Travel

Stadtführung to go

Es muss nicht immer der vollkommen relaxte All-inclusive Hotelaufenthalt sein, wenn es um die Planung für den nächsten Urlaub geht. Auch eine Städtereise besitzt durchaus ihren Reiz – als Reiseführer eignet sich dazu mittlerweile das eigene Smartphone.

Natürlich klingt so ein Strandurlaub im ersten Moment verlockend. Türkisblaues Meer, weiße Sandstrände und ein Sternehotel mit Rund-um-die-Uhr-Service, in Branchenkreisen auch all-inclusive genannt. Auf Dauer könnte diese Wohlfühloase jedoch eintönig und der Urlaub somit langweilig werden. Abwechslungsreicher gestalten sich daher Städtetrips, die sowohl mit verschiedenen Sehenswürdigkeiten als auch exklusiven Restaurants und Freizeitangeboten vor allem kulturell punkten können.

In der Regel beginnt solch ein Urlaub bereits bei der Reisevorbereitung. Zuerst müssen das Wunschurlaubsziel gefunden und passende Übernachtungsmöglichkeiten gebucht werden. Dies ist heutzutage auch mobil möglich – entsprechende Apps gibt es mittlerweile wie „Sand am Meer“. Hinzu gesellen sich mobile Anwendungen für die Recherche des Urlaubsdomizils. Sebastian Heinzel, CEO des Onlinereiseführers Tripwolf, nennt genau diese beiden App-Kategorien als häufigste am Markt vorkommenden mobilen Tourismusanwendungen – auf der einen Seite Apps zur Reisebuchung und auf der anderen mobile Anwendungen für Reiseinformationen: „Buchungs-Apps werden dabei in der Regel ‚last minute’ verwendet, sprich: von Leuten, die schnell und kurzfristig etwas buchen (müssen). Informations-Apps ersetzen dagegen zunehmend den gedruckten Reiseführer bzw. Infobroschüren und Landkarten.“ Seiner Meinung nach wachsen beide Gruppen nach wie vor sehr stark im Markt. Auch Andreas Nau, Geschäftsführer des Onlinereiseportals Expedia in Deutschland und Österreich, meint, dass Apps im Tourismusbereich immer mehr an Gewicht gewinnen: „Kunden werden anspruchsvoller, was die Reiseplanung und Informationssuche angeht – vor allem, wenn sie flexibler oder spontaner reisen. Nicht jeder Reisende hat einen Laptop dabei, aber gut 50 Prozent der reiseaffinen Deutschen besitzen ein Smartphone.“

Genau jene mobilen Endgeräte werden heutzutage in der Regel auch mit in den Urlaub genommen. Der Grund, dadurch im Urlaub telefonisch erreichbar zu sein, ist jedoch nicht allein maßgebend. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Versicherungsunternehmens Cosmosdirekt nutzen 67 Prozent der Besitzer von Smartphones und Tablets ihre Geräte, um auf Reisen im Internet zu surfen. 15 Prozent davon sagen explizit, dass sie sogar Zusatzkosten in Kauf nehmen würden. Wenn es um Auslandsreisen etwa in eine europäische Me-tropole geht, können Zusatzkosten, genauer gesagt Roaming-Gebühren, das geplante Urlaubsbudget jedoch leicht einmal überschreiten. Pro Megabyte (MB) Daten-Roaming werden momentan 70 Cent fällig – bei einem Video, das sich Urlauber etwa über Whatsapp schicken lassen, kommen dabei leicht fünf Euro und mehr an Extrakosten hinzu. Auch Video-Telefonie-Services mit den Verwandten und Freunden zu Hause sind echte Daten- und somit Kostenverursacher. Apples Facetime beispielsweise verbraucht gängigen Meinungen nach rund 3 MB pro Minute – bei einem Anruf von fünf Minuten entstehen also Kosten von 10,50 Euro. Aus diesem Grunde sollten Urlauber gerade hier aufpassen und Zusatzkosten durchaus ernst nehmen, um im Nachhinein nicht böse von der Handyrechnung überrascht zu werden.

App muss offline nutzbar sein

Das Problem des Daten-Roamings ist auch Anbietern und App-Entwicklern von Tourismus-Apps nicht verborgen geblieben. Um Urlaubern keine unnötigen Zusatzkosten bei der Nutzung ihrer Apps abzuverlangen, stellen viele die Offlinefähigkeit ihrer mobilen Anwendung in Aussicht. Sebastian Werle, Geschäftsführer des App-Entwicklerunternehmens Panacoda, erklärt, warum: „Informationen müssen auch ohne aktive Datenverbindung zur Verfügung stehen. Denn wer möchte schon Roaming-Gebühren im Ausland bezahlen, nur um den Namen des Restaurantgeheimtipps in London zu erfahren?“

Auch Tourismuszentralen in deutschen (Groß-)Städten sehen die Offlinenutzung als eines der Features, welche eine mobile Anwendung im Tourismusbereich unbedingt ausmachen sollen. „Mobile Features, die von Städtereisenden vor Ort heute erwartet werden, sind Augmented Reality, Offlinemaps und die direkte Buchbarkeit von Leistungen vor Ort“, zählt Josef Sommer, Geschäftsführer der Kölntourismus GmbH, auf. Dazu sollte man als App-Entwickler die Unterstützung einer Zweisprachigkeitsfunktion nicht vergessen. Weiterhin sollte sich eine App durch schnelle Ladezeiten und möglichst einfache Buchungsprozesse auszeichnen – so könne man vor allem die Benutzerfreundlichkeit steigern. Dabei sei laut Andreas Nau allerdings zu beachten, dass entsprechende Apps nicht nur die gleichnamige Desktopanwendung widerspiegeln, sondern besonders für mobile Plattformen (z.B. durch eine spezielle Benutzeroberfläche) entwickelt sind. Auch sollte man sich nicht auf eine Plattform beschränken, sondern Tourismus-Apps plattformübergreifend anbieten. „Techniken wie HTML5 ermöglichen dies“, weiß Sebastian Werler von Panacoda.

Wer als Tourismusunternehmen eine entsprechende App nicht vollkommen neu entwickeln (lassen) möchte, kann sich „von der Stange“ bedienen – sprich: eine bereits entwickelte Anwendung nach seinen Bedürfnissen anpassen lassen. Dadurch könnten Unternehmen Zeit und Budget sparen. So rät Sebastian Heinzel, „das Rad nicht neu zu erfinden“, denn es gebe am Markt schon viele Lösungen, die leicht angepasst werden können. Sogenannte White-Label-Apps würden sich somit vor allem für Tourismusorganisationen mit einem kleinen Budget eignen. Dazu rät er zu einem umfassenden Marketingplan – eine App müsse nachhaltig promotet werden, sonst gehe sie unter den 100.000 anderen in den entsprechenden Stores völlig unter. Budget sollte man hierfür auf jeden Fall einplanen.

Tipps vor Ort

Budget braucht man aber auch als Urlauber, gerade wenn die Reise in Großstädte wie Paris oder Rom geht – denn dort kann die kleine Cola gut und gerne bis zu 13 (!) Euro kosten. Da freut man sich doch als Tourist, wenn man sich wenigstens einen vermeintlich teuren Reiseführer – sei es die Person mit dem Fähnchen in der Hand oder die ausgedruckte Version im rechteckigen Format – sparen kann. Denn dieser befindet sich unter Umständen in der Hosen- oder Handtasche. Gemeint ist das Smartphone, das unterstützt von Apps diese Rolle ausfüllen kann. Doch was zeichnet den mobilen Reiseführer konkret aus?

Das Wichtigste ist laut Sebastian Heinzel von Tripwolf, dass man durch den Einsatz seines Smartphones eine mobile Orientierungshilfe vor Ort besitzt. „Die App muss dem Reisenden sagen können, wo er ist und was sich gerade in seiner Nähe befindet.“ Mit „was“ meint Heinzel sogenannte Points of Interest, also „interessante Orte“ wie etwa Museen, Sehenswürdigkeiten oder auch Restaurants. In Köln beispielsweise erfüllt diese Kriterien die Köln-Guide-App, wie Josef Sommer erklärt: „Unsere App bietet dem Touristen alles Wichtige, ob zur Reisevorbereitung von zu Hause oder als praktische Informationsquelle direkt vor Ort. Der Handyreiseführer gibt u.a. Auskünfte und Tipps zu Sehenswürdigkeiten, Events, Restaurants und Hotels der Stadt.“

Lokale Unternehmen können profitieren

Gerade Hoteltipps könnten für Spontanurlauber, die keine Schlafunterkunft im voraus gebucht haben, durchaus praktisch sein. Andreas Nau von Expedia veranschaulicht dies an einem „spanischen“ Beispiel und nennt dazu den Nutzen für in der Stadt ansässige Unternehmen: „Gefällt einem Madrid-Besucher beispielsweise das Viertel um den Plaza de Chueca, kann er mit unserer App schnell ein Hotel in der Nähe finden und buchen. Unternehmen profitieren so vor allem durch die Urlauber, die spontan buchen und immer auf dem Sprung sind.“ Wo vorher vielleicht ein beliebiges Hotel gebucht wurde, können Globetrotter jetzt eine individuell passende Unterkunft mobil und vor Ort finden. Hotelunternehmen wiederum können aktiv auf den Onlinereiseveranstalter zukommen, um ihr Hotel in einer potentiellen Auswahl zu platzieren. Zudem haben Unternehmen die Möglichkeit, standortabhängige Werbung zu schalten, „falls dies der App-Betreiber zulässt und den Benutzer damit nicht vergrault“, so Sebastian Werler von Panacoda.

Wohin die Reise auch geht – das mobile Endgerät wird sicherlich auch in Zukunft mit eingepackt werden. Denn neben dem Argument, dass die Roaming-Kosten gesetzlichen Richtlinien zufolge in den nächsten Jahren sukzessive sinken werden, spricht der Trend für immer innovativere Reisegimmicks. „Sollten sich sogenannte ‚Wearables’ wie Googles Datenbrille durchsetzen, gibt dies Anbietern aus der Tourismusbranche ganze neue Möglichkeiten“, betont Sebastian Werler. So könnte das interaktive Erleben eines Städtetrips etwa in Verbindung mit Augmented Reality bald schon Wirklichkeit werden. Den etwas anderen Reiseführer trägt man dann eben im Gesicht.

Bildquelle: iStockphoto.com/ferrantraite

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