Industrie 4.0

Was Handhelds leisten müssen

Im Interview erläutert Thomas Uppenkamp, Sales Manager des Geschäftsbereichs Mobile Industrial Solutions bei der Casio Europe GmbH, wie ein Industrie-Handheld beschaffen sein muss, um mit den Herausforderungen der Industrie 4.0 klarzukommen.

Thomas Uppenkamp, Casio

„In der Regel werden die Geräte zwischen vier und fünf Jahren eingesetzt“, so Thomas Uppenkamp, Sales Manager des Geschäftsbereichs Mobile Industrial Solutions der Casio Europe GmbH.

Herr Uppenkamp, was sind aktuell die wichtigsten Einsatzgebiete von klassischen Handhelds?
Thomas Uppenkamp:
Industrielle Handhelds werden aufgrund der extremen Robustheit (meist IP67) und der hohen Verfügbarkeit gerne und in großen Stückzahlen in Logistik und Lager von Handels- und Industrieunternehmen sowie von Transportdiensten und Speditionen eingesetzt. Auch im Gesundheitswesen und in den Bereichen Maintenance und Service werden professionelle Handhelds eingesetzt. Ein weiteres Anwendungsgebiet ist der Bereich „Ticketing“ von deutschen und internationalen Bahnunternehmen sowie die Parkraumbewirtschaftung und der öffentliche Dienst. In diesen Fällen wird z.B. das Multifunktions-Handheld IT-9000 genutzt, welches als mobile Kasse fungiert und über den integrierten Drucker Belege ausgibt. Für den Handel und dem Einsatz am POS stehen besonders ansprechend und ergonomisch gestaltete Handhelds und robuste Tablet-PCs mit professionellen Sicherheits-Features zur Verfügung.

Inwieweit sind die robusten Handheld-Computer für die Industrie 4.0 gewappnet?
Uppenkamp:
Industrie 4.0 sieht sinngemäß vor, Prozesse zu automatisieren und Entscheidungen computer-gestützt zu treffen, und somit den Menschen mehr und mehr aus den Prozessen auszuklammern. Da robuste Handhelds i.d.R. von Menschen bedient werden, werden wohl auch im Rahmen von Industrie 4.0 weniger robuste Handhelds verkauft oder diese nur noch für die Entscheidungsfindung und weniger in den Prozessen eingesetzt. In diesem Zusammenhang müssen moderne Handhelds mit sämtlichen Kommunikationsschnittstellen ausgestattet sein, um eine „Machine to Handheld“-Kommunikation zuzulassen und zu unterstützen. In diesem Zusammenhang fallen mir neben Wlan, Wwan (3G, 4G, 5G) auch Bluetooth und Beacons ein.

Wie muss ein Industrie-Handheld konkret beschaffen sein, um mit den neuen Herausforderungen zurecht zu kommen? Welche Funktionen und Eigenschaften sind hier besonders wichtig?
Uppenkamp:
Da unsere Handhelds durchschnittlich fünf bis sieben Jahre im Einsatz sind, legen unsere Kunden größten Wert auf Investitionssicherheit und setzten höchst mögliche Robustheit als selbstverständlich voraus. Die meisten Handhelds vertragen vielfache Stürze auf Beton aus einer Höhe von 1,5 m und besitzen einen Staub- und Spritzwasserschutz gemäß IP67. Mit dem DT-X200 bieten wir sogar ein Handheld an, das Stürze aus einer Höhe von 3 m unbeschadet übersteht und so gut gegen Staub und Wasser geschützt, dass es eine halbe Stunde unter Wasser betrieben werden könnte. Mit 280 g ist es in seiner Gewichtsklasse das robusteste Terminal am Markt. Betriebstemperaturen zwischen -20° und +50°C gehören zum Alltag.

Neben der Robustheit sind heute die Kommunikationsschnittstellen und die Datensicherheit von großer Bedeutung. Auch das Thema „Security“ spielt eine sehr große Rolle, weil wir fast ausschließlich mit professionellen Anwendern zu tun haben. Diese schätzen insbesondere die Sicherheitsmerkmale. Ein integriertes Schreib-/Lese-Modul für NFC-Karten kann zur sicheren Authentifizierung bzw. gegen illegalen Zugriff genutzt werden. Abgerundet wird das Sicherheitskonzept durch einen Sam-Karten-Slot, der die Verschlüsselung sensibler Daten gewährleistet.

Windows Mobile vs. Android: Welche Vor- und Nachteile haben die beiden Betriebssysteme jeweils im Umfeld von Handhelds und Industrie 4.0?
Uppenkamp:
Die Datensicherheit eines Handhelds ist auch vom Betriebssystem abhängig. Mit iOS, Android und Windows 10 ringen drei Schwergewichte für den mobilen Einsatz um die Vorherrschaft. Wir sehen die Vorteile von Android in der großen Marktverbreitung. Es sind viele Programmierer, viel Software und vielfältige Hardware verfügbar. Ein Nachteil von Android ist der häufige Versionswechsel und die daraus resultierende geringe Investitionssicherheit. Abwärtskompatibilität ist nicht immer gewährleistet und Android ist relativ anfällig gegen Malware.

Die Vorteile von Windows 10 liegen in der Sicherheit des Betriebssystems mit schnellen Updates und besserem Schutz gegen Malware. Windows ist ein hardware-übergreifendes Betriebssystem und somit auch auf PCs und Großrechnern einsetzbar. Der Nachteil von Windows ist zurzeit noch der geringere Markteinfluss, der zu wenig verfügbarer mobiler Hardware führt.

Welche Bedeutung schreiben Sie allgemein der Ergonomie von Industrie-Handhelds zu – für einen effektiven Einsatz der Geräte in Industrie-4.0-Umgebungen?
Uppenkamp:
Wir haben einen sehr hohen Ergonomie-Anspruch. Das ermüdungsfreie Arbeiten nach dem „Human Center Design“-Aspekt ist sehr wichtig. Unsere Handhelds wurden speziell für den Arbeitsalltag im Lager konzipiert. Drei griffige Scantasten erlauben es Rechts- wie Linkshändern, verschiedene Arbeitshaltungen einzunehmen, und reduzieren dadurch die notwendigen Fingerbewegungen auf ein Minimum. Zur Effizienzsteigerung trägt die Scanbestätigung mittels Vibrationsfunktion bei.

Wie beschrieben, werden aber in der Industrie-4.0-Umgebung mobile Geräte weniger in den operativen Prozessen als vielmehr in entscheidungs- und informationstechnischen Prozessen eingesetzt. In diesem Fall müssen mobile Geräte multifunktional, leicht und leistungsfähig sein (vergleichbar mit Smartphones). Nichtsdestotrotz werden auch weiterhin Märkte für robuste Mobilgeräte außerhalb des „Industrie 4.0“-Umfeldes bestehen, in denen, je nach Applikation, unterschiedliche Faktoren die Kaufentscheidung beeinflussen.

Welche Möglichkeiten der Befestigung/Halterungen/Aufbewahrungsoptionen gibt es für jene Geräte?
Uppenkamp:
So, wie es für verschiedene Anwendungsbereiche speziell entwickelte Handhelds gibt, sind auch die Zubehörteile spezifisch für solche Anwendungen entwickelt worden. Beispielsweise gibt es für Handhelds, die in großen Stückzahlen im Lager eingesetzt werden, Mehrfachladegeräte, während es für Handhelds, die im Außendienst benutzt werden, praktische Fahrzeughalterungen mit Ladefunktion gibt. Zur Verbesserung der Handhabung bieten wir anwendungsoptimierte Hilfsmittel wie Handschlaufen, Halteriemen, Tragetaschen etc. an.

Wie oft gehen Industrie-Handhelds, obgleich sie sehr robust sind, tatsächlich kaputt? Was sind hierbei die häufigsten Probleme/Schäden, mit denen die Anwender auf Sie zukommen?
Uppenkamp:
Die Ausfallrate der Handhelds ist gering. Quelle hierzu ist der überregionale Service-Partner Weilandt Elektronik. Wie schon UPS vor 25 Jahren feststellte, ist das Display der schwächste Punkt eines mobilen Endgerätes. Deshalb hatte UPS sich damals für ein Gerät mit möglichst kleinem Display entschieden. Der Trend geht seit einigen Jahren den gegenläufigen Weg, da mehr und mehr Information auf einen Blick verfügbar sein soll. Die Displays werden immer größer. Trotz neuester Technologie (Gel-Layer, Toughened Glass) lässt sich nicht vermeiden, dass die Displays nach wie vor der schwächste Punkt in einem robusten, mobilen Endgerät sind. Generell ist zu sagen, dass sich unsere Handheld-Terminals durch Robustheit und lange Lebensdauer auszeichnen. Einige unserer Kunden setzen ihre Geräte seit 15 und mehr Jahren kontinuierlich im täglichen Betrieb ein.

Wie lauten die üblichen Garantievereinbarungen hinsichtlich Schäden im Handheld-Umfeld?
Uppenkamp:
Unsere Garantiebedingungen weichen im Wesentlichen nicht von den gesetzlichen Garantiebedingungen im B2B-Bereich ab. MDE-Geräte und Mobilcomputer für professionelle Anwendungen sind auf höchste Verfügbarkeit und Investitionssicherheit angelegt. Dies setzt voraus, dass wir als Hersteller solcher Hardware über viele Jahre Nachkaufgarantie, Modellpflege, Ersatzteile und einen schnellen, zuverlässigen und gut erreichbaren Service bieten. In den Bereichen Reparatur-Service und technischer Support lassen wir uns durch den Partner Weilandt Elektronik unterstützen. Dessen Service-Zentrum in Essen ist spezialisiert und wurde für Arbeiten an den aktuellen Handhelds autorisiert und zertifiziert. Angeboten werden sämtliche Wartungs- und Reparaturarbeiten, Garantie-Service, Gerätekonfiguration (Staging) und Rollout-Support.

Ein lokaler und zuverlässiger Service-Partner ist für uns bei Auftragsverhandlungen ein wichtiges Argument, weil er für die permanente Verfügbarkeit der Hardware unerlässlich ist. Wir bieten bei Bedarf individuelle Garantiezeitverlängerung mit Vollservice für 24 Monate und länger. Dabei kann der Kunde mit einem fix definierten Pauschalpreis kalkulieren und sich auf die Verfügbarkeit seiner Geräte verlassen.

Wie lange hält ein Industrie-Handheld im Durchschnitt? Wann ist es generell Zeit für neue Geräte
Uppenkamp:
Die Lebensdauer eines Industrie-Handhelds hängt i.d.R. von vorrangig zwei Faktoren ab: zum einen, in welchem Umfeld die Geräte eingesetzt werden und wie mit ihnen umgegangen wird, und zum anderen vom technischen Fortschritt. Die meisten Kalkulationen unserer Kunden werden im Rahmen der gesetzlich möglichen Abschreibungsfrist berechnet. Somit rechnet man mit einer Mindestlebensdauer von drei Jahren. Erfahrungen zeigen uns, dass die Industrie-Handhelds teilweise bedeutend länger eingesetzt werden. In der Regel werden die Geräte zwischen vier und fünf Jahren eingesetzt.

Bildquelle: Casio

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