Neue Aufgaben für den CIO

Wie Enterprise Mobility die Business-IT verändert

Weniger Admins, mehr IT-Manager – so lässt sich die Entwicklung der Business-IT knapp zusammenfassen. Enterprise Mobility verändert die Aufgaben des CIOs und seines Teams.

Business-IT war schon immer ein dynamisches Feld. Doch die mobile Revolution der letzten Jahre hat die IT noch weiter beschleunigt. Die Release-Zyklen werden im Rahmen von Enterprise Mobility immer kürzer. Auch die Märkte erfordern häufig schnelle Reaktionen, die mit klassischen IT-Paradigmen kaum zu schaffen sind.

Ein entscheidender Wandel in der IT ist die Transformation zu einer agilen Organisation, nicht nur im Rahmen der Software-Entwicklung. Kurz gefasst bedeutet Agilität: Für Entwicklung und Bereitstellung von IT-Lösungen gibt es keinen Masterplan, der vollständig abgearbeitet wird. Im Gegenteil, agile Organisationen gehen im Normalfall sehr kleinschrittig vor. Sie lassen nach jedem Schritt angepasste und überarbeitete Anforderungen in die weitere Entwicklung einfließen.

Verhältnis zwischen Anwender und IT

Vor allem Enterprise Mobility bringt zahlreiche Herausforderungen für die IT. Mobile Lösungen sind häufig nicht nur spezifisch für einen Fachbereich, sondern besitzen zahlreiche übergreifende Aspekte. Ein Beispiel: Wartungstechniker, die mit mobilen Apps arbeiten, können vor Ort direkt Ersatzteilbestellungen in die entsprechende Geschäftsanwendung eingeben.

Sie haben also nicht nur spezifische Apps für ihren Aufgabenbereich auf ihren Mobilgeräten, etwa Routenplanung, Zeiterfassung und technische Dokumente. Sie verfügen auch über Schnittstellen zu anderen Geschäftsanwendungen, die früher exklusiv für einen bestimmten Fachbereich waren. Solche Lösungen erfordern häufig recht umfangreiche Anpassungen der vorhandenen Anwendungen.

Der übergreifende Aspekt von Enterprise Mobility hängt eng mit einer weiteren wichtigen Entwicklung zusammen: Das geänderte Verhältnis zwischen den Anwendern und der IT-Organisation. Traditionell war die technische Expertise ausschließlich bei der IT verortet. Wenn die Fachbereiche eines Unternehmens irgendeine Lösung für ein Problem haben wollten, wandten sie sich an die IT und "bestellten" dort das Entsprechende. Um alles weitere kümmerten sich dann die Experten.

Enterprise Mobility hat dieses Verhältnis verändert. Zahlreiche Mitarbeiter und auch viele Entscheider in den Fachbereichen kennen sich gut mit mobilen Geräten, Apps und Cloud-Services aus. Sie haben Zug um Zug eigene IT-Expertise aufgebaut und dadurch allmählich eine Schatten-IT außerhalb der regulären IT-Organisation aufgebaut.

Der Graubereich aus privat genutzten oder ad hoc gebuchten Cloud-/Mobile-Apps ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Die IT-Organisationen waren häufig nicht in der Lage, die gewünschten Lösungen rasch bereitzustellen. Mobility-erfahrene Anwender haben jedoch wenig Geduld und möchten Lösungen so schnell haben, wie sie das von ihren privat genutzten Apps kennen.

Hinzu kommt eine Entwicklung weg von den herkömmlichen, nur mit viel Know-how zu betreibenden Geschäftsanwendungen für Serversysteme. Inzwischen gibt es auf dem Markt eine Vielzahl an modernen Cloud-Lösungen, bei denen der Anteil der reinen IT-Aufgaben gering ist. Sie müssen weder bereitgestellt noch umständlich konfiguriert oder aufwändig gewartet werden, da dies von den Dienste-Anbietern übernommen wird.

Größere Autonomie der Fachbereiche

Zahlreiche Aufgaben, für die ehemals exklusiv die IT verantwortlich war, werden deshalb heute von den Fachbereichen nebenbei erledigt. Trotzdem ist vor allem in größeren Unternehmen die eigene IT-Organisation noch längst nicht obsolet geworden. Es gibt auch weiterhin viele geschäftskritische Kernanwendungen, die in einem eigenen Rechenzentrum betrieben werden müssen.

Hinzu kommen zahlreiche interne Apps, Schnittstellen zwischen unterschiedlichen Lösungen sowie eine Vielzahl an zu betreuenden stationären und mobilen Geräte. Außerdem bestehen Unternehmensnetzwerke aus mehr als ein paar Kilometern Kabel. Weiträumiges WLAN und VPN-Strecken über Fest- und Mobilnetz sind heute Standard.

Darüber hinaus gilt es, das "große Ganze" im Blick zu behalten, beispielsweise das Zusammenspiel der einzelnen Lösungen im Rahmen einer IT-Infrastruktur. Hinzu kommen erweiterte Managementaufgaben für die IT-Organisation. Je bedeutender Outsourcing oder der Einkauf von Cloud-Services wird, desto wichtiger wird die Steuerung der jeweiligen Dienstleister.

Hinzu kommen zahlreiche weitere übergreifende Aspekte wie Servicemanagement, Security und Compliance. Zugespitzt ausgedrückt: Wer viel auslagert, braucht weniger Admins, aber mehr IT-Manager. Die Rolle der IT hat sich also trotz einer größeren Autonomie der Fachbereiche letztlich nicht verkleinert, sondern erweitert.

Viele CIOs sehen sich heute nicht mehr in erster Linie als technischer Dienstleister. Sie positionieren sich vielmehr als Berater ihrer Geschäftsführung für Themen wie Cloud Computing und Enterprise Mobility – eine neue Aufgabe für die Business-IT.

 

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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