Responsive Organisation

Produktivitätswerkzeuge für lernende Unternehmen

Lernfähige Unternehmen hören auf Kunden und Mitarbeiter. Doch damit diese Gehör finden, benötigt das Unternehmen ein „Social Business“.

Hinter dem Stichwort „Group Productivity“ verbergen sich Kommunikationslösungen, die die Mitarbeiter auf dem Weg zu einem lernfähigen Unternehmen unterstützen.

Am Anfang des 21. Jahrhunderts wäre Starbucks beinahe gescheitert: Die Systemgastronomie mit Kaffee hatte sich tot gelaufen und der nordamerikanischen Markt war gesättigt, sodass zahlreiche Filialen schließen mussten. Doch das Unternehmen schaffte den Umschwung und verkündet seit dem Anfang des Jahrzehnts einen Umsatzrekord nach dem anderen.

Was hat Starbucks also richtig gemacht? Das Unternehmen hat auf die Wünsche der Kunden gehört und das Angebot stärker auf ihre Bedürfnisse und die Anforderungen des Standorts ausgerichtet. Es hat außerdem als eine der ersten Restaurantketten eine eigene App mit einer Möglichkeit zum mobilen Bezahlen entwickelt.

Kunden und Mitarbeiter als Wissensquelle

Als Mobility-Vorreiter hat Starbucks damit ein modernes Image bekommen und neue, junge und urbane Käuferschichten angesprochen. Letztlich hat das Unternehmen eine relativ einfache Regel befolgt: „Beobachte deine Kunden genau, finde heraus, was sie gebrauchen können und biete es ihnen dann an.“ Das Unternehmen hat also aus den Kundenreaktionen gelernt und war damit erfolgreich.

Inzwischen gibt es ein Managementkonzept, das viele Elemente des Vorgehens von Starbucks oder anderen, lernfähigen Unternehmen für den Umbau von Organisationen nutzbar machen will. Das Modell der „Responsive Organisation“ beschreibt ein Unternehmen, das sehr schnell auf Herausforderungen antworten kann, indem es den internen Informationsfluss öffnet, Experimente fördert und einen Prozess des inkrementellen, zyklischen Lernens etabliert. 

Es ist ein Netzwerk aus Mitarbeitern, Kunden und Partnern, die von einem gemeinsamen Ziel motiviert werden. Genau dieser Netzwerkaspekt ist entscheidend. Kunden und Mitarbeiter sind eine enorm wichtige Quelle für Informationen, die Produkte und Services verbessern können. Ein lernfähiges Unternehmen würde diese wertvolle Ressource nutzbar machen. Doch die Frage ist: Wie soll das gehen? 

Hier haben sich vor allem in Unternehmen mit sogenannten Wissensarbeitern Kommunikationslösungen wie etwa ein Enterprise Social Network (ESN) als wertvolles Werkzeug etabliert. Die Software wird unter dem Stichwort „Group Productivity“ zusammengefasst. Das sind beispielsweise Werkzeuge wie Office 365, das ESN Yammer, die Microsoft Cloud oder Unified Communications mit Skype for Business.

Sie verfolgen alle das Ziel, Teams und Einzelpersonen schnell, einfach und effektiv mit dem auszustatten, was sie für die tägliche Arbeit benötigen – und das über alle Plattformen, Zeit- und Ortsgrenzen hinweg. Sie vernetzen Mitarbeiter, sorgen für den Wissensaustausch und verbessern die Zusammenarbeit.

Eine echte „Responsive Organisation“ würde diese Art der Kommunikation nicht nur auf bestimmte ausgewählte Bereiche begrenzen, sondern im gesamten Unternehmen verwirklichen. Diese Vorstellungen sind aber kein Wunschbild mehr, sondern längst in der deutschen Wirtschaft angekommen.

Soziale Kommunikations-Tools boomen

Nach einer Bitkom-Umfrage setzen gut drei Viertel (75 Prozent) der deutschen Unternehmen Social Media für die interne oder externe Kommunikation ein. Der wachsende Einsatz von ESN-Funktionen und andere Kommunikations-Tools läuft unter dem Stichwort „Social Business“.

Ein wachsender Markt: Zwischen 2013 und 2019 werden die Investitionen und Ausgaben deutscher Unternehmen für Social-Business-Produkte und -Services von 1,2 Mrd. Euro auf 7,8 Mrd. Euro wachsen. Dies bedeutet ein durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 36 Prozent, heißt es im aktuellen „Social Business Vendor Benchmark 2015“ der Experton Group.
„Social Business hat sich in seinen unterschiedlichen Facetten vom Hype zur Realität entwickelt“, stellt Frank Heuer, Senior Advisor der Experton Group, fest und erläutert: „Statt bewährte Methoden ganz zu beseitigen, kombinieren Social-Business-Projekte heute erfolgreich das Beste aus „alter“ und „neuer“ Arbeitswelt. Daher ist der deutsche Markt auch in 2014 mit über 50 Prozent weiter deutlich gewachsen.“

Dies bedeutet aber nicht, dass die deutsche Wirtschaft nun aus ganz vielen responsiven Unternehmen besteht. Das Thema steckt nach Ansicht des Sharepoint-Experten und Microsoft MVPs Nicki Borell noch in den Kinderschuhen. „Veränderungen brauchen Zeit“, meint Borell. „Große Dinge beginnen oft im Kleinen und neue Ideen und Ansätze werden meist erst einmal skeptisch beäugt.“

Die Veränderungen in der IT, der Arbeitswelt und der Informationsverarbeitung sollten seiner Meinung nach nicht nur technologisch gesehen werden. Ein wesentlicher Aspekt ist nicht das eingesetzte Tool, sondern die Organisationsform. Nach den Erfahrungen der Social-Business-Experten der Altimeter Group entwickeln sich „Social Enterprises“ nur sehr langsam von einer zentralistischen zu einer holistischen Organisation.

Letztere zeichnet sich dadurch aus, dass alle Mitarbeiter im Rahmen einer gemeinsamen Strategie arbeiten und sich durch eine sehr starke Kundenorientierung auszeichnen. Eine vorhandene Hierarchie ist insoweit „flach“, als Mitarbeiter durch besondere Leistungsfähigkeit an Einfluss und Wirkung gewinnen können. Erst in einer solchen Organisationsform können die geforderten „responsiven“ Lernprozesse einsetzen.

Informationen über die „Reponsive Organisation“
Organisationsprinzipien für das Social Business
 
Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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