Microsoft greift an

Android- und iOS-Apps für Windows 10

Microsoft öffnet Windows 10 für Apps anderer Mobilbetriebssysteme. Auch der Spartan-Browser arbeitet mit den Addons der Konkurrenz zusammen – und heißt jetzt „Edge“.

Auf der Entwicklerkonferenz Build kündigte Microsoft an, Windows 10 für Apps anderer Mobilbetriebssysteme zu öffnen.

Der Software-Riese aus Seattle verfolgt eine Doppelstrategie. Zum einen ist das Unternehmen eine Kooperation mit Cyanogen, dem Hersteller eines bekannten Alternativ-Androids eingegangen. Zum anderen wird es die direkte Nutzung von Android- und iOS-Quelltexten für die Entwicklung von Universal-Apps für Windows 10 ermöglichen.

Offene Partnerschaft

Die Partnerschaft mit Cyanogen ist in der Android-Szene recht misstrauisch beäugt worden, befürchteten doch zahlreiche Freunde des Open-Source-Betriebssystems eine Kolonisierung durch Microsoft. Doch Microsoft hält sich stark zurück und hat eine offene Partnerschaft vereinbart.

Das Community-basierte Custom-ROM CyanogenMod ist von der Zusammenarbeit mit Microsoft nicht betroffen. Lediglich in Cyanogen OS, dem kommerziellen Mobilbetriebssystem des Herstellers, wird Microsoft Apps und Services wie Bing, Skype, Outlook und Office integrieren und vertreiben - zulasten der entsprechenden Google-Apps.

Dabei soll es sich jedoch um eine optionale Systemkomponente handeln. Die Apps sollen sich in den Einstellungen deaktivieren, aber auch komplett deinstallieren lassen. Auf jeden Fall wird Cyanogen OS dadurch deutlich attraktiver für Hardwarehersteller und auch für Businessanwender, in deren Nutzungsszenario Office und Outlook eine Rolle spielen.

Attraktivität für Anwender ist auch in umgekehrter Richtung ein entscheidendes Argument. Das große Problem von Windows 8 war bisher ein gewisser App-Mangel. Zwar waren so gut wie alle großen und bekannten Namen vertreten, doch nicht jeder Anbieter übertrug alle Möglichkeiten und Funktionen seiner Android- oder iOS-Apps auf Windows. Die Versionsstände unter Windows hinkten also teilweise deutlich nach.

Migration von Android, iOS, Webapps und .NET/Win32

Bei Windows 10 hat Microsoft diese Situation jetzt auf die denkbar einfachste Weise verändert: Die Quelltexte von Apps für Android (Java, C++) und iOS (Objective C) werden direkt in die entsprechenden Universal-Apps für Windows 10 „übersetzt“.

Dazu hat Microsoft spezielle Entwicklerkits (SDKs) auf den Markt gebracht, mit denen die Quellcodes relativ leicht angepasst und in Windows-Apps umgewandelt werden können. Ähnliche Entwicklerkits gibt es auch für Webapps sowie für klassische Windows-Desktopanwendungen (.NET, Win32).

Aus Anwendersicht ist das eine gute Entwicklung: Populäre Apps der konkurrierende Mobilbetriebssysteme können jetzt unter Windows verfügbar gemacht werden und klassische Desktopanwendungen sind dadurch (hoffentlich) recht unproblematisch an die Touchscreen-Bedienung anzupassen.

In der Konsequenz rückt Microsoft damit allerdings von der strengen Design-Politik ab, die es mit der anfangs als „Metro“ bezeichneten Kacheloberfläche von Windows 8 eingeführt hat. So werden zahlreiche Apps in Zukunft auch optisch sehr stark an ihre Android- oder iOS-Varianten erinnern.

Diese neue Offenheit von Microsoft für konkurrierende Plattformen zeigt sich auch in seinem neuen Webbrowser. Die bisher als „Project Spartan“ bekannte Universal-App trägt jetzt den Namen „Edge“. Sie soll neben den bisher bekannten Funktionen wie Lesemodus und Kommentierung auch Chrome- und Firefox-Erweiterungen nutzen können.




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