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Indirekte SAP-Nutzung entsteht nicht nur durch Salesforce-Integrationen

In letzter Zeit geht der Software-Hersteller SAP noch härter gegen Lizenzverstöße vor. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die indirekte Nutzung von SAP-Daten über Drittanwendungen.

Erst vor wenigen Wochen wurde der Fall des britischen Getränkeherstellers Diageo bekannt. Dieser musste vor dem höchsten britischen Gericht eine Niederlage im Rechtsstreit mit SAP einstecken. Diageo, zu dessen Marken unter anderem Baileys, Guiness oder Smirnoff Vodka gehören, hat Nutzern über das CRM-System Salesforce Zugriff auf SAP-Daten gewährt. Für diese Nutzung verlangt SAP nun eine Nachzahlung in Höhe von mehr als 55 Millionen britische Pfund plus entgangene Wartungsgebühren. Die endgültige Schadenssumme muss noch festgesetzt werden, aber das Urteil aus Großbritannien ist eindeutig: Unternehmen müssen auch für solche Nutzer Lizenzgebühren zahlen, die nur indirekt über Anwendungen eines Drittherstellers auf SAP zugreifen. Das Urteil geht sogar so weit und setzt den vollen Preis einer Nutzerlizenz für die indirekte Nutzung fest.

Ohne Salesforce ist man nicht zwangsläufig auf der sicheren Seite

So brisant der Fall von Diageo auch ist, SAP-Anwender dürfen nicht dem Eindruck erliegen, dass es ausschließlich beim Einsatz von Salesforce-Produkten lizenzrechtliche Probleme gibt. Im Gegenteil: Viele Anwender, die bereits durch einen „unfriendly“ Audit gegangen sind, können berichten, dass oftmals Eigenentwicklungen das tatsächliche Problem sind. Diese selbstprogrammierten Anwendungen sind mitunter seit vielen Jahren im Einsatz, ohne dass deren Nutzung jemals in Hinblick auf mögliche Lizenzverstöße betrachtet wurde.

Wer also kein Salesforce verwendet, ist nicht automatisch auf der sicheren Seite in Sachen indirekter Nutzung. Auch Kunden, die seit vielen Jahren integrierte Anwendungen im Einsatz haben, besitzen kein „Gewohnheitsrecht“. Selbst wenn das Thema indirekte Nutzung bei der jährlichen Lizenzvermessung nie angesprochen wurde, kann SAP dennoch eine Lizenzierung einfordern.

Wie lässt sich indirekte Nutzung erkennen?

Gerade in komplexen SAP-Landschaften ist es eine Herausforderung, indirekte Nutzung zu erkennen. Um kein finanzielles Risiko einzugehen, sollte die IT-Landschaft gründlich auf Schnittstellen zu SAP untersucht werden. Dazu zählen nicht nur RFC-Schnittstellen, sondern auch Verbindungen via iDocs, PI oder XML. Wichtig ist dabei, welche Daten tatsächlich mit den Drittanwendungen ausgetauscht und wie diese verwendet werden. Wurden Daten angelegt, geändert oder nur angesehen? Wurden eventuell nur technische Daten übertragen? Nur so lässt sich ermitteln, welche Anwendungen wirklich unternehmerisch wichtig sind oder welche Schnittstellen möglicherweise stillgelegt werden können. Auf dieser Grundlage haben SAP-Anwender alle wichtigen Informationen, um eine Strategie für die Verhandlungen mit SAP zu entwickeln.

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