WhatsApp: „Dagobert Zuck“ im Kaufrausch

Zuckerberg hat jetzt einen Facebook-Killer

Das größte soziale Netzwerk schluckt den größten mobilen Messenger. Für 19 Milliarden Dollar kauft Facebook seinen größten Konkurrenten – eine Chat-App.

Mark Zuckerberg

Facebook verliert die Teens, unken Analysten schon seit Monaten. Jetzt hat sie Mark Zuckerberg zurück gekauft. Teens und Twens sind die kommunikativste, digital-nativste und damit langfristig interessanteste Zielgruppe von allen. Und wo findet sie sich im Moment in erster Linie? Bei WhatsApp und anderen mobilen Messengern wie SnapChat, WeChat oder Viber.

Das Smartphone ist bei vielen jungen Leuten unter 25 schon vollkommen in den Alltag integriert, als zentraler Verschiebebahnhof für Dates, Fun und Gossip. Schon die gute, alte SMS war vor allen Dingen ein Teenager-Tool. WhatsApp und seine Konkurrenten sind es noch viel mehr: Gruppen-Chats, Sprachnachrichten, Foto- und Videoversand laden zum Spielen und Herumalbern ein.

Die ständige, mal direkte und mal zeitversetzte Kommunikation („Messaging“) hat sich in Rekordzeit neben Streaming und Games zu einer Killer-Anwendung bei Mobilgeräten entwickelt. Aber ist eine Chat-App wirklich 12 Mrd. $ in Aktien, 4 Mrd. $ in bar und 3 Mrd. $ in Bezugsrechten für Mitarbeiter wert?

Vor kurzem hat WhatsApp-Gründer Jan Koum eine Übernahme durch Facebook für den (aus heutiger Sicht) Spottpreis von drei Milliarden Dollar abgelehnt. Eine in mehrfacher Hinsicht weise Entscheidung, denn der Messenger-Markt ist dynamischer als jeder andere Teilmarkt der Digitalwirtschaft. WhatsApp hat bereits 450 Millionen Nutzer, wächst schneller als Facebook und dürfte wohl in recht kurzer Zeit die Milliarden-Grenze knacken.

Konsolidierungen der Messenger

Auch die anderen Messenger entwickeln sich ähnlich fix und es ist schon abzusehen, dass irgendwann eine Konsolidierung kommen wird: Der Größte saugt wegen des Netzwerkeffekts die Anwender der Konkurrenz auf, so wie das Facebook mit Myspace und hierzulande mit StudiVZ gemacht hat.

Vorher wollten aber einige Unternehmen noch Marktanteile sichern. So ging Viber mit seinen 225 Millionen Mitgliedern für den Schnäppchenpreis von  900 Millionen Dollar an den hier nicht so bekannten Internethändler Rakuten. Da geht es offensichtlich um „Instant Buying“. Und Facebook? Kommen jetzt Chats mit Werbeunterbrechungen?

WhatsApp sagt nein: Keine Werbung, keine Registrierung von Namen und Anschriften, alles bleibt beim Alten, auch die 99 Cent pro Jahr. Das wird sich zeigen, denn auch Jan Koum kann sich nicht gegen den Trend stemmen. Er kann aber als frisch gebackener Teilhaber Einfluss nehmen.

Denn Facebook-Aktien für 16 Milliarden Dollar entsprechen bei einer aktuellen Marktkapitalisierung von gut 160 Milliarden Dollar einem Anteil von zehn Prozent. So schnell kann es gehen: Vom gefährlichen Rivalen zum schwer reichen Mitbesitzer in wenigen Monaten.

Bildquelle: Facebook

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