Nachgefragt bei Timo Baumann, Telekom

Viel zu knappe Klinikbudgets

Interview mit Timo Baumann, Leiter Kliniken im Konzerngeschäftsfeld Gesundheit bei der Telekom

Telekom

Timo Baumann, Leiter Kliniken im Konzerngeschäftsfeld Gesundheit bei der Telekom

Herr Baumann, Stichwort „Krankenhaus der Zukunft“ – welche Rolle spielen mobile Lösungen bei dessen Umsetzung?
Timo Baumann:
Viele Ärzte nutzen Tablet und Smartphone privat und wollen die Vorteile auch im Beruf nutzen. So sind optimierte, klinische Daten ständig und ohne Verzögerung verfügbar. Hat der Arzt etwa Hintergrunddienst, kann er im Rückfragefall nahezu ortsunabhängig auf alle notwendigen Daten zugreifen. Das spart viel Zeit und Wege.

Können Sie uns bitte konkrete, realistische Mobility-Anwendungsszenarien im „Krankenhaus der Zukunft“ beschreiben?
Baumann:
Der Arzt kann dem Patienten ohne großen Aufwand den Gesundungsprozess anhand von Röntgenaufnahmen vorführen. Er ist überhaupt permanent auskunftsfähig, da er mobilen Zugriff auf Patienten- und Fallakte inklusive Labor-, Vital- sowie Bilddaten hat.

Worauf kommt es bei der Einbindung mobiler Systeme in die Backend-Systeme (z.B. KIS, LIS, Archiv oder Bildsysteme/PACS) der Krankenhäuser vor allem an?
Baumann:
Zunächst sollten natürlich die technischen Voraussetzungen gegeben sein, da sie eine einerseits flächendeckende, andererseits sichere Funkversorgung mit ausreichender Bandbreite benötigen. Das System selbst sollte eine hohe Kompatibilität zu gängigen Schnittstellen der KIS- und Subsysteme haben. Ein Sicherheits- und Berechtigungskonzept zum Schutz der Daten ist ebenso unerlässlich.

Welche Hürden gibt es in Deutschland noch für eine flächendeckende Verbreitung von mobilen Lösungen im Gesundheitswesen?
Baumann:
Knappe Klinikbudgets gehören in der Regel zu den Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Hier ist Überzeugungsarbeit zu leisten, damit verstanden wird, dass die Investition in innovative, mobile Anwendungen einen erheblichen Effizienzbeitrag mit sich bringen kann. Das führt sowohl zu Zeit-, Kostenersparnis, Patientenzufriedenheit, Mitarbeiterzufriedenheit und innovativem Klinikimage.

Wie könnten diese Hürden in naher Zukunft überwunden werden?
Baumann:
Derzeit analysieren wir die Hürden noch genau in Pilotprojekten mit namhaften Klinikpartnern. Dabei haben wir sowohl die ökonomischen Kriterien im Blick, als auch praktische Fragestellungen wie Hygiene oder Geräterobustheit. Sobald es jedoch Vorzeigekliniken gibt, die erfolgreich damit in den Regelbetrieb gehen, werden andere nachziehen.

Wie ist Deutschland hinsichtlich „Mobile Healthcare“ im europäischen Vergleich aufgestellt? Was könnte man von Nachbarländern wie z.B. Österreich lernen?
Baumann:
Detaillierte Ländervergleiche liegen mangels länderspezifischer Erfahrungen heute noch nicht vor. Das allgemeine Interesse ist in den deutschen Kliniken, aber auch beispielsweise in Asien noch heterogen und daher schwer zu vergleichen.

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