Akkulaufzeit, Datensicherheit und NFC

Smartwatches – Clevere Technik am Handgelenk

Ob Gear S, Runsense oder Watch Urbane – die Smartwatch-Angebote sind zahlreich und bunt. Natürlich versuchen sich die Hersteller mit ihren Modellen gegenseitig zu übertrumpfen, schließlich nimmt die Nachfrage nach den intelligenten Armbanduhren hierzulande stetig zu. Laut einer Bitkom-Studie interessieren sich bereits vier von zehn Deutschen für die Nutzung einer solchen Uhr.

Die Nachfrage nach Smartwatches nimmt stetig zu, trotz der geringen Akkulaufzeit und mangelnder Datensicherheit.

Auf den ersten Blick mag die Smartwatch nur ein Accessoire darstellen, das sich schick am Handgelenk macht. Ein Hingucker, vielleicht auch ein Statussymbol für den einen oder anderen – ähnlich wie beim iPhone. Tatsächlich ist sie aber mehr als nur Schnickschnack, wie die Hersteller betonen. „Die Smartwatch hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem praktischen Begleiter entwickelt, bei dem vor allem die Funktionen im Vordergrund stehen, die das Leben bereichern“, betont Philipp Schlegel, Produktmanager IM bei Samsung Elec-tronics. Das schließe allerdings nicht aus, dass vielen Nutzern ein schickes Design natürlich auch sehr wichtig sei.

Die aktuellen smarten Uhrenmodelle dienen zunächst vor allem als Erweiterung des Smartphones, sozusagen als verlängerter Arm, und erlauben die Bedienung bestimmter Smartphone-Funktionen vom Handgelenk aus. So lässt sich über die Smartwatch beispielsweise die eigene Musiksammlung aufrufen und Nutzer können E-Mails, SMS, Termine sowie Benachrichtigungen über entgangene Anrufe empfangen, „ohne in der Tasche umständlich nach dem Smartphone suchen zu müssen“, erklärt Jens Offhaus, Head of Marketing Mobile Communication bei LG Electronics.

Viele Modelle verfügen auch über Fitnessfunktionen, die zu einem individuellen Trainingsprogramm zusammengestellt werden können. Zu den Applikationen gehören z.B. ein Schrittzähler, ein Pulssensor sowie ein Trainings-Coach, so dass die Smartwatch dabei hilft, den Trainingsfortschritt besser zu verwalten. Wer gerne Joggen geht – wobei man natürlich ungern sein Smartphone in Händen halten möchte –, kann mit seiner smarten Uhr etwa die zurückgelegte Strecke, die verbrannten Kalorien und die Dauer des Laufs aufzeichnen. Einige Uhren beinhalten auch einen Höhenmesser und Kompass, was besonders praktisch fürs Wandern in den Bergen ist.

Einsatz in der Industrie

Doch nicht nur für das private Umfeld, sondern auch für den industriellen Einsatz sind die smarten Uhren interessant – insbesondere im Zuge des Trends „Industrie 4.0“. „Produktionsprozesse und -maschinen lassen sich so über eine App auf der Smartwatch überwachen und steuern“, berichtet Jens Offhaus. Auch eine Warnung durch die Uhr am Handgelenk, beispielsweise bei Erreichen kritischer Systemzustände, könne ein bedeutender Baustein von Industrie-4.0-Strategien sein.

Wichtig beim Einsatz in rauen industriellen Umgebungen ist die Widerstandsfähigkeit der Uhren, so dass sie den entsprechenden Umwelteinflüssen trotzen. Hier sagt z.B. eine IP67-Zertifizierung aus, dass die Modelle staubdicht sind und den Kontakt mit Wasser überstehen. Viel beansprucht wird zudem das Uhrenband, das im permanenten Kontakt mit der Haut steht. Ein wahrer Schweißauffänger. Deshalb ist es sinnvoll, wenn sich das Armband abwaschen oder sogar wechseln lässt.

Bisheriges Manko: die Akkulaufzeit

Da das Angebot an Smartwatch-Modellen mittlerweile recht vielfältig ist, weil sämtliche Hersteller auf den Zug aufspringen und ein Stück vom Kuchen abhaben wollen, sollten interessierte Nutzer beim Kauf auf bestimmte Kriterien achten. Grundsätzlich sind die Verbraucher bei etablierten Anbietern eher auf der sicheren Seite, was die Produktqualität und den Support anbelangt. Sie sollten laut Jens Offhaus neben den gebotenen Funktionen der Uhren auf eine solide Bauqualität und die Kompatibilität mit anderen Geräten achten. Dies rückt ebenso Damjan Stamcar in den Fokus: „In Einzelfällen traten in der Vergangenheit z.B. Verbindungsprobleme mit dem Smartphone auf“, weiß der Produkt-Marketing-Manager von Sony Mobile zu berichten, „was jedoch nach einem Software-Update behoben werden konnte.“

Wichtig sind zudem die intuitive Bedienbarkeit und die Akkulaufzeit, welche sich häufig auf nur einen Tag beschränkt, ehe das Gerät wieder an die Ladestation angeschlossen werden muss. „Durch energiesparendere Displays und Anwendungen lässt sich die Akkulaufzeit erhöhen“, betont Damjan Stamcar. Dies wirke sich allerdings auf die Lichtstärke des Bildschirms und die Rechengeschwindigkeit der Uhr aus. LG Chem arbeitet hier bereits an innovativen Batteriedesigns, heißt es, wie etwa einer flexiblen Batterie in Kabelform, um in Zukunft längere Akkulaufzeiten bieten zu können. Samsung konzentriert sich hingegen auf den Batterieladeprozess und ist sich sicher, dass induktives Laden und die Schnellladefunktion seiner aktuellen Smartphones zum Branchenstandard werden und in naher Zukunft auch im Wearable-Bereich eine wichtigere Rolle spielen könnten. Übrigens ist zu bedenken, dass sich eine durchgängige Bluetooth-Verbindung ebenfalls auf die Akkulaufzeit auswirken kann, vor allem auch auf die Batterie des mit der Smartwatch verbundenen Smartphones.

Datensicherheit im Fokus

Neben der Akkulaufzeit wird das Thema „Datensicherheit“ häufig diskutiert. Die meisten aktuellen Smartwatches verfügen über Features, die zum Teil sensible persönliche Daten auslesen können. Man nehme nur das Beispiel „Puls des Trägers“. Im Wesentlichen kommt es hier auf das verwendete Betriebssystem und dessen Sicherheitsparameter an. Eine Smartwatch ist nicht spezieller als ein Smartphone, wenn es um den Schutz vor unberechtigtem Datenabgriff gilt. Außerdem: Sie ist am Handgelenk des Nutzers befestigt, was zusätzlich etwa die Wahrscheinlichkeit verringert, die Uhr irgendwo zu vergessen oder sich klauen zu lassen. Auf diesem Wege kommen unberechtigte Personen also erst recht nicht so leicht an die Daten.

Um einen hohen Sicherheitsstandard zu gewährleisten, sollten die Hersteller regelmäßig System-Updates durchführen. Sinnvoll sind auch spezielle Sicherheitsmeldungen, die dazu beitragen, die Geräte vor Malware, Datenlecks und anderen Angriffen zu schützen. „Welche Nutzerinformationen zu welchem Zweck erhoben und aufbewahrt werden, hängt dabei von der gewählten Anwendung ab“, betont Philipp Schlegel. Die entsprechenden Zugriffsrechte könne der Nutzer auf dem verbundenen Smartphone konfigurieren. „Wir stellen eine sichere Architektur bereit; im Hinblick auf Apps von Drittanbietern können wir jedoch nur eingeschränkt Einfluss nehmen.“

Die Möglichkeiten von NFC

Für die Zukunft malen sich die Hersteller „beinahe unbegrenzte Einsatzszenarien“ der in-telligenten Uhren aus. „Wir erwarten vor allem eine zunehmende Au-tarkie der Geräte, so dass sie künftig auch verstärkt zum Telefonieren und für andere Funktionen genutzt werden, die aktuell zumeist noch dem Smartphone vorbehalten sind“, so Jens Offhaus. Hierzu gehört beispielsweise auch die Near Field Communication, kurz NFC. Neben bargeldlosem Bezahlen könnte man die Uhr dann auch als Autoschlüssel in entsprechenden Fahrzeugmodellen nutzen: etwa zum Öffnen und Schließen der Tür sowie zum Starten des Motors. Eine weitere Einsatzmöglichkeit wäre laut Damjan Stamcar die Steuerung im Smart Home bis hin zum kompletten Ersatz eines Smartphones durch eine Smartwatch. Ob es wirklich so weit kommt, sei mal dahingestellt. Doch immerhin werden einer Prognose des Marktforschungsunternehmens Strategy Analytics zufolge bis 2020 die Auslieferungen von Smartwatches voraussichtlich auf bis zu 212 Millionen Stück weltweit steigen. Der Bitkom ist hier ebenfalls zuversichtlich: „Das starke Interesse der Verbraucher zeigt, dass die Geräte große Chancen auf dem Massenmarkt haben“, so Timm Hoffmann, Experte für Consumer Electronics beim Verband. „Schon bald werden die Uhren zu unserem Alltag gehören.“


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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