dem Zulieferer Verbesserungspläne auf. Diese Gespräche werden mindestens alle 24 Monate durchgeführt.

Stichwort: Umweltbewusster Umgang mit Ressourcen – inwieweit besitzen Sie die Transparenz über die Herkunft sämtlicher in Ihren Produkten verbauten Rohstoffe?
Piotrowski:
Um Transparenz über die Herkunft der von uns genutzten Ressourcen zu schaffen bzw. einen verantwortlichen Umgang mit Umwelt und Gesellschaft bei der Gewinnung von Ressourcen zukünftig zu gewährleisten, beteiligen wir uns unter anderem an der EICC-Conflict-Free-Sourcing-Initiative. Wir verlangen dabei von unseren Zulieferern, sich ebenfalls an entsprechenden Initiativen zu beteiligen und unsere Vorgaben zu Konfliktmineralien, aber auch unsere Umweltanforderungen zu beachten und umzusetzen. Derzeit liegt der Fokus auf den zentralen Konfliktmineralien und Risikostoffen.

Wie sorgen Sie dafür, dass der Abbau dieser Rohstoffe sowohl sozial verträglich als auch ökologisch korrekt abläuft?
Piotrowski:
Wir beteiligen uns u.a. wie erwähnt an der EICC-Conflict-Free-Sourcing-Intiative. Obwohl nicht verpflichtet, veröffentlichen wir dazu einen nach OECD-Richtlinien entsprechenden Due-Diligence-Report sowie unsere Produkt-Umweltanforderungen.

Darüber hinaus stellen wir eigene Grundsätze auf und erwarten von unseren Zulieferern, diese entsprechend umzusetzen. Hierzu gehört zum Beispiel die Policy zum Abbau von Zinn in Indonesien.

Welche Kontrollen werden in diesem Zusammenhang durchgeführt?
Piotrowski:
Zum einen unterstützen wir das Audit-Prozedere des EICC Conflict-Free Smelter Program (CFSP). Hierbei werden entsprechend der Anforderungen der EICC-Conflict-Free-Sourcing-Initiative Schmelzereien auditiert und zertifiziert. Weiterhin überprüfen wir ihm Rahmen des regelmäßigen Zulieferer-Reviews die Einhaltung unserer Vorgaben beim Zulieferer direkt. Darüber hinaus werden zum einen durch Kooperationen mit Umweltzertifizierungen (Greenguard, GS, TCO, FSC, etc.) und zum anderen durch Stichprobenprüfungen die Einhaltung von Umwelt- und Sozialgesetzen überprüft.

Ein Blick auf Forschung & Entwicklung: Welche Anstrengungen unternehmen Sie hier speziell für die Umweltverträglichkeit ihrer mobilen Endgeräte?
Piotrowski:
Wir arbeiten hier eng mit Umwelt-Label und Zertifizierungsstellen wie TCO, Greenguard, TÜV Rheinland, UL, etc. zusammen, um die neusten Umweltanforderungen in unseren Produkten umzusetzen. Daneben beteiligen wir uns in Industrieverbänden (z.B. iNEMI), Forschungsprojekten (z.B. Paia – Carbon Footprint) und in eigener Entwicklung (z.B. durch Nutzung von recyceltem Post-Consumer-Materialien) an der Weiterentwicklung der Umweltverträglichkeit unserer Produkte. Details finden sich auch in unserem Nachhaltigkeitsreport.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok