Smart Workspace bei Microsoft

So wird das Home Office zur Business-WG

Der "Smart Workspace" und "Arbeiten 4.0" forcieren die Fusion von Home Office und Co-Working. Vor diesem Hintergrund wird in Schweden die vernetzte Arbeitswelt bereits im Rahmen von Co-Living oder Business-WG gestestet, erklärt Marina Treude, Produkt-Managering für Office 365 bei Microsoft.

  • Vom Home Office zur Business-WG

    Das „Büro“ ist mittlerweile zu einem Synonym für viele Orte geworden.

  • Marina Treude, Microsoft

    Marina Treude, Strategy Lead Office 365 bei Microsoft, lädt in die firmeneigene Digital Eatery nach Berlin und München ein. Hier gibt es neben schnellem W-Lan und bestem Kaffee auch viel moderne Technologie zu sehen.

Frau Treude, Co-Working, Crowd-Working, etc. – die Liste neuer Arbeitsplatzkonzepte und Arbeitsmodelle ist lang. Bei welchen handelt es sich allein um kurze Hypes und welche werden sich langfristig in der Arbeitswelt etablieren?
Marina Treude:
Die Zukunft der Arbeit manifestiert sich nicht in einem Namen oder einem Modell. Wir erleben den größten Wandel der Arbeitswelt seit der industriellen Revolution – hier spielen für uns Menschen, räumliche Konzepte und natürlich moderne Technologien eine große Rolle. Wie oder wo wir wirklich in fünf oder zehn Jahren arbeiten, kann wohl niemand mit Bestimmtheit vorhersagen. Klar ist aber, dass traditionelle Bürokonzepte nicht mehr in eine digitalisierte Welt passen. Der Begriff „Büro“ ist zu einem Synonym für viele Orte geworden, weshalb wir uns mehr an den Bedürfnissen der Wissensarbeit ausrichten müssen als bisher. Genau dieses Konzept verfolgen wir in unserer neuen Deutschland-Zentrale in München. Mit dem „Smart Workspace“ verwirklichen wir die Microsoft-Vision einer vernetzten Arbeitswelt.

Stichwort Co-Working: Was verbirgt sich hinter sogenannten „Co-Working Spaces“ und welchen Zwecken dienen sie vornehmlich?
Treude:
Die Arbeit der Zukunft ist nicht nur kreativ, sondern vor allem auch kollaborativ. Neue Formen des gemeinschaftlichen Arbeitens haben sich längst etabliert, dazu gehört beispielsweise auch kurzfristige Projektarbeit. Co-Working ist kein Hype, sondern Ausdruck einer Entwicklung. Hier werden die Grenzen dessen ausgelotet, was wir bisher Arbeit nannten. Der nächste Schritt ist die Fusion von Home Office und Co-Working, was bereits in Schweden getestet wird und als Co-Living oder Business-WG auch in Deutschland nach und nach bekannter wird.
 
Wie sollten Unternehmen die Nutzung von Co-Working Spaces angehen? Inwieweit können Sie nutzbringende, eigene Co-Working Spaces aufbauen?
Treude:
Neue Formen der (Zusammen-)Arbeit auszuprobieren befürworte ich. Es gilt, sich zu öffnen, das Neue zuzulassen. Wer sich von neuen Entwicklungen abschottet, wird in Zeiten des Wandels ausgeschlossen sein. Innovationen entstehen dort, wo sich Menschen begegnen, diskutieren und sich austauschen können. Für Unternehmen heißt das, etablierte Bürokonzepte auf die Probe zu stellen – aus Druck oder aus einer Modeerscheinung heraus Co-Working Spaces aufzubauen ist sicherlich der falsche Weg. Richtig ist es dagegen, sich zu öffnen und sich inspirieren zu lassen.
 
Nicht wenige Mitarbeiter benötigen Ruhe, um konzentriert arbeiten zu können. Inwieweit gibt es in den Co-Working Spaces dafür Rückzugsorte und wie sehen diese im Detail aus?
Treude:
Hochkonzentrierte Arbeit in Ruhe ist sicherlich ein Bedürfnis der heutigen Wissensarbeit. Im Vordergrund steht aber der nahezu tägliche Wechsel von dieser Art der Arbeit, hin zu der Notwendigkeit sich auszutauschen bzw. kreativ mit anderen zu kooperieren oder zu brainstormen. Mit unserem „Smart Workspace“ haben wir das beispielsweise in Form von vier unterschiedlichen Zonen geregelt, die von der Ausstattung und den Regeln unterschiedlich sind. Die Arbeitsumgebung kann demnach je nach individuellem Bedürfnis gewählt werden. Co-Working Spaces bieten ebenfalls genau diese Möglichkeiten und Rückzugsorte für Konzentrierte sind meist auch Teil der Konzepte.
 
Welche technologischen Errungenschaften machen den Erfolg von Co-Working Spaces überhaupt erst möglich?
Treude:
Hier lediglich eine oder wenige Errungenschaften zu nennen, wäre falsch – das ist ja ein Prozess, der seit vielen Jahren in Unternehmen und im Privatleben Einzug hält. Stellvertretend ist sicher die Cloud als zentrale Schnittstelle für persönliche Produktivität zu nennen, die es möglich macht, von jedem Ort, zu jeder Zeit und von jedem Device aus gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten und Wissen zu teilen.
 
Die zweite Evolution ist die Barrierefreiheit von Produkten wie unserer Büro-Software Office 365, die heute auf allen gängigen Devices und unterschiedlichen Betriebssystemen zu Hause ist und mobile Arbeit erst möglich macht – wir haben Office also von dem traditionellen Büro gelöst. Und nicht zuletzt ist es die richtige Hardware wie beispielsweise das Surface von Microsoft, das als 2-in-1-Gerät ideal für den Wissensarbeiter von heute geeignet ist.
 
Welche sind Ihrer Einschätzung nach die wichtigsten Co-Working Spaces im deutschsprachigen Raum?
Treude:
Es gibt viele interessante Konzepte in Deutschland, alle haben ihren eigenen Charme und ihre eigene Geschichte, hier möchte ich mich nicht festlegen. Auch wenn es kein Co-Working Space, sondern ein Café ist, lade ich jeden ein, an unseren Standorten in Berlin und München die Digital Eatery zu besuchen – schnelles W-Lan, schönes Design und bester Kaffee, umgeben von moderner Technologie.
 
Welche Auswirkungen haben moderne Arbeitsmodelle auf die Work-Life-Balance? Wie können Co- oder Crowd-Worker den Spagat zwischen Freizeit und Job schaffen?
Treude:
In der neuen, digitalen Arbeitswelt ist alles „im Fluss“. Der #worklifeflow hat die Work-Life-Balance abgelöst, das gilt für jeden modernen Wissensarbeiter. Es gibt keine starren Grenzen mehr, weder zwischen Teams oder einzelnen Abteilungen noch zwischen Hierarchieebenen. Und selbst traditionelle Branchengrenzen verschwimmen. In dieser Welt agieren Unternehmen nicht mehr als geschlossene Ökosysteme, sondern als offene Plattform und als interdisziplinäres Labor der besten Ideen. Sie schöpfen Know-how und Inspiration aus einem weiten Netz von Kunden, Lieferanten und externen Experten. In dieser Welt haben Silodenken und Abschottung ausgedient. Wissen muss fließen, damit es jeder jederzeit abschöpfen und nutzen kann. Durchlässigkeit und Vernetzung sind die neuen Erfolgsfaktoren.
 
In dieser Arbeitswelt geht es weniger um die Herstellung von Massenware, als vielmehr um komplexe, individuell passende Systemlösungen. Vernetztes Denken, Kreativität und Selbstmanagement der Mitarbeiter sind entscheidend für die Innovationskraft von Unternehmen. Die neue Arbeitswelt ist eine Welt der Wissensarbeit und deshalb müssen wir Wissensarbeitern die bestmöglichen Bedingungen für ihre Arbeit bieten. Für mich steht #worklifeflow auch für die Überzeugung, dass eine individuelle und selbstbestimmte Gestaltung des Alltags mit fließenden Übergängen zwischen Arbeit und Privatem möglich ist – und dazu führt, dass wir alle nicht nur unsere persönliche Produktivität finden und ausleben, sondern auch unseren privaten und familiären Alltag flexibler organisieren können.

Bildquellen: Thinkstock/Photos.com, Microsoft

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