Das Smartphone als Reisebegleiter

Urlaub entspannt buchen

Ein richtiger Hochsommer mit mehreren heißen Tagen hintereinander war zumindest in weiten Teilen Deutschlands bisher nicht zu spüren. Für viele Grund genug, in diesem Jahr in den Süden zu reisen, um wenigstens für ein paar Wochen Sonne zu tanken und dem Alltagsstress zu entfliehen. Was früher noch mit dem Gang ins Reisebüro verbunden war, funktioniert heute alternativ online – das Smartphone wird zum stets verfügbaren Reiseassistenten.

Nicht nur die Tatsache, dass sich das Wetter bislang höchst bescheiden präsentierte, auch dass momentan gut 85 Prozent aller deutschen Schüler die Sommerferien genießen, bewegt viele Arbeitnehmer, in den Urlaub zu fliegen. Viele informieren sich bereits vorab über das zukünftige Urlaubsziel: angefangen bei der Suche nach der geografischen Lage über kulturelle Gegebenheiten bis hin zur Ermittlung eines passenden Angebots eines Reiseveranstalters – alternativ die Recherche nach günstigen Flügen, Hotels und Mietwagen. Dies alles erfolgt heutzutage in der Regel online. Einer Bitkom-Studie zufolge buchen bereits rund 24 Mio. Bürger Hotelübernachtungen im Internet, knapp 21 Mio. ordern den Flug zum Reiseziel im Netz und immerhin knapp über 10 Mio. die komplette Pauschalreise oder Mietwagenangebote.

Natürlich sind solche Werte den Anbietern der genannten Reiseservices nicht vorenthalten worden, weshalb sie versuchen, ihren Onlineservice weiter in Richtung mobiler Anwendungen auszubauen. Neue eigene Apps sollen den potentiellen Urlaubern nicht nur die Reisevorbereitung per mobilem Endgerät ermöglichen, sondern ihnen auch während des eigentlichen Urlaubs als Reisebegleiter nützlich zur Seite stehen. Doch der Reihe nach...

Nach erfolgreicher Recherche und dem festgelegten Wunschurlaubsziel steht der Reisetransport auf dem Plan. Um dabei in den sonnigen Süden zu gelangen, wählt man zumeist den Luftweg, denn im Gegensatz zu Auto und Bahn ist dies für gewöhnlich die schnellere und bequemere Variante. Bequem ist auch der Ablauf am Flughafen, meint Marcus Casey, Leiter Onlinevertrieb und Mobile Services bei der Lufthansa Deutschland AG: „Wir haben bereits frühzeitig in mobile Anwendungen investiert. Insbesondere Services wie der mobile Check-in mit Sitzplatzauswahl und die mobile Bordkarte werden immer häufiger genutzt.“

Doch wovon profitieren Urlauber bei dem „mobilen Einstieg“ in den Flieger? Vor allem sollen Urlauber dadurch Zeit sparen, erklärt Daniel Haisch, Vice President E-Commerce bei Air Berlin: „Wer mobil eincheckt, kann am Airport direkt zum Gate gehen oder sein Gepäck zunächst am Baggage-Drop-off-Schalter abgeben. Auch der Sitzplatz kann im Web-Check-in ab 30 Stunden vor Abflug kostenlos reserviert und beliebig oft geändert werden.“ Zudem würden alle Reise- und Fluginformationen jederzeit und regelmäßig in der App aktualisiert.
 
Businessreisende schätzen diesen Service mit Sicherheit im besonderen Maße, da sie häufig nur Handgepäck mit sich führen und lästige Besuche an den Airline-Schaltern mit der Vorabreservierung umgehen. Am Gate angekommen kann übrigens direkt mit dem eigenen Smartphone eingecheckt werden – die mobile auf dem Endgerät gespeicherte Bordkarte macht es möglich. Per QR-Code wird das Ticket vom Endgerät abgescannt und der Eintritt ins Flugzeug gewährt. Auch hier scheint das Angebot vor allem auf Vielflieger ausgerichtet, denn für Familien auf Urlaubsreise, die nur ein Smartphone mit sich führen, wäre es mit Sicherheit einfacher und schneller, wenn jedes Familienmitglied das eigene ausgedruckte Ticket vorzeigt.

Auto? Mobil!

Falls keine Pauschalreise gebucht wurde, muss nach der Landung und der anschließenden Gepäckausgabe der Transport zum Hotel organisiert werden. Wer keine einheimischen Busse und Taxis nutzen möchte, kann sich den eigenen Mietwagen vor Ort leihen – und das ad hoc mit dem eigenen Smartphone. „Unsere App bietet Geschäftskunden wie auch Privatkunden weltweit die Möglichkeit, die nächstgelegene Station zu finden, dort in Echtzeit die Preise für Pkw- oder Lkw-Mieten zu recherchieren und dann auch mit sofortiger Bestätigung zu buchen“, erklärt Konstantin Sixt, Leiter Internet der Sixt AG. Darüber hinaus sei es speziell im Urlaub nützlich, per App die exakte Adresse der Station inklusive Kartenansicht und Routenplanung griffbereit zu haben.

Ähnlich sieht es beim Service des Autovermieters Avis aus. Auch hier können die nächstgelegene Station gefunden, Öffnungszeiten und Kontaktdaten eingesehen sowie Informationen zu verfügbaren Fahrzeugen mit entsprechenden Konditionen abgerufen werden. „Mit unseren Apps stehen auch alle Vorteile unserer Website mobil zur Verfügung. Kunden können sich von unterwegs aus über unsere Produkte informieren und direkt buchen – und das rund um die Uhr“, sagt Martin Gruber, Geschäftsführer von Avis Budget Deutschland. Zusätzlich setzt das Unternehmen auf die Bereitstellung portabler Hotspots. Dies soll Urlaubern einen international bezahlbaren Internetanschluss bieten, ohne vermeintlich teure Roaming-Gebühren zahlen zu müssen. „So können Urlauber nicht nur ihre E-Mails, Dokumente und sozialen Netzwerkseiten mobil aufrufen, sondern auch unterwegs nach Urlaubsinformationen und touristischen Highlights suchen“, führt Martin Gruber aus. Bis zu fünf verschiedene Endgeräte sollen gleichzeitig angebunden werden können. Und das zu einem Preis von rund 9 Euro pro Tag – wer nicht unbedingt dauerhaft mobil durchs Internet surfen möchte, für den ist ein Vergleich mit Hotel-WLAN-Konditionen auf jeden Fall empfehlenswert.

Apropos Hotels: Es ist zu beobachten, dass – ausgenommen sind die großen Hotelketten – mobile Angebote in der Hotelbranche eher Mangelware sind. Gerade für kleinere Hotels scheinen die Entwicklungskosten für die eigene mobile App zu teuer zu sein. Trotzdem gibt es Alternativen, die sowohl Hotelbetreiber als auch Urlauber zusammenbringen. So ist etwa die App vom Hotelportal HRS zu nennen, mit der sich das passende Hotel finden, erkunden und schließlich buchen lässt (Näheres siehe Travel-Apps).

Persönlicher Reiseguide

Nicht nur für Flug, Mietwagen und Hotel ist das eigene Smartphone nützlich – auch als mobiler Begleiter, der Informationen zum aktuellen Aufenthaltsort liefert, wird es zunehmend häufiger eingesetzt. „Der Trend geht dahin, spontan am Urlaubsziel mit standortbezogenen Informationen auf dem Handy das genaue Ferienprogramm zu planen und sich über die Umgebung zu informieren“, führt Mario Klass, Experte für mobile Internetanwendungen bei Tui Deutschland, aus. Tatsächlich finde es über ein Drittel der Deutschen „besonders attraktiv“, auf mobilen Geräten Reise- oder Stadtpläne zu nutzen, so das Ergebnis einer Umfrage, die TMS-Emnid im Auftrag der Tui durchgeführt hat.

Neben geografischen Informationen können mobile Travel-Apps viel mehr enthalten. „Sehr beliebt sind aktuelle und gleichzeitig regionale Informationen. Beispiele hierfür sind Veranstaltungs-, Restaurant- und Bartipps, Sehenswürdigkeiten oder Freizeittipps. Gerade wenn der Kunde vor Ort Urlaub macht, ist es wichtig, ihm diese Informationen nicht vorzuenthalten“, unterstreicht Christofer Weßeling, Geschäftsführer des App-Entwicklers Opwoco GmbH. Auch lokale Wetterinfos seien durchaus  nachgefragt und ein Service, der in eine Travel-App integriert werden könne – durch diesen Mix an Informationen könne man nämlich jede Alterszielgruppe erreichen, meint der Gründer des Entwicklerunternehmens weiter. Doch bei aller Information darf eine App die Übersicht nicht verlieren, der Nutzer darf nicht mit Informationen überschwemmt werden – immerhin befindet man sich im Urlaub, wo man sich anstatt durch den Informations- unter Umständen lieber durch den richtigen Dschungel schlagen will. Das sieht auch Christofer Weßeling so: „Häufig wird der Fehler gemacht, dass Apps mit Informationen überfrachtet werden. Wir brauchen kein zweites Internet, sondern kurze prägnante Informationen am Ort des Geschehens.“ Dazu solle die App lieber durch Funktionalität und gezielten Informationsgehalt überzeugen. Sprich Qualität statt Quantität.

Reise in die Zukunft

Dass die Entwicklung mobiler Angebote stetig weiter voranschreitet, wissen sowohl Entwickler als auch Anbieter. Auch Reiseapplikationen sind davon nicht ausgeschlossen, zumal das Thema soziale Netzwerke immer mehr an Fahrt gewinnt und mittlerweile als wichtiger Kommunikationskanal gilt. Martin Grube von Avis weiß, dass die Zukunft in der Hand von Smartphones und Social Media liegt: „Entsprechend muss sich die Tourismusbranche auf mobile Angebote fokussieren und die aktive Kundeneinbindung über den Social-Media-Dialog fördern.“ Marcus Casey, Leiter Mobile Services bei der Lufthansa, sieht ebenfalls die Verschmelzung bestehender Kommunikationskanäle als nächsten Entwicklungsschritt: „Der Kunde nutzt Lufthansa Service über die unterschiedlichsten Geräte (Desktop, Tablet, Mobile) und die Erwartung ist, dass er ein verzahntes kanalübergreifendes Angebot bekommt. Außerdem liegt die Zukunft sicher noch stärker auf personalisierten Services, die den individuellen Kundenbedürfnissen gerecht werden.“

Einen noch nicht beleuchteten Ansatz sieht der Geschäftsführer der Opwoco GmbH, Christofer Weßeling, als zukünftigen Trend, nämlich Augmented Reality. „Die Travel-Apps der nahen Zukunft werden ortsabhängig viele Informationen über die Kameraansicht bereitstellen.“ Gleichermaßen sieht er den Stadtrundgang per Smartphone als zeitnahes Feature. „Ich glaube, dass dieser in Kürze noch stärker mit audiovisuellen Inhalten auf dem Smartphone verbunden werden kann.“ Zudem ist er der Meinung, dass in Zukunft jeder Tourist seinen eigenen individuellen Stadtrundgang per Smartphone erhalten werde.

Man darf gespannt sein, inwieweit sich der Urlaub in den nächsten Jahren (noch) mobiler gestalten lässt. Die Anbieter versuchen mit Kooperationen – Air Berlin durchläuft gerade eine Testphase mit HRS, Lufthansa kooperiert unter anderem mit Sixt – Urlaubern ein möglichst zusammenhängendes Buchen zu ermöglichen. Zudem preschen Unternehmen auf den Markt, die ihre App als eigenständigen „All in one“-Reisemanager anbieten. Dies soll Zeit und im Endeffekt auch Geld sparen – ausgereift scheint dieser Service gängigen Meinungen nach bisher jedoch nicht zu sein.

Nichtsdestotrotz kann sich das eigene Smartphone während der Urlaubsreise mit Sicherheit als nützlicher Helfer präsentieren, der die Reise zu jedem Zeitpunkt interessanter gestalten kann und sich seine Mitnahmeberechtigung nicht nur als Erreichbarkeitsmöglichkeit verdient. Jedoch sollten im gleichen Zuge Roaming-Kosten im Hinterkopf präsent sein, mit dem Wissen, dass webbasierte Dienste, die im Hintergrund laufen (z.B. GPS-Ortung), bei Nichtgebrauch abgeschaltet werden sollten. So wird die Rückkehr, dem Wetter zum Trotz, von keiner unangenehmen Überraschung auf der Handyrechnung überschattet. 

Bildquelle: © iStockphoto.com/PeskyMonkey

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