Smartphone-Entwicklung: Mit Liebe zum Detail

Smartphones, 3D-Drucker und Lernroboter

Im Interview berichtet Xavier Gastaminza, General Manager Europe und Country Manager Germany beim Technologieunternehmen BQ, wie es auch kleine Unternehmen schaffen können, sich am Markt durchzusetzten.

  • „Der Zugang zu Informationen und Technologie ist ein Recht des Menschen, das wir unterstützen müssen, denn es trägt zur positiven Entwicklung dieser Gesellschaft bei", so Xavier Gastaminza.

  • Dank OGS-Technologie (One Glass Solution) mit vollständiger Laminierung soll die Lücke zwischen Glas und Display auf den Tablets vollständig verschwinden.

Immer mehr kleinere, junge Unternehmen drängen auf den Mobilgerätemarkt und möchten sich ein Stück vom Umsatzkuchen abschneiden. Doch welche realen Chancen haben jene Hersteller aktuell, auf dem Markt Fuß zu fassen? Und welche Anforderungen müssen sie erfüllen, um nicht direkt wieder zu verschwinden? Xavier Gastaminza, General Manager Europe und Country Manager Germany beim Technologieunternehmen BQ, ist davon überzeugt, dass junge Firmen einen bedeutenden Platz in der Branche einnehmen können. Allerdings seien zum Erreichen dieses Ziels drei Dinge unabdingbar: die Herstellung von Produkten mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, ein hochwertiges Design
und ein guter Kundenservice.

Herr Gastaminza, welcher Trend zeichnet sich in diesem Jahr bei mobilen Endgeräten hinsichtlich Design und Funktionalität ab?
Xavier Gastaminza:
Smartphones und Tablets bilden bereits den Mittelpunkt der Kommunikation. Die Benutzer fordern stetig größere und qualitativ noch bessere Displays und hegen höhere Erwartungen an die Qualität von Kamera und Audio. Aus diesem Grund achten wir auf jedes Detail unserer Geräte. Bezüglich der mobilen Betriebssysteme wird es dieses Jahr einige Neuheiten geben, wie z.B. die Aktualisierung auf Android 5.0 Lollipop, die Markteinführung von Ubuntu Phone oder Windows 10. Wir sind der Ansicht, dass jedes Betriebssystem auf dem Markt Nutzern interessante Möglichkeiten bieten kann. Daher verschließen wir uns pauschal vor keinem der Systeme.

Welche Erwartungen hegen insbesondere Geschäftsanwender an ihre Mobilgeräte?
Gastaminza:
Im Moment stimmen die Erwartungen an die mobilen Geräte von Seiten der Privatnutzer und von Firmenseite überein. Die Kunden fordern ein entsprechendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Gleiches gilt für den Schutz der Daten auf den Mobiltelefonen. Unsere Android-Telefone enthalten etwa die Verschlüsselungsfunktion von Google – zudem besitzen alle Geräte Dual-SIM-Karten. So ermöglichen wir es Anwendern, in einem Gerät sowohl die private als auch die berufliche SIM-Karte zu nutzen, ohne zwei Telefone mitführen
zu müssen.

Vor welchem Hintergrund stellen Sie dieses Jahr das weltweit erste Smartphone mit Ubuntu-Betriebssystem ab Werk vor?
Gastaminza:
Es ist uns wichtig, unseren Nutzern Alternativen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus glauben wir an die freie Software. Ubuntu Phone bietet den Anwendern eine neue Nutzererfahrung und gibt uns die Möglichkeit, etwas Besonderes zu machen. Um dies zu erreichen, haben wir mit dem Linux-Distributor Canonical zusammengearbeitet, um das erste Smartphone mit dem Betriebssystem Ubuntu auf den Markt zu bringen: das Aquaris E4.5 Ubuntu Edition. Es gibt bereits Millionen Nutzer, die das Betriebssystem in ihren Computern verwenden, und wir gehen davon aus, dass diese zu den ersten Kunden des Ubuntu Phones zählen werden. Das Erscheinen der Smartphones mit jenem Betriebssystem stellt sowohl für die Hersteller als auch für die Mobilfunkgesellschaften einen Wendepunkt dar. Es bedeutet eine Veränderung im Panorama der Betriebssysteme. Gleichzeitig wird Canonical auf die Konvergenz zwischen dem Computer und dem Mobiltelefon setzen. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass mehr als 20 Millionen Nutzer Ubuntu im PC verwenden, sehen wir hier ein großes Potential.

Wird Ubuntu eher auf dem Low- oder High-End-Markt Fuß fassen?
Gastaminza:
Die Nutzer von Ubuntu als Betriebssystem des PCs schätzen das Interface sowie die Tatsache, dass freie Software verwendet wird, aber auch die Robustheit des Betriebssystems. Es ist unmöglich, die Community der PC-Ubuntu-Nutzer nach dem Preis oder der Art der Hardware zu klassifizieren, die sie verwenden, aber es handelt sich um Nutzer, die von ihrer Hardware ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erwarten. Wir gehen davon aus, dass es bei den Smartphones mit Ubuntu genauso sein wird.

Inwiefern ist Ubuntu als Smartphone-Betriebssystem auch für Geschäftsanwender interessant?
Gastaminza:
Das Aquaris E4.5 Ubuntu Edition ist ein freies Gerät mit Dual-SIM, wodurch es sowohl für den normalen Benutzer als auch für den Businessanwender geeignet ist. Wir integrieren diese Funktion auch in unseren kleineren Modellen, obwohl es bei diesen Geräten schwierig ist. Zum einen hat der Nutzer so die Freiheit, seine Anrufe oder seinen Datenverbrauch mit dem attraktivsten Tarif durchzuführen. Zum anderen kann der Benutzer zu jedem Zeitpunkt sowohl seine private als auch seine berufliche SIM-Karte in ein und demselben Smartphone verwenden.

Wie bewerten Sie die Tatsache, dass immer mehr Elektronikhersteller die Entwicklungs- und Schwellenländer als lukrativen Markt für „Billig“-Smartphones und alternative Betriebssysteme entdecken? Und was bedeutet das auf kurz oder lang für den europäischen Markt?
Gastaminza:
Global betrachtet ist die Präsenz des Smartphones immer noch gering und hat noch einen langen Weg vor sich. Die Einführung von Geräten auf dem Markt in Entwicklungs- und Schwellenländern bedeutet für viele Menschen vor allem den erstmaligen Zugang zum Internet. Der Zugang zu Information und Technologie ist ein Recht des Menschen, das wir unterstützen müssen, denn es trägt zur positiven Entwicklung dieser Gesellschaften bei. Was den europäischen Markt betrifft, übersteigt die Präsenz des Smartphones in manchen Ländern sogar 80 Prozent. Die Nutzer fordern hier einen hohen Qualitätsstandard, der sich von dem der Entwicklungsländer unterscheidet.

Vor welchem Hintergrund haben Sie sich als spanisches Unternehmen im letzten Jahr dazu entschieden, auch in Deutschland an den Start zu gehen?
Gastaminza:
Die Entscheidung fiel in dem Moment, als wir es geschafft hatten, ein eigenes, durchdachtes Produkt in unsere Palette aufzunehmen, das die europäischen Qualitätskontrollen durchlaufen hat. Der deutsche Markt hat sowohl aufgrund seiner Einwohnerzahl als auch aufgrund der Kaufkraft Potential. Deutschland besitzt aus historischen Gründen einen wichtigen technologischen Sektor und eine der stärksten Industrien der Europäischen Union. Der deutsche Konsument ist preissensibel und bevor er eine Kaufentscheidung trifft, informiert er sich bezüglich der auf dem Markt verfügbaren Geräte. Am Ende entscheidet er sich für das Gerät, das seine Bedürfnisse am besten abdeckt, das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet und über die neuesten Technologien verfügt. Dies alles sind Aspekte, die mit unserer Strategie übereinstimmen. Wir haben bereits ein Büro in Frankfurt am Main mit derzeit acht Angestellten und hoffen, diese Zahl innerhalb eines Monats verdoppeln zu können.

Mit Googles Project Ara oder Puzzlephone vom fin-nischen Hersteller Circular Devices tummeln sich mittlerweile auch sogenannte Modular-Smartphones auf dem Markt. Welchen Stellenwert räumen Sie solchen
„Baukastengeräten“ ein?
Gastaminza:
Dank solcher Projekte entsteht die Möglichkeit, den Kunden Flexibilität und Freiraum bei ihrer Entscheidung anzubieten. Wir stehen vollständig hinter diesem Prinzip, aber momentan gibt es noch viele technologische Einschränkungen, um dem Endkunden ein wirklich zufriedenstellendes Ergebnis bieten zu können. Momentan ist es wichtiger und dringlicher, dem Nutzer alle Werkzeuge und das notwendige Wissen an die Hand zu geben, um die Funktionsweise der Technologie verstehen zu können. Aus diesem Grund investieren wir in die Erziehung der Kinder, denn wir wünschen uns, dass es in Zukunft ausreichend begeisterte und gut ausgebildete Ingenieure geben wird.

Apropos Kinder: Mit seinen Lernrobotern greift BQ in gewisser Weise das Baukastenprinzip auf. Welche Idee steckt dahinter?
Gastaminza:
Wir fühlen uns verpflichtet, unseren Teil zur Erziehung beizutragen. Als Technologieunternehmen beunruhigt uns, wie wenig Anziehungskraft die technischen Studiengänge auf die Studenten in Europa ausüben. Den Fortschritt der letzten 150 Jahre verdanken wir der technischen Entwicklung. Wenn die Anzahl der Personen, die an der Entwicklung der Technologie arbeiten, in Zukunft zurückgeht, verbauen wir uns den Fortschritt für die kommenden Jahre. Die Lernrobotik passt zu unserem Bestreben, bei Kindern das Interesse für diese Materie zu wecken.

Auch 3D-Druck stellt ein spannendes Feld dar. Wie schauen erste Anwendungsszenarien aus?
Gastaminza:
Der 3D-Druck ist bereits zur Realität geworden, die unendlich viele Möglichkeiten bietet. Die Lebens- und Konsumgewohnheiten werden sich mit der Möglichkeit, sowohl im Büro als auch daheim jedes x-beliebige Objekt herstellen zu können, verändern. Wir befinden uns an einem einschneidenden Punkt, wie es auch die Erfindung des PCs, des Heim-Computers, gewesen ist. Der Computer ermöglichte es anfangs, auf einfache und schnelle Weise Kalkulationen durchzuführen, aber eine Heimnutzung war nicht möglich. Als der einzelne Nutzer Zugang zum Computer bekam, stieg die Nutzung explosionsartig an, womit im Grunde niemand gerechnet hatte. Jetzt können wir uns nicht mehr vorstellen, wie es wäre, ohne diese Technologie zu leben. Ich denke, dass wir jetzt an einem vergleichbaren Punkt angekommen sind. Der Nutzen des 3D-Drucks zeigt sich in verschiedenen Bereichen wie dem Design/Prototypenbau, Medizin (Prothesen und Zahnimplantate), Ingenieurwesen, Schmuckherstellung, Luftfahrt oder der Schuhherstellung – und dies sind nur einige Beispiele, denn ständig kommen weitere Sektoren hinzu. Wir sind überzeugt, dass die Anwendung durch Privatpersonen in den nächsten Jahren steigen wird.

Inwiefern könnte der 3D-Druck den Markt für mobile Endgeräte aufrütteln? Wie realistisch ist die komplette Produktion von Smartphones und Tablets per 3D-Drucker?
Gastaminza:
Der 3D-Druck hat Potential! Nehmen wir beispielsweise unsere 3D-Drucker Witbox und Prusa i3 Hephestos, die zu 100 Prozent in PLA (Biokunststoff) drucken, aber darüber hinaus auch andere Materialien verwenden können, wie beispielsweise jene Zusammensetzung, die zu 30 Prozent aus Kiefernholzfasern besteht. Es ist uns nun möglich, Projekte von Zuhause aus zu realisieren – etwas, das wir uns vor einiger Zeit nicht vorzustellen wagten. Daher besteht die Möglichkeit, auch wenn es derzeit noch nicht möglich ist, Smartphones und Tablets in Zukunft komplett mit dem 3D-Druck herzustellen.


Xavier Gastaminza ...
... absolvierte sein Diplomstudium der Betriebswirtschaftslehre an der Universitat Oberta de Catalunya in Spanien. Er besitzt mehr als zehn Jahre Berufserfahrung in der Technologiebranche, in denen er als IT-Einkaufsmanager bei der Firma Fnac in Spanien tätig war und die Einführung neuer Multimediaprodukte leitete. Seit Juni 2014 ist Xavier Gastaminza Executive Vice President & General Manager Europe bei BQ. Dort setzt er die Unternehmensphilosophie und die Vision von BQ bei der internationalen Expansion des Unternehmens um.

BQ ...
... ist eine junge und dennoch bereits große Firma mit mehr
als 1.000 Mitarbeitern, die einen Jahresumsatz von mehr als 200 Mio. Euro generiert und sich in einem Bereich bewegt, der tradi-
tionell von sehr großen Firmen angeführt wird.
Die Entwicklung in Spanien hat dazu geführt, dass BQ dort aktuell die zweitgrößte Firma beim Verkauf von Smart-
phones und Tablets ist. Darüber hinaus entwickelt und vertreibt das Unternehmen 3D-Drucker sowie Lernroboter.

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