App-Entwicklung: Interview mit Christoph Weiss und Sebastian Sutter, IBM

Richtig Apps entwickeln – Teil 2

Fortsetzung des Interviews mit Christoph Weiss, Architekt für Mobile Lösungen bei IBM, und Sebastian Sutter, Spezialist für IBM Worklight, über den aktuellen App-Markt und was es bei der Entwicklung zu beachten gilt

  • Sebastian Sutter, Spezialist für IBM Worklight und

  • Christoph Weiss, Architekt für Mobile Lösungen bei IBM erklären im Interview, worauf Verantwortliche bei der App-Entwicklung achten müssen.

AdvertisementKönnten Sie zwei Beispiele nennen, was erfolgreiche Projekte ausmacht? Was können Entscheider davon lernen?
Weiss:
Ein erfolgreiches Projekt zeichnet sich in erster Linie durch die Akzeptanz der Nutzer aus. Eine App soll komfortabel sein und für den Nutzer Effizienzsteigerungen bringen.

Ein gutes Beispiel ist das Projekt „Van Seller", das wir in Auftrag und zusammen mit Mercedes-Benz umgesetzt haben. Hier handelt es sich um eine iOS-App, die im Verkaufsgespräche genutzt wird, um einen Van zu konfigurieren. Bereits während der Entwicklung haben wir die künftigen Nutzer, also Van-Verkäufer und -Käufer, immer wieder eingebunden. Dadurch sind früh Verbesserungsvorschläge in die Entwicklung eingeflossen und die App ist mittlerweile ein Renner.

Weitere Aspekte von Erfolg sind die „Time to Production“ oder „Time to Market“, also wie schnell sich die Lösung realisieren und ausrollen lässt. Dabei geht es natürlich um die App selber – vielleicht muss sie für unterschiedliche Plattformen bereitgestellt werden? Meist wichtiger, aber unterschätzter ist der Aufwand für die Integration bestehender Backend-Anwendungen, um Services überhaupt bereitstellen zu können.

Ein weiteres Beispiel ist das mittelständische Unternehmen Rohde und Schwarz, das im Bereich Mess-, Funk und Ortungstechnik tätig ist. Das Unternehmen hat seine 2.000 Außendienstmitarbeiter mit mobilen Applikationen auf Basis von IBM Worklight ausgestattet. Entscheidend war dabei die Geschwindigkeit mit der unterschiedliche Backend-Systeme angebunden und neue Apps auf insgesamt fünf verschiedenen Plattformen verfügbar gemacht werden konnten. Rohde und Schwarz belegt, wie schnell Unternehmen mit eigenen Ressourcen und Skills in die mobile Welt einsteigen und Wettbewerbsvorteile erzielen können.

Welche Qualifikation benötigen App-Entwickler?
Sutter:
An App–Entwickler werden heute sehr vielfältige Skills-Anforderungen gestellt. Dies kommt daher, dass jede Plattform ihr eigenes Ökosystem, sowie eine individuelle Programmiersprache mit sich bringt. Wer für eine Plattform entwickelt, muss für eine andere Plattform neue Konzepte und Best Practices erlernen. Viele Unternehmen entscheiden sich daher für einen hybriden Ansatz auf Basis von HTML5. Damit stehen ihnen auch mehr Entwickler zur Verfügung, da HTML und JavaScript Frameworks bereits von vielen in der Webentwicklung eingesetzt werden.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein? Welche Rolle werden Apps künftig spielen?
Sutter:
Die Anzahl der Apps wird sicher zunehmen. Im Unternehmensumfeld gibt es noch zahlreiche Prozesse, die durch eine Mobilisierung zu Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen führen können. Auch im Konsumentenbereich gibt es noch viel Potential für den Aufbau von Geschäftsmodellen, die primär für den mobilen Kanal geschaffen wurden. Da das mobile Gerät immer mehr zum allgegenwärtigen Begleiter und demnächst sogar zur mobilen Geldbörse werden soll, ist es nur ein logischer Schritt  vermehrt Transaktionen über das Smartphone und Tablet abzuwickeln.

Sehr spannend dürfte zudem die Entwicklung der mobilen Plattformen in den nächsten Jahren sein. Auch wenn der Markt derzeit von iOS und Android dominiert wird, dürfte es hier ebenfalls Bewegung geben: Microsoft versucht mit aller Macht Windows Phone in den Markt zu drücken, um den Anschluss nicht komplett zu verlieren. Samsung bastelt an seinem eigenen Betriebssystem Tizen, das zudem vernetzt auf Waschmaschinen und Fernsehern zum Einsatz kommen soll. In der Open Source Community gibt es vielversprechende Ansätze mit Firefox OS und Ubuntu OS.

Welche Konsequenz hat dies für die Zukunft der App-Entwicklung?
Weiss:
Eine Konsequenz ist, dass Unternehmen und Entwickler verstärkt auf hybride Anwendungen setzen, um möglichst hohe Unabhängigkeit und Flexibilität zu erreichen. Diesen Trend können wir in den letzten Monaten beobachten. Weiterhin wird sich auch die private mit der geschäftlichen Nutzung weiter vermischen, da die Benutzer nur ein Endgerät verwenden möchten. Für Unternehmen und ihre B2E-Apps werden daher sogenannte „Container“ oder „Sandbox“-Anwendungen immer wichtiger. Mit diesen Ansätzen lässt sich sicherstellen, dass Unternehmensanwendungen in einer eigenen, abgesicherten Umgebung ausgeführt und gemanaged werden. Die Themen Security, Device und App Management rücken weiter in den Fokus.

Darüberhinaus werden sich mittel- und langfristig durch die Integration der unterschiedlichen Lebensbereiche neue Geschäftsfelder und Anwendungen ergeben. Sei es durch Entertainment, Mobile Payment oder auch Themen wie Connected Car, Augmented Reality oder Internet of Things. Hier ist die Kreativität der Unternehmen und App-Entwickler gefragt. Eine spannende Zeit, denn wer hier zur richtigen Zeit, die richtige Idee und die beste App hat, wird gutes Geld verdienen.

Welche Rolle wird Mobilität in fünf Jahren haben?
Weiss:
Die Vielfalt an mobilen Endgeräten und Plattformen, sowie der Ausbau der mobilen Netze für eine bessere Abdeckung und Anbindung werden weiter zunehmen. Das wird zu neuen Wegen führen, wie wir Apps verwenden.

Themen mit großem Zukunftspotential sind Mobile Payment, Mobile Wallet, Connected Car und Augmented Reality, sowie natürlich die Vernetzung der einzelnen Bereiche. Weiterhin kann man erwarten, dass sich die Marktführerschaft von Anbietern und Produkten immer wieder ändern wird. Insofern sollten man bei der App-Entwicklung Investitionen durch Unabhängigkeit von einer bestimmten Plattform schützen.

Auch die sogenannten Wearable Produkte – wie die Brille von Google, Samsung Gear oder das SmartBand von Sony – werden sich in Zukunft durchsetzen. Hier kann ich mir sehr gut vorstellen, dass in fünf Jahren Museen oder auch Städte diese Technologie für ihre Besucher anbieten und damit die guten alten „Audioguides“ ablösen.

Und wie gehen Sie privat mit Apps um?
Sutter:
Ich bin immer wieder begeistert von Kreativität und Einfallsreichtum der App-Entwickler. Toll finde ich Apps bei denen man merkt, dass diese nach einem MobileFirst-Ansatz entwickelt und gestaltet sind. Im Urlaub finde ich es aber entspannender ganz ohne Technik auszukommen. Das gelingt mir zum Glück noch (lacht).

Weiss: Da stimme ich zu. Im Urlaub ist es sehr entspannend, einfach mal komplett abschalten zu können. Dagegen kann ich mir im privaten und geschäftlichen Alltag ein Leben ohne mobile Apps nur noch schwer vorstellen. Mal kurz eine Bahnverbindung oder ein Hotel buchen und wichtige Informationen nachschlagen, das ist schon sehr praktisch. Wichtig für mich ist dabei aber das Vertrauen zur App. Diese sollte nur die notwendigen Daten sammeln und verarbeiten. Deshalb schaue ich mir vor allem im privaten Umfeld die App im Detail an, bevor ich sie installiere.

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok