Content Curation

Sind Flipboard, Storify und Co. rechtskonform?

Content Curation mittels Paper.li, Storify, Flipboard und scoop.it ist beliebt. Aber auch legal? Frank Bärmann hat zum Thema recherchiert und teilt sein Analyse mit den MOBILE BUSINESS Lesern.

Content-Curation ist eines dieser Buzzwords, über die man fast an jeder „Web-Ecke“ stolpert. Der Begriff (zu Deutsch „Inhalte Kuratieren“) meint dabei das Selektieren, Zusammenstellen, Lesen, Überprüfen, Ergänzen und Verbreiten von Inhalten zu einem bestimmten Thema für eine bestimmte Zielgruppe.

Bis vor einiger Zeit war das Kuratieren von Inhalten eine Tätigkeit von Journalisten, die bei ihrer täglichen Arbeit Themen und Inhalte recherchiert, eingeordnet, aufbereitet, in einen neuen Kontext gebracht und veröffentlicht haben. Heute, im Zeitalter von Social Media, ist jeder Webnutzer zum Publizisten aufgestiegen und damit auch zum Content-Kurator.

Und wie könnte es auch anders möglich sein, entstanden speziell für das Kuratieren von Inhalten eigene Werkzeuge bzw. Plattformen. Die bekanntesten sind amerikanische Lösungen wie Flipboard, Storify, scoop.it und paper.li. Als deutsche Hoffnung gegen die internationale Vormacht ist Keeeb vom Hamburger Start-Up Keeeb GmbH im Rennen.

Mit Flipboard und Storify zur eigenen Zeitung


Die Funktion dieser Plattformen ist immer ähnlich. Der Nutzer erstellt für sich ein Konto und kann danach auf verschiedensten Wegen Inhalte anderer in ein eigenes Magazin oder eine Zeitung zusammenstellen und ggf. veröffentlichen.

Die Wege, wie der Content in die Magazine kommt, sind dabei recht unterschiedlich. Innerhalb der jeweils eigenen Plattform bieten alle Dienste die Möglichkeit, Inhalte anderer Nutzer durch wenige Klicks in das eigene Werk zu überführen. Hinsichtlich der Offenheit nach außen bestehen aber große Unterschiede: Während bei paper.li nur noch vorgegebene Kanäle wie Twitter, Facebook, Google+, Youtube oder frei verfügbare RSS-Feeds angezapft und zu eigenen Zeitungen zusammengebaut werden können, bietet storify neben vielen Social Media Kanälen auch das Anzapfen von Webseiten und anderen Quellen. Witzig ist bei beiden, dass man sich dabei wie ein echter Redakteur vorkommt.

Newcomer Keeeb aus Hamburg

Bei den anderen Dienste (Flipboard, Keeeb, scoop.it) können neben internen Inhalten auch Webinhalte per Browser-Button oder gar Browser-Extension hinzugefügt werden. Ähnlich wie bei Pinterest kann sich der Nutzer auch für Flipboard, Keeeb,  und scoop.it ein Bookmarklet in die Browserleiste installieren und so mit einem Klick Content übernehmen.

Wer mehr über die Funktionen und Unterschiede zwischen dem Platzhirsch Flipboard und dem Newcomer Keeeb wissen möchte, kann sich im KMU-Marketing-Blog unter bit.ly/curtools einen Vergleich durchlesen. Unter bit.ly/curation_nutzen bin ich näher auf den Nutzen solcher Content-Curation-Tools für Unternehmen eingegangen.

Rechtliche Aspekte der Content Curation Tools

An dieser Stelle möchte ich näher auf die rechtlichen Aspekte dieser Werkzeuge eingehen. Eine Frage, die vor allem Unternehmen sehr interessieren dürfte. Denn schon bei Begriffen wie „Content übernehmen“ oder „Webinhalte anzapfen“ dürften sich die Nackenhaare sämtlicher Juristen sträuben. Wie ist die rechtliche Situation, wenn Nutzer die Inhalte anderer Nutzer übernehmen, kommentieren und wieder veröffentlichen bzw. zum Abonnement anbieten? Macht es einen Unterschied, ob hier Privatpersonen oder Unternehmer agieren?

Diese Frage habe ich mehreren Juristen mit Spezialgebiet IT- und Urheberrecht sowie der Geschäftsführung des deutschen Anbieters Keeeb gestellt.

  • Konrad Gulla, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Keeeb GmbH meinte in seiner Antwort, dass dieses Thema natürlich sehr wichtig sei und man sich als deutsches Unternehmen sicher ernsthafter damit beschäftige als die amerikanischen Anbieter dies tun. Zurzeit sei man in der weiteren rechtlichen Prüfung. Die Antwort von Konrad Gulla hilft uns aber nur wenig, auch wenn es sehr löblich ist, dass man sich zumindest öffentlich dem Thema stellt.
  • Von den befragten Rechtsanwälten hat nur Jens Ferner, u.a. Anwalt für IT- & Medienrecht Stellung bezogen. Er bestätigt das, was viele befürchten und bisher niemand öffentlich ausgesprochen hat: Die Nutzung von Flipboard & Co. verstößt in der aktuellen Ausgestaltung höchstwahrscheinlich gleich an mehreren Stellen gegen geltendes deutsches Recht, zumindest dann, wenn die Inhalte wieder veröffentlicht bzw. zum Abonnement angeboten werden.
    Zum ersten sieht er eine Anwendbarkeit des Urteils vom AG Hamburg zur urheberrechtlichen Auswirkungen bei der Nutzung von RSS-Feed. Laut dem Urteil vom 27. September 2010 (AZ. 36A C 375/09) genießen auch RSS-Feeds urheberrechtlichen Schutz. Man darf diese also nicht “frei nutzen” und etwa weiterverarbeiten, beispielsweise indem man den Inhalt aus fremden RSS-Feeds für Dritte aufbereitet und (erneut) zugänglich macht. (vgl. (http://www.ferner-alsdorf.de/2011/04/rss-feed-urheberrecht-haftung/)


Die Gefahr lauert im Gesetz


Da man bei fast allen Plattformen fremden Content aus Twitter, Facebook, Google+, RSS-Feeds und von Webseiten ausliest, weiter verwendet und sogar veröffentlicht, kann man hier entsprechend von einer Urheberrechtsverletzung ausgehen. Dies gilt für Privatpersonen gleichwie Unternehmen/Unternehmer.

Noch schlimmer wird es, wenn man in seinem (öffentlich einsehbaren) Flipboard durch eine externe RSS-Quelle (oder einen anderen Kanal) ein Bild anzeigt, für das keine Nutzungslizenz vorhanden ist. Hierfür kann man unter Umständen in Anspruch genommen werden. (vgl. http://www.ferner-alsdorf.de/2012/05/bundesgerichtshof-keine-storerhaftung-fur-per-rss-eingebundene-inhalte/)

Für Unternehmen oder Personen, die solche Plattformen gewerblich nutzen, bestehe zudem eine Impressumspflicht, das es sich um einen ein Telemediendienst handele.

Fazit: Content-Curation-Tools mit Vorsicht nutzen


Natürlich hat es speziell für die Nutzung von Flipboard & Co. keine gerichtliche Entscheidung gegeben. Bis dahin kann das Fazit eigentlich nur bedeuten, diese Content-Curation-Tools mit Vorsicht bzw. Umsicht zu nutzen und am besten die kuratierten Inhalte nicht zu veröffentlichen.

Schließlich bieten alle Plattformen einen „Private-Modus“ an, so dass nur der angemeldete Nutzer selbst die Magazine lesen kann. Dieses Vorgehen wiederspricht wiederum dem Geist der Social Media, bei dem es ausdrücklich um das Teilen und Weiterempfehlen geht. Und hierfür sind Flipboard & Co. ideal.


Mehr zu diesem Thema und vielen weiteren in Frank Bärmanns Blog.

www.kmu-marketing-blog.de

Bildquelle: Thinkstock / iStock

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