EU will Zugriff erleichtern

Streaming auch im Urlaub? Die wichtigsten Antworten

Verbraucher können auf Reisen in Europa bald auf Netflix, Spotify, Sky, Amazon und Co. uneingeschränkt zugreifen. Die wichtigsten Fragen und Antworten >>>

Internetnutzer sollen künftig europaweit auf von ihnen abonnierte Videodienste zugreifen können. Foto: Patrick Seeger

Internetnutzer sollen künftig europaweit auf von ihnen abonnierte Videodienste zugreifen können. Foto: Patrick Seeger

«Wer zu Hause seine Lieblingsserien, Musik und Sportereignisse abonniert hat, wird diese nun auch auf Reisen in Europa anschauen und anhören können», verspricht der zuständige EU-Kommissar Andrus Ansip vollmundig. Angesichts des Hickhacks beim Roaming bleiben wir erstmal ganz ruhig und beantworten die wichtigsten Fragen:

Was genau kann der Nutzer im Ausland streamen?

Relevant ist das bezahlte Angebot im Heimatland. Wer ein Abonnement etwa für Netflix oder Spotify hat, soll künftig im EU-Ausland die gleiche Auswahl an Filmen oder Musik haben wie daheim - wenn es der Anbieter möglich macht, sogar noch etwas mehr.

Wie wissen die Anbieter, woher der Kunde kommt?

Um das Wohnsitzland eines Kunden festzustellen, sollen sich die Anbieter zum Beispiel auf die Angaben beim Vertragsabschluss oder Zahlungsdaten stützen können. Zusatzgebühren für den Abruf im Ausland darf es nicht geben.

Wann soll es soweit sein?

Nach der noch ausstehenden formellen Einigung der Staaten und des Europaparlaments sollen die neuen Bestimmungen ab Anfang 2018 gelten.

Was sagen die Streaming-Anbieter?

Der Bezahlsender Sky reagierte positiv. «Wir freuen uns, dass unsere Kunden - aus all unseren Märkten - ihre Inhalte über unsere mobilen TV-Plattformen zukünftig überall in Europa ansehen können», erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Die Video-Sparte von Amazon in Europa war nach eigenen Angaben «von jeher ein starker Verfechter dieser Änderung». Sie komme direkt den Kunden zu Gute, betonte Jay Marine, Vizepräsident von Amazon Video Europa.

Geoblocking war ja auch eine Frage der Urheberrechte für bestimmte Regionen - wie wird das gelöst?

Bislang wurde ein grenzüberschreitender Zugriff oftmals wegen des urheberrechtlichen Schutzes durch Geoblocking verhindert. Die Anbieter müssen unter dem neuen System nach Angaben von EU-Mitarbeitern aber keine Urheberrechte für weitere Gebiete erwerben, weil die Auslandsaufenthalte ihrer Kunden nur vorübergehend sind.

Wie lange ist ein "vorübergehender Aufenthalt"?

Eine exakte zeitliche Begrenzung für die Zeit im Ausland gibt es nicht, Netflix und Co. können die Informationen ihrer Kunden aber überprüfen, wenn sie Missbrauch vermuten.

Wie verhält es sich mit im Heimatland frei verfügbaren Inhalten?

Für frei verfügbare Inhalte gelten die neuen Regeln nicht. Ob Zuschauer auch den «Tatort» oder andere in Deutschland verfügbaren Inhalte öffentlich-rechtlicher Sender künftig problemlos im Urlaub im europäischen Ausland sehen können, ist übrigens eine ganz andere Frage.
Die neuen Regeln gelten für Bezahlinhalte. Ob Anbieter im Inland frei verfügbare Inhalte auch in anderen EU-Staaten zugänglich machen, bleibt ihnen selbst überlassen. Auch hier stehen bislang aber Urheberrechtsprobleme im Weg.

Ist es das Ende von Geoblocking?

Zu einer nahezu völligen Abschaffung des Geoblocking, wie einst von Ansip angekündigt, kommt es auch mit der Neuregelung nicht, wie die Europaabgeordnete Julia Reda von der Piratenpartei erklärt. «Wenn es an legalen Streamingangeboten im eigenen Land fehlt und man ein Angebot aus einem anderen Mitgliedstaat nutzen will, kann man weiterhin mit der Nachricht «dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar» konfrontiert werden», beklagt Reda. «Dadurch werden genau die Verbraucherinnen und Verbraucher bestraft, die legale Streamingangebote nutzen wollen.»

Links:

Mitteilung der EU-Kommission

Mitteilung des Europaparlaments

Mitteilung des Rates

Weitere Mitteilung der EU-Kommission

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