Studien belegen, dass der deutsche Mittelstand nur unzureichend auf Hackerangriffe, Datendiebstahl und andere Formen der Cyberkriminalität vorbereitet ist.
Die Vorweihnachtszeit ist eine Zeit größter Hektik in der Wirtschaft. Und sie ist eine Zeit erhöhter Gefahr, zumindest für kleinere und mittelgroße Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur nicht ausreichend schützen. Cyberkriminelle greifen Webserver gerne im Dezember an, vor allem von Handelsunternehmen.
In der Schlussphase des Weihnachtsgeschäfts bedeuten blockierte Webserver oft enorme Umsatzausfälle. Ziel der Angriffe ist dabei meist nicht Datendiebstahl, sondern lediglich der Beweis: „Wir können Schaden anrichten“. Und dann folgt eine klassische Schutzgelderpressung, sonst geht der Angriff weiter.
Doch dies sind nicht die einzigen Sicherheitsrisiken in der IT von Unternehmen. Häufig werden Weihnachtsgeschenke online vom Büro-PC aus geordert und manchmal stolpern die Mitarbeiter dabei über verseuchte Webseiten. Leider sind vor allem kleinere Firmen ein leichtes Ziel, da die Schutzmaßnahmen äußerst mangelhaft sind.
Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC ist der deutsche Mittelstand nur unzureichend auf Hackerangriffe, Datendiebstahl und andere Formen der Cyberkriminalität vorbereitet. So hat jedes fünfte Unternehmen überhaupt keine Prozesse zur Informationssicherheit definiert.
Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt der „Sicherheitsmonitor Mittelstand“ der Initiative „Deutschland sicher im Netz e.V. (DsiN)“, die unter der Schirmherrschaft des Bundesinnenministers steht. Die Ergebnisse lassen sich auf eine kurze Formel bringen: Die Digitalisierung des Geschäftsalltags steigt, das Sicherheitsbewusstsein sinkt.
In der Wirtschaft werden immer mehr sensible Daten immer aufwendiger verarbeitet. Doch die Unternehmen hadern mit der praktischen Umsetzung. Die häufigsten Gründe dafür sind mangelnde Kenntnisse, Defizite in der Organisation und Überforderung der (zu wenigen) mit diesem Thema befassten Mitarbeiter.
So geht es nach Erfahrung von Thomas Uhlemann, Security Specialist bei ESET Deutschland, zwar in sehr vielen Firmen grundlegende technische Schutzmaßnahmen für die IT. Doch für Alltagsprobleme gibt es nur wenige Sofortstrategien, die bei sicherheitsrelevanten Vorfällen greifen.
„Unternehmen investieren heutzutage viel Geld in die technische Absicherung des Netzwerks“, sagt Uhlemann. „Doch der nächste Schritt, nämlich die Kontrolle der eingeleiteten Maßnahmen, wird sträflich vernachlässigt.“
Auch der Risikofaktor Mensch werde oftmals nicht ernst genug genommen. Er stehe nach wie vor an erster Stelle. Viele Mitarbeiter haben vollen Zugang zum Internet und Benutzerreche über den eigenen Arbeitsbereich hinaus.
Darüber hinaus werden Mitarbeiter kaum über Sicherheitsstandards informiert oder entsprechend geschult. So werden vor allem die Risiken von Smartphones maßlos unterschätzt – obwohl sie in deutschen Unternehmen schon zum Standard gehören.
Der DsiN-Sicherheitsmonitor sieht im Mittelstand mehrere Handlungsfelder, in den die Unternehmen Maßnahmen ergreifen müssen. An erster Stelle steht eine Stärkung des Bewusstseins für IT-Risiken und Schwachstellen im Unternehmen sowie für mögliche Folgen und Schäden.
Ergänzend muss die Lösungs- und Umsetzungskompetenz verbessert werden. Die Mittelständler sollen dazu befähigt werden, aufeinander abgestimmte Sicherheitsmaßnahmen zu veranlassen.
Ein dritter Schritt ist die nachhaltige Schulung der Mitarbeiter, denen häufig ein Grundverständnis für die IT-Sicherheit fehlt. Außerdem muss die technische Expertise in den entscheidenden Unternehmensbereichen verbessert werden.
Diese Maßnahmen lassen sich in aller Regel von kleineren Unternehmen nicht ohne weiteres umsetzen. Sie sollten dabei auf jeden Fall Unterstützung durch IT-Sicherheitsspezialisten einholen, die Mitarbeiter schulen, Führungsteams bei der Umsetzung von Maßnahmen unterstützen und konkrete technologische Lösungen anbieten.
Für einen ersten Eindruck der in einem Unternehmen möglicherweise vorhandenen Sicherheitslücken können Mittelständler den IT-Sicherheitsscheck des DsiN-Vereins ausführen. Die Auswertung betrifft IT-Infrastruktur/Management, Internet- und E-Mailnutzung (inkl. Social Media), Mobile Business sowie Datenschutz/IT-Sicherheits-Management (inkl. Cloud Computing).
Links:
Der „Sicherheitsmonitor Mittelstand“ der Initiative „Deutschland sicher im Netz e.V.“ (DsiN)
Der DsiN-Sicherheitscheck
Die PwC-Studie zur IT-Sicherheit im Mittelstand
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