Interview mit Wolfgang Neuhaus, Itemis

Zufriedenheit der Endanwender als Messlatte

Interview mit Wolfgang Neuhaus, Vorstand bei der Itemis AG über Aspekte der Software-Entwicklung.

Wolfgang Neuhaus, Itemis AG

Wolfgang Neuhaus, Vorstand bei der Itemis AG

IT-DIRECTOR: Inwieweit verändern neue Technologien wie Cloud Computing oder Mobility die herkömmliche Software-Entwicklung?
W. Neuhaus: Cloud Computing sorgt dafür, dass immer weniger Spezialisten sehr komplexe, robuste Cloud-Plattformen entwickeln. Im Gegenzug wird es immer mehr Entwickler geben, die die Programmierschnittstellen und Services dieser Lösungen verwenden. So wird die Vielfalt an Architekturen reduziert und letztlich Software-Entwicklung weniger komplex.

Mobile Endgeräte sorgen insbesondere für neue Herausforderungen in der Bedienbarkeit. Hier ist die Erwartungshaltung der Nutzer deutlich größer geworden. Auch Gesten oder Sprache dienen zunehmend als Interaktionsmittel und müssen in der Entwicklung verstanden und sinnvoll eingesetzt werden.

IT-DIRECTOR: Welche neuen Fehlerquellen sind bei der Entwicklung von Individualsoftware für Anwenderunternehmen zu beachten – und welche altbekannten sind nach wie vor relevant?
W. Neuhaus: Bei der Entwicklung von Individualsoftware sind immer mehr Plattformen und Technologien zu berücksichtigen. Dies erhöht die Fehlerrate. Methoden und Werkzeuge zur plattformübergreifenden Entwicklung können hier Abhilfe schaffen – genauso wie plattformübergreifende Standards wie HTML5.

IT-DIRECTOR: Welche Programmiersprache ist derzeit unter Software-Entwicklern besonders beliebt? Und warum ist das so?

W. Neuhaus: Eindeutig Javascript. Die aufkommenden mobilen Endgeräte forcieren den Einsatz mobiler Webapps und Webseiten. Dadurch wird Javascript immer bedeutsamer. Außerdem ist es häufig die Programmiersprache der Wahl für APIs von Cloud-Services.

IT-DIRECTOR: Mit welchen gängigen Methoden bzw. Modellen lässt sich die Qualität der Software-Entwicklung bewerten?
W. Neuhaus: Die Qualität der Software-Entwicklung sollte ganz vorneweg an der Zufriedenheit der Endanwender und an der Fähigkeit zur Einhaltung von Schätzungen bemessen werden. Damit lässt sich feststellen, ob eine Entwicklungseinheit in der Lage ist, versprochenen Nutzen auch zu abgeschätzten Kosten zu ermöglichen. Im Detail lassen sich sicherlich weitere Qualitätsmaßstäbe auf Architektur- und Code-Ebene, auf Ebene der Dokumentation und anhand der Fehlerraten und Behebungszeiten definieren.

IT-DIRECTOR: Gibt es Automatisierungs-Tools, mit denen sich die Qualität messen lässt? Wenn ja, welche? Und wie funktionieren diese?
W. Neuhaus: Die Qualität einer Software lässt sich rein aus technischer Sicht mit vielen automatisierten Werkzeugen überprüfen. Dies reicht von der Bewertung von Softwaremodellen und Code bis hin zu automatisierten Tests. Bei den Bewertungen lassen sich zu starke Abhängigkeiten, ungünstige Skalierungseigenschaften oder mögliche Fehlersituationen beispielsweise durch Deadlocks aufdecken. Automatisierte Tests decken Qualitätsmängel insbesondere bei Änderungen schnell auf.

IT-DIRECTOR: Was sollten Anwenderunternehmen, die ihre Software bei einem externen Dienstleister entwickeln lassen, hinsichtlich der Softwarequalität bei der Ausgestaltung der SLAs auf jeden Fall beachten?
W. Neuhaus: Hier fällt die Antwort leicht: Den richtigen und vertrauenswürdigen Dienstleister auswählen, denn über gute Verträge löst man dieses Problem selten.

IT-DIRECTOR: Welche Auswirkungen hatte der schlimmste Ihnen bekannte Software-Entwicklungsfehler?
W. Neuhaus: Besonders schlimm sind sicherlich die Fälle, in denen Menschen durch Entwicklungsfehler zu Schaden kommen oder gar sterben, wie im Fall falsch programmierter Bestrahlungsgeräte, bei denen Patienten eine tödliche Strahlendosis erhielten. Besonders kurios hingegen ist dieses Beispiel: Im Programmcode eines der ersten computergesteuerten Jagdflugzeuge, der F-16 der USA, befand sich im Algorithmus ein Vorzeichenfehler. Beim Überfliegen des Äquators stellte sich das Flugzeug auf den Kopf.

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