UPDATE: Zuschlag für Audi, BMW und Daimler

Wohin gehen die Geodaten von Nokia Here?

Nokia Here geht an die deutschen Autobauer Audi, BMW und Daimler. Die neuste Entwicklung und Hintergründe zur Bedeutung der Geodaten ...

UPDATE: Laut Meldung des Manager Magazins erhielten die deutschen Autobauer Audi BMW und Daimler den Zuschlag. Für weniger als erwartet: 2,5 Milliarden Euro soll der Kaufpreis betragen.

Karten sind der Rohstoff für alle Geschäftsmodelle, die mit standortbasierten Funktionen oder vergleichbaren Möglichkeiten punkten wollen. Der Aufbau einer solchen Datenbasis, vor allem mit allerlei „Points of Interest“, ist teuer und fehleranfällig - die Schräglage von Apple Maps lässt grüßen.

Wie gut, dass im Moment eine seit zwei Jahrzehnten penibel aufgebaute  weltweite Datenbasis für digitale Karten komplett zum Verkauf steht: Nokia Here, ehemals Navteq. Das ursprünglich US-amerikanische Unternehmen gehörte seit Mitte der Neunzigerjahre zu den Vorreitern bei elektronischem Kartenmaterial und wurde vor acht Jahren an Nokia verkauft.

Karten für autonome Fahrzeuge

Bereits vor gut drei Monaten verbreiteten sich erste Gerüchte über einen möglichen Verkauf des Kartendienstes, beispielsweise an Uber. Er passt nicht mehr recht zu Nokia als Netzwerkausrüster. Der Ex-Hersteller von Smartphones hat den Dienst seinerzeit gekauft, um seine eigenen Geräte aufzuwerten.

Gut passen dagegen würde der Dienst zu den Autoherstellern BMW, Daimler und Audi. Denn hervorragendes Kartenmaterial ist eine der Grundvoraussetzungen für die Funktionsfähigkeit eines ganz oder teilweise autonom fahrenden Autos. Eine Zeit lang war auch Uber im Blick der Verkäufer, da auch dieses Unternehmen mit autonomen Fahrzeugen experimentiert.

An den diversen, vor allem von der Nachrichtenagentur Reuters verbreiteten Branchengerüchten lässt sich ablesen, dass der Bieterwettstreit vermutlich bereits entschieden ist. Die drei Autohersteller sind wohl die Wunschkandidaten von Nokia. Die Finnen scheinen einerseits einen europäischen Hersteller als Käufer zu bevorzugen und andererseits eine gewisse Menge an Anteilen behalten möchte.

Neu: Kooperation statt Konkurrenz

Schwer zu sagen, ob diese Aussicht das dominant auftretende Uber abgeschreckt hat oder ob es der potentielle Preis zwischen zwei und vier Milliarden Euro war. Für die deutschen Autohersteller ist Nokia Here eine einmalige Gelegenheit, in Sachen Karten aus der Abhängigkeit von US-amerikanischen Herstellern auszubrechen.

Was dabei fast untergeht: Die drei größten Here-Kunden Audi, BMW und Daimler scheinen sich für eine Übernahme zusammen zu schließen und ein Konsortium zu gründen. Dadurch ist indirekt auch VW via Ingolstadt mit im Boot, ebenso Porsche. Wenn das wirklich stimmt, handelt es sich um eine kleine Revolution in der deutschen Industrie: Kooperation statt Konkurrenz.

Tatsächlich ist das eine Schwäche der deutschen Wirtschaft gegenüber der „Disruptionsmacht“ von Apple, Google & Co.: Die digitale Transformation betrifft ganze Branchen und Geschäftsmodelle, nicht nur einzelne Unternehmen. Die großen deutschen Autohersteller müssen ihre Konkurrenz teilweise aussetzen, um ein Bein in den digitalen Markt zu bekommen. Anders wird es nicht gehen.

Bildquelle: Thinkstock

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