App-Entwicklung in der Schule

Schüler lernen Apps zu programmieren

Programmieren macht Spaß, ist kreativ und bedeutet Teamarbeit – da sind sich die Hamburger Dr. Diana Knodel und Philipp Knodel sicher. Dank ihrer Initiative App Camps lernen Schüler, wie man Apps programmiert.

  • Dr. Diana Knodel hat als Gründerin von App Camps seit 2013 über 500 Menschen für App-Entwicklung und -Programmierung begeistert. 2014 wurde sie von Edition F und D64 unter die Top-25-Frauen für die digitale Zukunft gewählt. Philipp Knodel hat in Hamburg die Open Tech School gestartet und organisiert als Education Manager im Betahaus Hamburg Workshops rund um Tech, Digitales und Start-ups.

  • „Schüler wollen Programmieren lernen! Sie haben Lust und wollen wissen, wie Apps oder Webseiten entstehen. Es macht Spaß und sie lernen wichtige Fähigkeiten für die Zukunft“, weiß Philipp Knodel zu berichten.

Herr Knodel, worum genau geht es bei App Camps?
Philipp Knodel:
Mit App Camps wollen wir Jugendliche fürs Programmieren begeistern. Deshalb bringen wir Programmierworkshops in die Klassenzimmer. Dazu haben wir Unterrichtsmaterial entwickelt, mit dem Schulen selbstständig Workshops durchführen können. Im ersten Kurs geht es um App-Entwicklung – Schüler lernen Apps für Smartphones und Tablets zu programmieren. Wir arbeiten bereits an weiteren Kursen, z.B. Websites entwickeln mit HTML und CSS oder Spiele mit Javascript.

Wie läuft ein Workshop konkret ab?
P. Knodel:
Lehrkräfte, die mit ihren Schülern im Unterricht programmieren wollen, melden sich bei uns. Sie bekommen dann über unsere Onlinelernplattform Zugriff auf Videos und andere Unterlagen. In den Videos wird z.B. erklärt, wie man Apps für Tablets und Smartphones programmiert. Dazu gehören Lernkarten, mit denen die Schüler selbstständig die Schritte erarbeiten können. Außerdem gibt es auf der Website Videos, in denen Software-Entwicklerinnen und -Entwickler Konzepte der Informatik erklären. Die Schüler lernen in unseren Workshops nicht nur zu programmieren, sie lernen auch spannende Berufsbilder kennen.

Das Besondere dabei ist, dass Lehrkräfte selbst gar keinen Informatik-Hintergrund brauchen. Mit den Videos und anderen Materialien können die Schüler selbstständig arbeiten, die Lehrkräfte selbst müssen keine Experten sein. Wir unterstützen die Lehrkräfte und helfen ihnen weiter, wenn sie Fragen haben.

Wie viele Projekte haben Sie bisher durchgeführt?
P. Knodel:
Bisher haben wir in verschiedenen Projekten mit mehr als 500 Jugendlichen Apps entwickelt und knapp 100 ­Lehrer geschult. Bis Anfang 2015 haben wir App Camps neben unseren normalen Jobs gemacht. Seit kurzem arbeiten wir voll für App Camps und können so hoffentlich noch viel mehr Schüler erreichen.

Können Sie beispielhaft einige Ergebnisse nennen? Was waren interessante App-Ideen der Jugendlichen?
P. Knodel:
Die Jugendlichen fangen immer mit ganz einfachen Apps an und lernen die Grundlagen – z.B. mit einer Katze, die beim Klick auf den Button miaut, oder einem kleinen Spiel. Diese Apps passen die Jugendlichen dann an und programmieren so Schritt für Schritt ihre individuelle App. Im letzten Kurs hat eine Schülerin z.B. die Katzen-App so geändert, dass der Sound nicht mehr beim Klick auf den Button gespielt wird, sondern wenn man das Tablet schüttelt.

Sobald die Jugendlichen die Grundlagen verstanden haben, können sie ihre eigenen Ideen umsetzen. Dabei sind spannende Apps entstanden.

  • Anti-Langeweile-App: Man muss Alter, Geschlecht und Fitnesslevel angeben und bekommt Eventvorschläge.
  • Flaschendreh-App: Mit dieser App können Jugendliche Flaschendrehen spielen, auch wenn gerade keine Flasche zur Hand ist.
  • Vokabel-App: Anstatt Vokabeln aufzuschreiben, kann man mit dieser App Vokabeln lernen.
  • Don’t worry – be happy: Wenn man schlechte Laune hat oder traurig ist, kann man die App öffnen und bekommt schöne Bilder oder lustige Sprüche angezeigt.

Das ist nur eine kleine Auswahl. Jugendliche sind total kreativ und haben tolle Ideen – wir sind immer wieder überrascht, auf was für Dinge sie kommen.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher an Schulen gesammelt?
P. Knodel:
Wir haben verschiedene Dinge gelernt. Das wichtigste: Schüler wollen Programmieren lernen! Sie haben Lust und wollen wissen, wie Apps oder Webseiten entstehen. Es werden später sicherlich nicht alle in diesem Bereich arbeiten, aber es macht ihnen viel Spaß und sie lernen wichtige Fähigkeiten für die Zukunft.

Zweitens: Lehrkräfte wollen ihren Schülern solche Inhalte vermitteln! Ohne Werbung zu machen, bekommen wir schon jetzt sehr viele Anfragen aus verschiedenen Bundesländern, aus Österreich, der Schweiz und Italien. Es gibt bislang wenige bis keine Anbieter, die Unterrichtsmaterialien zum Thema Coding so aufbereiten, dass Lehrkräfte selbstständig Workshops anbieten können – ohne selbst Experten zu sein.

Drittens: Es gibt zwar einige Angebote im Bereich Programmieren für Jugendliche, die meisten sind aber außerschulisch. Mit außerschulischen Angeboten erreicht man allerdings nur eine bestimmte Gruppe an Schülern. Wir wollen jedoch auch diejenigen ansprechen, die nicht zu solchen Angeboten oder Feriencamps kommen oder die gar nicht erst davon erfahren. Gerade für sozial benachteiligte Jugendliche ist Programmieren eine tolle Möglichkeit, Berufspersp­ektiven zu verbessern.

Wie können Interessierte das Projekt fördern?
P. Knodel:
Für das Schuljahr 2015/2016 suchen wir gerade Firmen, die Patenschaften für Schulen übernehmen. Die Idee ist, dass wir als gemeinnützige Organisation Gelder sammeln und damit den Schulen die Kurse finanzieren, die keine Ressourcen dafür haben. Die Schulen können für ein ganzes Schuljahr unsere Unterlagen nutzen und außerdem am Rahmenprogramm teilnehmen. So bekommen Schüler z.B. die Möglichkeit „richtige“ Software-Entwicklerinnen und -Entwickler kennenzulernen oder IT-Firmen zu besuchen. Wir haben für Hamburg bereits erste IT-Firmen als Partner an Bord, freuen uns aber natürlich über weitere Unterstützer. In anderen Städten werden wir ein ähnliches Programm starten.

>>>Mehr über Start-ups und die mobile Szene in Hamburg in unserem Überblicks-Artikel<<<

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