Metadaten

Der nicht verschlüsselbare Rest

Verschlüsselung löst nicht alle Probleme. Die unverschlüsselten Metadaten geben sehr viele interessante Informationen preis.

Mit einem neuen System sollen sich künftig auch die Metadaten verschlüsseln lassen.

Durch starke Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kann es nicht mehr zu Sicherheitsbrüchen beim Informationsaustausch kommen? Leider stimmt das nicht ganz, denn es gibt eine eingebaute Schwäche der herkömmlichen Verschlüsselungstechniken. Sie betrifft vor allem E-Mail oder Messaging. Verschlüsselt wird hierbei nur der eigentliche Inhalt der Kommunikation, aber nicht die Tatsache, von wem und an wen verschlüsselte Daten übertragen werden.

Metadaten geben viele Infos preis

Am einfachsten lässt sich das an der E-Mail zeigen: Der Header einer E-Mail ist im Klartext gehalten, da die aktuell eingesetzten Mailserver frei lesbare Informationen benötigen, um ihre Aufgabe zu erfüllen. So müssen zumindest die Absenderadresse und die Empfängeradresse offen lesbar sein, damit die Mail ihren Empfänger erreicht und er eine Information darüber erhält, wer ihm diese Mail schickt.

Außerdem registrieren Mailserver Datum und Uhrzeit des Sendens und Empfangens sowie die Länge der Nachricht und unter Umständen die Anzahl und Art der angehängten Dateien. Außerdem wird der Betreff einer Mail ebenfalls unverschlüsselt übertragen, so dass er grundsätzlich ebenfalls Informationen preisgibt.

Diese ganzen Angaben sowie zahlreiche weitere technische Daten wie das Routing der Mail werden unter dem Oberbegriff „Metadaten“ zusammengefasst. Sicherheitsexperten haben bereits etwas ironisch darauf hingewiesen, dass für Cyberkriminelle und Geheimdienste die Metadaten fast schon interessanter sind als die eigentlichen verschlüsselten Daten.

Denn aus Metadaten lässt sich relativ viel ableiten. Ein Beispiel aus der Wirtschaft: Ein Autohersteller tauscht regelmäßig verschlüsselte Mails mit einem Ingenieurbüro aus, das für seine fortgeschrittenen Designs für Elektromotoren bekannt ist. Diese Information aus den Metadaten reicht zumindest aus, um eine weitere Ausforschung auf herkömmliche Weise zu starten.

Die Metadaten sind der nicht verschlüsselbare Rest einer Kommunikation. Sie sind bei der heute eingesetzten Kommunikationstechnologie erforderlich, damit der Informationsaustausch überhaupt gelingt. Das bedeutet, das es zurzeit keine Lösung für das Problem der Metadaten gibt.

„Dark Internet Mail“ als Lösung

Das soll sich jedoch ändern: Verschiedene Entwickler, darunter der PGP-Erfinder Phil Zimmermann und Lavabit-Gründer Ladar Levison, arbeiten an einem komplett neuen Mailsystem für den verschlüsselten und um Metadaten bereinigten Mailaustausch. Darüber hinaus soll das System den Schlüsseltausch und alle Arbeitsschritte bei der Verschlüsselung erheblich vereinfachen.
Dieses neue Mailprotokoll soll so ausgelegt sein, dass jede beteiligte Stelle nur den sie betreffenden Teil lesen kann. Ein Beispiel: Der Mailanbieter des Empfängers kann nur denjenigen Teil der Mail lesen, der für die Zustellung in den Posteingang des Empfängers erforderlich ist. Er kann aber nicht erkennen, von welchem Absender die Mail stammt.

Das System soll den Namen „Dark Internet Mail Environment (DIME)“ tragen. Die verwendeten Protokolle sind DMTP (Dark Mail Transfer Protocol) für den Transport und DMAP (Dark Mail Access Protocol) für die Bereitstellung von Online-Postfächern.

Nach den Planungen der Entwickler soll es drei verschiedene Verschlüsselungsstufen geben. Auf der ersten Stufe handelt es sich um eine reine Transportverschlüsselung, die lediglich das „Abgreifen“ der Daten bei der Übertragung erschwert.

Ab der zweiten Stufe sieht das Protokoll eine echte Ende-Zu-Ende-Verschlüsselung vor, bei der auf dem Rechner des Absenders ver- und auf dem des Empfängers entschlüsselt wird. Alle beteiligten Mailserver verfügen also nur über verschlüsselte Daten und kennen lediglich die notwendigen Metadaten.
Diese Überlegungen hören sich recht vielversprechend an. Es wird aber sicherlich nicht einfach sein, genügend Mailanbieter davon zu überzeugen, auf die DIME-Umgebung umzusteigen. Damit die Ideen der Entwickler Wirklichkeit werden, muss nämlich eine Mehrheit der Anwender diese moderne Verschlüsselungsvariante von den Mailanbietern fordern und dann auch einsetzen.

 

Der Wikipedia-Eintrag zu Phil Zimmermann
Der Wikipedia-Eintrag zu Ladar Levison/Lavabit
Die Darkmail Technical Alliance
 
Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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