Google Glass & Co.

„Wearables sind ein heißes Thema“

Interview mit Günther Meyringer, Head Of Avaya Professional Services Europe, über das Interesse der Anwenderunternehmen an Datenbrillen und wie konkrete Einsatzbereich aussehen

Günther Meyringer, Avaya

„Trotz der vorübergehenden Einstellung des Verkaufs von Google Glass denke ich, dass Datenbrillen im Unternehmensbereich Zukunft haben“, Günther Meyringer von Avaya.

Wie gestaltet sich der aktuelle Markt im Bereich der Datenbrillen/Smart Glasses/VR-Brillen?
Günther Meyringer:
Es gibt viele, die Googles Entscheidung, Google Glass nicht mehr zu produzieren, als Indikator dafür genommen haben, dass Wearables – besonders Datenbrillen – nicht nützlich sind. Ich hingegen vertrete die Ansicht, dass diese Leute nicht das große Ganze sehen. Die Tatsache, dass Google Glass nicht mehr in Googles „Brutkasten“ steckt, sondern eine separate Abteilung bekommt, ist gut. Denn es lässt mich vermuten, dass wir zukünftig eine Technologie von Google sehen werden, die moderner und noch praktikabler ist. Und auch Googles Konkurrenz schläft nicht: Sony launcht eine eigene Version einer Datenbrille – zum halben Preis! Und auch Microsoft steigt in das Geschäft der Smart Glasses mit ein. Noch ist der Markt zwar verhältnismäßig klein, aber ich bin mir sicher, dass wir ein gewaltiges Wachstum in den nächsten 18 Monaten bis zwei Jahren sehen werden.

Welches Interesse zeigen die Anwenderunternehmen? Inwieweit kommen jene Brillen bereits konkret zum Einsatz? Oder ist alles noch eher Vision?
Meyringer:
Für viele Kunden sind Wearables ein sehr heißes Thema. Wir glauben, dass sich die Technologie in den nächsten 12 bis 18 Monaten dramatisch auf den Markt auswirken wird. Wearables haben offensichtliche Vorzüge für die Industrie und für weitreichende Bereiche wie Medizin, der Unterhaltung von Lagerhäusern und der Herstellung sowie für das Baugewerbe. Viele unserer Kunden überlegen derzeit, ob und wie Wearables Geschäftsprozesse beschleunigen können. Gleichzeitig ist auch der Preis ein Faktor: Sind die Geräte erschwinglicher, wird es auch wahrscheinlicher, dass Unternehmen dem Consumer-Trend folgen werden. Eine der aktuellsten Fragen für uns ist nun, auf welche Art Wearables wie Datenbrillen in den Kundenservice integriert werden können, um die Kundenerfahrung mit einem Unternehmen noch besser zu gestalten.

Welche Möglichkeiten bietet der Einsatz von Datenbrillen in der Branche? Können Sie konkrete Einsatzszenarien beschreiben?
Meyringer:
Es gibt viele verschiedene Einsatzmöglichkeiten für Datenbrillen und andere tragbare Geräte. Eine naheliegende ist, meiner Meinung nach, eine Anwendung in Contact Centern und Collaboration-Umgebungen. Aber erst intelligentes Routing macht aus einer Datenbrille eine praktische Unternehmensanwendung. Datenbrillen haben sogar das Potential, weitere Geschäftsbereiche zu beeinflussen. Welche genau das sind, wird sich zeigen.

Mit welchen Herausforderungen haben die Hersteller noch zu kämpfen? Welche Stolpersteine gibt es?
Meyringer:
Die größte Herausforderung aus Unternehmenssicht ist sicherlich Datenbrillen in die bereits bestehende Arbeits- und IT-Umgebung zu integrieren. Unternehmen sind gut darin beraten, langfristig zu denken und sich für ein Herangehensweise mit offenen Standards zu entscheiden. So entsteht eine gute Grundlage für die weitere Nutzung von Wearables, auch wenn sich die Technologie und die Bedürfnisse von Endnutzern verändern sollten.

Welchen Stellenwert hat das Thema „Sicherheit“ im Bereich der Datenbrillen?
Meyringer:
Sicherheit ist für alle Unternehmen ein wichtiges Thema. Besonders in datensensiblen Bereichen, wie z.B. Banken, muss die Sicherheit von Hard- und Software gewährleistet sein. Das gilt natürlich auch für Wearables wie Datenbrillen.

Welche Zukunft sagen Sie den „Smart Glasses“ voraus?
Meyringer:
Trotz der vorübergehenden Einstellung des Verkaufs von Google Glass denke ich, dass Datenbrillen im Unternehmensbereich Zukunft haben. Außerdem gibt es neben Google bereits eine Reihe anderer Anbieter, die Smart Glasses herstellen, die speziell auf die Bedürfnisse von Industriekunden angepasst sind. Sie haben das Potential, das Arbeiten flexibler und schneller zu gestalten – auch über den Einsatzort Contact Center hinaus.

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