10 Jahre Kickstarter

Schwarmfinanzierung im Netz

Seit nunmehr zehn Jahren realisieren kreative Macher aus der ganzen Welt ihre Projekte über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter. Das Geschäftsmodell des New Yorker Start-ups hat nicht nur Kunst- und Kulturschaffenden neue Finanzierungsmöglichkeiten eröffnet, sondern auch einen nachhaltigen Eindruck im Technologie-Sektor hinterlassen.

Papiermännchen die um einen Haufen aus Geldscheinen angeordnet sind

Crowdfunding ist ein populäres Mittel für die Finanzierung von risikoreichen Projekten.

Als Perry Chen, Yancey Strickler und Charles Adler am 28. April 2009 mit Kickstarter online gingen, war die Netzwelt noch eine andere. Das iPhone befand sich gerade mal in seiner zweiten Generation, bis zur Veröffentlichung von Instagram sollte noch mehr als ein Jahr vergehen und der Kurs des frisch gestarteten Bitcoin konnte nicht einmal richtig beziffert werden. Gemein hat der Crowdfunding-Dienst mit diesen Meilensteinen vor allem, dass ein ganz spezieller Aspekt der Netzkultur auf den Kopf gestellt wurde. Kickstarter ließ fortan die Zielgruppe entscheiden, ob für ein Angebot der entsprechende Markt vorhanden ist – oder eben nicht.

Das Prinzip war und ist denkbar einfach: Wer glaubt, die zündende Idee für ein Produkt zu haben, kann diese auf einer eigenen Unterseite des Portals vorstellen. Interessenten können das Ganze dann ihrerseits mit einem finanziellen Beitrag unterstützen. Kommt die festgelegte Mindestsumme für die Realisierung des Projekts im angegebenen Zeitraum zusammen, kann der Anbieter mit dem erhaltenen Vorschuss loslegen und in die Produktion gehen. Unterstützer erhalten dabei in der Regel bevorzugte Konditionen, wie eine frühere Auslieferung oder exklusive Merchandise-Artikel. Die Betreiber der Plattform erhalten eine Provision.

Laut Kickstarter wurden in den vergangenen zehn Jahren über 160.000 Projekte mit mehr als 16 Millionen Unterstützern erfolgreich umgesetzt. Das Spektrum reicht dabei erwartungsgemäß von der absurden Spinnerei bis hin zum genialen Geniestreich. Legendär etwa der Kartoffelsalat, für den ein Scherzkeks von humorvollen Unterstützern statt der geforderten 10 US-Dollar plötzlich über 55.000 Dollar bekam.

Heimathafen für Nerds und Technikpioniere

Neben vielen abseitigen und belustigenden Kampagnen hat Kickstarter aber auch dabei geholfen, wichtige Schlüsseltechnologien voranzutreiben. So begann etwa die Geschichte der vielleicht einflussreichsten Virtual-Reality-Brille auf der Plattform, als zahlreiche Unterstützer mit insgesamt 2.437.429 US-Dollar die Verwirklichung einer ersten Serienproduktion der Oculus Rift ermöglichten. Das Modell gilt heute als Wegbereiter für die Technologie. Oculus wurde nur zwei Jahre nach der legendären Crowdfunding-Kampagne von Facebook aufgekauft.

Mit Pebble wurde im Jahr 2012 die erste kommerziell erfolgreiche Smartwatch über Kickstarter finanziert. Im Zuge der äußerst populären Kampagne konnten nahezu 70.000 Unterstützer eine Summe von mehr als 10 Millionen US-Dollar für die Uhr mit dem E-Paper-Display aufbringen. Obwohl drei Jahre nach dem ursprünglichen Start der Smartwatch eine weitere Finanzierungsrunde auf Kickstarter gesichert werden konnte, musste das Unternehmen aufgrund der wachsenden Konkurrenz im Jahr 2016 Insolvenz anmelden.

Dass populäre Kickstarter-Kampagnen in der Technologie-Branche nicht immer ein Garant für Erfolg sein muss, lehrt auch die Geschichte von Ouya. Nachdem die Spielekonsole auf Android-Basis im Jahr 2013 erfolgreich mit über 8 Millionen Dollar finanziert wurde, stellte sich das Endprodukt als Flop heraus. Viele technische Probleme und nicht eingehaltene Versprechen ließen das Projekt zu einem Desaster werden – die Produktion der Konsole wurde 2015 eingestellt.

Mit Plattformen wie Indiegogo, Patreon oder Gofundme ist die Konkurrenz für das Unternehmen inzwischen größer geworden. Kickstarter-CEO Aziz Hasan blickt dennoch optimistisch auf die Zukunft und Vergangenheit des Unternehmens. Es gäbe viele Gründe zu feiern, so sein Resümee. Dabei betont er aber zugleich die anhaltende Schieflage zwischen kreativer Arbeit und einem fairen Einkommen. Gerade in einer Welt, die die vermögenden Konzerne immer reicher mache, sei kreative Arbeit die beste Waffe gegen eine destruktive Kultur der Gleichförmigkeit.

Bildquelle: Getty Images Plus/iStock

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