Mobile Payment

Smartphone-Zahlung bleibt in der Nische

Trotz des großen und seit Jahren dauernden Hypes bleibt Mobile Payment ein Nischenthema: Nur zwei Prozent der Händler bieten es überhaupt an.

Mobile Payment ist nach wie vor ein Hype. Der Markt scheint aber so interessant zu sein, das die Payment-App Cookies 1,5 Millionen Euro als Seed-Finanzierung bekommt. Dabei ist doch gerade erst die ebenfalls gut finanzierte App Yapital eingestellt worden. Denn in Wirklichkeit ist das Bezahlen mit dem Smartphone hierzulande eher eine Investoren-Fantasie. Es gibt eigentlich kein System, das in größerem Umfang von den Endanwendern eingesetzt wird.

Dabei herrscht kein Mangel an Anwärtern für den Durchbruch: Nach einer aktuellen Studie der Consulting-Unternehmen Mücke, Sturm & Company und How2Pay gibt es insgesamt 15 mPayment-Anbieter in Deutschland, die eine gewisse Verbreitung haben und am Point-of-Sale eingesetzt werden. Dabei sind zwei Konzepte verbreitet: Reine Zahlungs-Apps und Anbieter-Apps mit integrierter Zahlungsfunktion.

Laut der Studie hat sich der Markt in den letzten Monaten deutlich gewandelt. Die Zahlungs-Apps sind im Sinkflug, wie nicht nur das Beispiel Yapital zeigt. Stattdessen wachsen die Anbieter-Apps, etwa HandyTicket oder myTaxi. Die Studie kommt zu dem Schluss: Mobile Payment entwächst zwar technisch den Kinderschuhen, nur leider bekommt es niemand mit.

Eine signifikante Verbreitung haben lediglich die Anbieter-Apps, da hier eine Akzeptanz durch die Kunden leicht zu erreichen ist. Wer mit dem Smartphone regelmäßig Fahrplanauskünfte abfragt, ist leicht von Nutzen und Mehrwert der HandyTicket-Funktion zu überzeugen. Auch regelmäßigen Taxi-Benutzern ist der Sinn der MyTaxi-App leicht zu vermitteln.

Gegner GiroCard und Bargeld

Payment-Apps haben es schwerer, sie müssen gegen zwei starke Gegner kämpfen. Fast unschlagbar erscheint das millionenfach genutzte Zahlungssystem GiroCard. Es kann überall unkompliziert zum Einkauf genutzt werden. Zusätzlich ist die Zahlung an vielen Automatensystemen möglich, etwa in Tankstellen oder im Nahverkehr. Außerdem gibt es noch die Geldautomaten, die jederzeit den zweiten mPayment-Gegner ins Spiel bringen: Das Bargeld.

Denn Bares ist in Deutschland immer noch weit verbreitet, im Gegensatz zu Ländern wie Schweden, in denen Bargeldzahlungen fast ausgestorben sind. Dies ist eine Folge des sehr starken finanziellen Konservatismus der Deutschen. Und der ist beileibe kein Rentnerthema, wie eine Studie der Postbank herausfand.

Ihr überraschendes Ergebnis: Gerade die digitalen Vorreiter sind konservativer als der Durchschnitt. Sie legen überdurchschnittlich viel Wert auf Sicherheit und wollen trotz der intensiven Nutzung von Online-Banking auf persönliche Beratung nicht verzichten. Selbst bei den Digital Natives gibt es eine gewisse Skepsis gegenüber der Bezahlung mit dem Smartphone.

Diese Gemengelage sorgt dafür, dass nur sehr wenige Leute einen Sinn im mobilen Bezahlen sehen. Die Skepsis überträgt sich an den Handel, der seine Kassensysteme nur zögerlich um kontaktloses Bezahlen oder andere Verfahren erweitert. Hinzu kommt: Die bisher vorgestellten Bezahlsysteme sind oft umständlicher als die bewährte Kartenzahlung.

Das Payment-Barometer des Zahlungsspezialisten ConCardis, der Forscher von ibi research (Uni Regensburg) und der Fachzeitschrift „Der Handel“ stellte fest, dass die meisten Händler (73%) Mobile Payment sehr skeptisch sehen. Sie glauben, dass sich ein solches Verfahren nur durchsetzt, wenn es genauso günstig, schnell und verbreitet ist wie Kartenzahlungen.

Vor allem am letzten Punkt hapert es, nur etwa 2 % der Händler bieten es überhaupt an. Zurzeit hat Mobile Payment also auch ein Henne-/Ei-Problem: Die Kunden nutzen es nicht, weil nur wenige Händler es anbieten. Und weil nur wenige Kunden es nutzen, bieten es die Händler nicht an.

Aus all dem lässt sich ein deutlicher Schluss ziehen: Mobile Payment ist in Deutschland weiterhin ein reiner Nischenservice. Es sieht so aus, als würde sich das in der nächsten Zeit auch nicht ändern.

Bildquelle: Thinkstock 

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