Suchmaschinenoptimierung

Schlechte Noten für deutsche Unternehmen

Texte ohne Aussagekraft, Seiten ohne Titel, kein Responsive Design – deutsche Firmen sind zwar im Web, aber nicht bei Google.

Auch wenn Digital Natives darüber lächeln: Eine eigene Website ist der erste Schritt zur Digitalisierung, den gut ein Drittel aller Unternehmen noch vor sich haben. Doch das heißt nicht, dass die 66 Prozent der Firmen im Web schon in der digitalen Gegenwart angekommen sind. Eine Vielzahl der Website-Besitzer nutzt die Möglichkeiten nur sehr unzureichend.

Ein Beispiel: Jede Website kann über eine recht unkompliziert zu nutzende Steuerdatei (robots.txt) genau festlegen, welche Bereiche von Suchmaschinen indiziert werden sollen und welche nicht. Damit kann beispielsweise die Auffindbarkeit von Informationsseiten zu Produkten und Services verbessert werden, Nebensächliches muss gar nicht erst im Suchindex von Google und Co. auftauchen. Preisfrage: Wie viele Unternehmen verweigern sich diesem doch recht basalen Verfahren? Die erschreckende Antwort lautet: 42 Prozent.

Ähnlich sieht es bei „Responsive Design“ aus, also einer für den Zugriff mit Mobilgeräten optimierten Website. Sie werden seit dem Frühjahr 2015 von Google bei einer Suche bevorzugt ausgegeben, das Thema ist also nicht besonders neu. Bereits seit langem verweisen Internetagenturen auf die Bedeutung der mobilen Optimierung hin. Das Ergebnis der Mühen: Lediglich 27 % der Unternehmen treten responsiv im Web auf.

Die beiden für deutsche Unternehmen wenig schmeichelhaften Zahlen entstammen einer Studie der Internetagentur Mindshape, die dafür mehr als 3500 Firmenwebsites aus 15 Branchen untersucht hat. Sie trifft Aussagen zum Stand des Online-Marketings und der Suchmaschinenoptimierung (SEO) bei Deutschlands Unternehmen. Kurz gesagt: Es gibt noch sehr, sehr viel Luft nach oben.

Wirtschaft verschenkt Umsatzpotenzial

Die Agentur hat für den einfachen Vergleich einen Index entwickelt, der den Optimierungsgrad einer Website beschreibt. Er wird mIndex genannt und nimmt Werte zwischen Null (keinerlei Optimierung) und Eins (Erfüllung aller Faktoren) an. Da dies die zweite Studie dieser Art ist, lässt sich sogar eine gewisse Entwicklung feststellen: Der durchschnittliche mIndex für alle untersuchten Unternehmen ist im Vergleich zu 2015 leicht gestiegen, von 0,37 auf 0,39.

Das lässt sich auch kürzer ausdrücken: Glatt durchgefallen. „Die deutsche Wirtschaft verschenkt immer noch großes Umsatzpotenzial mit ihren Websites,“ sagt Sebastian Erlhofer, Geschäftsführer der Mindshape GmbH. Vor allem deutsche Mittelständler hinken den aktuellen Entwicklungen im Online-Marketing weiterhin deutlich hinterher.

Eine kleine Liste der häufigsten Sünden zeigt, wo die Probleme liegen:

  • Die Texte sind häufig zu kurz und enthalten kaum Begriffe rund um das Thema der Seite. Dadurch kann Google die Seite nicht als relevant für dieses Thema einstufen.
  • Basisanforderung einer guten Webseite ist ein aussagekräftiger Titel. Doch 19 Prozent der untersuchten Seiten hatten keine Titel und 11 Prozent benutzen einheitliche Titel auf allen Unterseiten.
  • Auch die Meta-Tags werden nur sehr zaghaft genutzt, lediglich ein Drittel der Websites bietet kurze Beschreibung für Google auf jeder Seite an.
  • Bilder besitzen in mehr als drei Viertel aller Fälle keine Beschriftungen mit dem ALT- Attribut. Hier kann Google ein Foto oder eine Grafik in seiner Bildersuche nicht richtig indizieren.

Solche Fehler bei der Gestaltung einer Website zeigen deutlich, dass zu viele Unternehmen das Internet immer noch nicht ernst nehmen. Bei Druckpublikationen oder der Architektur des Firmengebäudes würde kein Unternehmen auf die Idee kommen, grundlegende handwerkliche Regeln zu vernachlässigen. Doch das scheint bei Websites nicht weiter zu stören. Die schlichte Erkenntnis, dass eine Website ein Schaufenster für die Professionalität des Unternehmens ist, ist wohl noch unbekannt.

Bildquelle: Thinkstock

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